Persönlichkeit

Was sollen denn die Nachbarn denken?

Gestern hat mich ein Frage aus früheren Erfahrungen eingeholt. Ich ärgerte mich gerade lauthals über unseren Geschirrspüler, der nicht wollte, wie ich wollte. Der einfach die Zusammenarbeit verweigerte- Egal, was ich tat, ich fand die Ursache nicht. Ich schimpfte und meckerte, mehr über meine vermeintliche Unfähigkeit, den Geschirrspüler im Griff zu haben als über das streikende Gerät selbst, und… schloss das offen stehende Fenster. Damit die Nachbarn nichts von meinem Zetern mitbekommen. Dann musste ich grinsen, Lachen ließ mein Problem mit dem Geschirrspüler noch nicht zu. Ernsthaft, die Nachbarn? Was sollen denn die denn denken? Oder noch schlimmer: Was sollen denn die Nachbarn sagen? Oder auch die breite Masse einschließend: die anderen? Eher ein Satz als eine Frage, denn so oft, wie wir ihn vor allem in der Kindheit und Jugend gehört haben, gab es doch nie eine Antwort, die darauf folgte. Bei Fehlern, schlechten Noten, zu kurzen Röcken, zu lautem Trotzgebrüll, stampfenden Füßen, fleckigen Lieblingsshirts, zu dünnen Jacken… die Liste scheint endlos: Der Satz sollte einschüchtern und zu einem anderen Verhalten führen. Was Gutes finde ich jedoch auch: Wir haben dadurch gelernt, uns anzupassen. So blieb blieb dieser Satz mir wie vielleicht auch dir im Gedächtnis. Gespeichert im Unterbewusstsein. Und wenn wir es zulassen, beeinflusst dieser Satz auch heute noch unsere Gedanken und unser Handeln. Er vermittelt uns, dass wir Probleme bekommen, wenn wir uns anders verhalten als die anderen. Das bringt auch gerne unsere inneren Antreiber in die Spur, worüber ich schon einmal einen Beitrag geschrieben habe. 

Sind die anderen wirklich wichtiger als wir selbst?

Wir beschäftigen uns immer wieder damit, wie wir auf andere wirken. Natürlich wollen wir alles richtig machen, damit wir Anerkennung und Wertschätzung erfahren. Dabei gehören unsere Schwächen genauso zu uns wie unsere Stärken. Julia Tomuschat erzählt in ihrem Buch „Das Sonnenkindprinzip“ die folgende Geschichte vom Tausendfüßler:

„Es war einmal ein Tausendfüßler, der wunderschön tanzen konnte. Er konnte die tollsten Schrittkombinationen und drehte wagemutige Pirouetten. Alle, die dem Tausendfüßler beim Tanzen zusahen, waren begeistert. Doch eines Tages fragte der Tausendfüßler jemand: „Wie machst du das eigentlich, dass du so toll tanzen kannst? Nimmst du erst den linken siebenundachtzigsten Fuß und dann den dreiundachtzigsten rechten Fuß? Oder den siebenunddreißigsten rechten und dann den zweiundfünfzigsten linken Fuß?“ Der Tausendfüßler fing jetzt an, wirklich darüber nachzudenken, wie das Tanzen bei ihm funktionierte. Denn er wollte höflich sein und die Frage wirklich gerne beantworten. Als er das nächste Mal jedoch aufgefordert wurde zu tanzen, konnte er es plötzlich nicht mehr.“

Der Tausendfüßler war zu sehr in seinem Kopf und bei den anderen, dass er sich selbst darüber verlor. Was heißt das nun für uns? Wir verlieren unser Gefühl und schließlich uns, wenn wir die anderen, aber auch unseren Kopf wichtiger nehmen als uns selbst. Jede:r von uns ist einzigartig, was uns liebenswert macht, sodass es keinerlei Vergleiche mit anderen bedarf. 

Zeig‘ dich so vollkommen, wie du bist

Was hältst du davon, ab heute, zu dir selbst zu stehen? Alles ist schon da. Schau‘ selbst, was du tun kannst, um dich unabhängig(er) von der Meinung anderer zu machen:

  • Mach das, was dich glücklich macht: Lass dich nicht von Angst und Unsicherheit davon abhalten, deinen Weg zu gehen. Hinterfrage stattdessen, was das Schlimmste ist, was passieren kann. Gib deinem inneren Kritiker keine Chance, dich in deinem Tun zu beeinflussen. Wir sollten unser Leben voll auskosten statt uns zurückzuhalten, weil wir zu sehr darüber nachdenken, was andere Leute über uns und unser Leben denken.
  • Kenne deine Werte: Wenn du weißt, was dir wichtig ist im Leben, gelingt es dir besser, selbstbewusst hinter deinen Entscheidungen zu stehen. Frag‘ dich also, wie du leben möchtest. Welche Eigenschaften und Einstellungen schätzt du besonders? Die Beantwortung dieser Fragen wird dir Orientierung für deine Entscheidungen geben. Sei dir bewusst, dass sich die Antworten immer mal wieder ändern können. Das Leben ist dynamisch, sodass auch deine Werte sich immer mal wieder neu ausrichten dürfen.
  • Nimm dich an, wie du bist: Die Meinung anderer ist egal, wenn du dich selbst akzeptierst, wie du bist. Nichts, was andere über dich denken oder sagen, hat mit dir zu tun. Es ist der Blick und die Realität der anderen, geprägt aus deren Erfahrungen. Schenke dir selbst Wohlwollen, so wie du es anderen gegenüber tust.
  • Tanze auch mal bewusst aus der Reihe: Tanze, als würde niemand zuschauen. Lerne etwas Ausgefallenes wie Jonglieren oder Zaubern. Ziehe jedes Kleidungsstück in einer anderen (knallbunten) Farbe an. Springe durch Pfützen. Kaufe einen Blumenstrauß und drücke ihn der ersten Person in die Hand, die dir begegnet. Verschenke einen Stern. Dir fällt bestimmt was ein!

Bleib‘ also ganz bei dir. Das ist alles andere als leicht, weil wir es nicht gewohnt sind, für uns selbst zu sorgen. Ich verspreche dir jedoch, es lohnt sich. 

PS: Der Geschirrspüler läuft wieder. Ich ließ mir helfen: Danke, Google. 

Photo by Léa Dubedout on Unsplash

3 Gedanken zu „Was sollen denn die Nachbarn denken?“

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