Persönlichkeit

Warum es nichts bringt, jemand anderes sein zu wollen

Möchtest du gern jemand anderes sein? Glückwunsch, du bist damit nicht allein. Ich kenne viele Menschen, die der Meinung sind, irgendwie anders, irgendwie falsch zu sein. Menschen, die denken, so wie sie gerade sind, reichen sie nicht aus. Sie fühlen sich wertlos. Und sie leben ihr Leben in der festen Überzeugung, dass das auch so stimmt. Und so wünschen sie sich etwas anderes für sich. Etwas, was andere in ihrem Umfeld längst darstellen. Ich habe auch mal dazugehört und ehrlich, es gibt Tage, da falle ich in diese alten Denkmuster wieder zurück. Heute erkenne ich sie schneller und habe gelernt, damit umzugehen. Ich verrate dir gerne, wie auch du das schaffst.

Wir wollen oftmals das, was wir nicht sind

Doch lass uns erst einmal genauer hinschauen. Es ist doch so: Wenn wir arm sind, sind wir voller Neid auf die Reichen, die alles haben können, was sie sich wünschen. Sind wir reich, schielen wir auf die Armen, wenn sie ihre echten Freundschaften pflegen und sich der Liebe sicher sein können, die sie erhalten. Vielleicht erkennst du dich ja in einer der folgenden Situationen wieder:

  • Du gehst aktuell als Single durchs Leben und wünschst dir nichts sehnlicher, als endlich den richtigen Mann oder die richtige Frau an deiner Seite zu haben. Oder du lebst in einer inzwischen langjährigen Partnerschaft mit steigendem Streitpotenzial und sinkendem Interesse am anderen, und schaust neidisch in deinem Freundeskreis auf unabhängige Singles, die ihr Leben nach ihren eigenen Bedürfnissen gestalten.
  • Du hast dein Studium abgeschlossen, bist in deinen ersten Job unterwegs und übernimmst erst einmal standardisierte, operative Aufgaben, die dich schon jetzt langweilen und in deiner Kreativität ausbremsen; eigentlich möchtest du doch Führungskraft sein. Oder du bist schon länger im Job, führst ein Team mit mehreren Mitarbeiter:innen und wünschst dir die unbesorgte Zeit aus deiner Junior-Zeit zurück, in denen du noch keine Verantwortung für andere und viel Zeit für dich hattest.
  • Du wünschst dir ein Kind und schielst schwermütig auf die strahlende Mutter, die ihren schlafenden Nachwuchs im Kinderwagen durch den Park schiebt. Oder du hast ein Kind, dass gerade all deine Aufmerksamkeit für sich beansprucht; du kannst dich nicht daran erinnern, wann du zuletzt ein ganzes Wochenende etwas nur für dich getan hast, und das ist genau das, was du jetzt brauchst.
  • Du hast gerade deinen dritten Unternehmenswechsel hinter dich gebracht und ärgerst dich, weil dein aktuelles Team mit seinem breiten Schatz an Erfahrungen eine wichtige Aufgabe bewältigt hat, bei der du keinen größeren Beitrag leisten konntest, weil dir (noch) das entscheidende Wissen zum Unternehmen fehlt. Oder du bist bereits seit 10 Jahren bei deinem Arbeitgeber und wünschst du selbst dir den Blick von außen mit daraus resultierenden neuen Ideen, die der neue Kollege gerade im Meeting geäußert hat und dafür gefeiert wird.

Ich verrate dir etwas: Du irrst im Glauben, glücklich werden zu können, wenn du irgend etwas anderes wirst. Ist es nicht vielmehr so, dass du den Kummer des einen gegen den Kummer des anderen austauschst? Oft schaust du nun einmal auf das, was du nicht hast. Oder eben auf das, was du nicht bist. Das Ganze passiert im Unterbewusstsein, was es nicht einfacher macht. Es fehlt damit die Chance, das Ganze über den Verstand, also ganz rational zu lösen. Das Einbinden von Körper und Gefühlen kann hier unterstützend helfen.

So, wie du bist, bist du gut genug

Kurt Cobain hat einst gesagt: „Jemand anderes sein zu wollen ist eine Verschwendung deiner Person.“ Gib dich also nicht der Illusion hin, dass alles besser ist, wenn du jemand anderes bist. Schau‘ dir statt dessen an, was alles schon da ist. Meine Erfahrung ist, dass in dieser Kennenlernreise zu sich selbst viele schöne Gedanken wie auch Gefühle stecken. Mach‘ dir das gerne zunutze. Hier meine Tipps für dich:

  • Mach dir klar, was du alles kannst: Was hast du in deinem Leben schon erreicht? Welche Ausbildung(en) hast du erfolgreich durchlaufen? Schule, Beruf, vielleicht ein Studium, Zusatzqualifikationen… Alles zählt. Was hast du in eher herausfordernden Zeiten geschafft? Wie hast du Krisen gemeistert? Schreib‘ am besten alles auf und erinnere dich an dein Gefühl dabei, als du deinen Erfolg leise oder laut gefeiert hast. Hat es sich nicht fantastisch angefühlt, wenn du einen Schicksalsschlag bewältigt hast? Erinnere dich immer wieder an diese Erfahrungen und das Gefühl, das du dabei hattest.
  • Hol‘ dir Feedback von anderen: Geh in den Dialog mit anderen. Lerne dich aus Sicht deiner Mitmenschen kennen. Wie sehen dich andere? Was denken deine Freund*innen oder deine Familie, was du besonders gut machst? Höre zu, ohne direkt das, was du hörst, mit einem Aber abzuwerten. Erkenne selbst an, was andere an dir schätzen.
  • Akzeptiere dich, wie du bist: Vielleicht gibt es beim Kennenlernen deines Selbst das eine oder andere, was du eher ablehnst. Erinnere dich: Kein Mensch ist perfekt. Es ist toll, sich auch seiner Schwächen bewusst zu sein. Klar, du kannst versuchen, die eine oder andere Schwäche zu verbessern. Sich selbst anzunehmen, wie man ist, ist mindestens genauso wichtig. Und vielleicht schaffst du es, über die eine oder andere Marotte hin und wieder sogar zu lachen.

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir Kummer und Leid gut loslassen können, wenn wir mit dem zufrieden sind, was wir gerade sind, egal ob mit oder ohne Partner:in, senior oder junior, mit oder ohne Kind(er)… Für ein Leben mit mehr Leichtigkeit, Freude und Energie. Teile gern mit mir deine Erfahrungen.

Photo by Giulia Bertelli on Unsplash

2 Gedanken zu „Warum es nichts bringt, jemand anderes sein zu wollen“

  1. Wenn man mit irgendetwas unzufrieden ist, muss man ja auch nicht zwangsläufig anders „sein“ vielleicht kann man ja Dinge auch anders „machen“ und dabei der/dieselbe bleiben.
    Danke für den Input

    Gefällt 1 Person

    1. Danke, T., für deinen Kommentar. Ich denke, die „Kunst“ ist es, jederzeit bei sich zu bleiben, denn „richtig“ und „genug“ sind wir von Geburt an, da besteht im Kern kein Grund zur Veränderung. Unseren Handlungsspielraum, unsere Möglichkeiten im Leben können wir jedoch erweitern, indem wir uns ausprobieren und auch mal, so wie du schreibst, Dinge anders machen als gewohnt. Besonders dann, wenn Unzufriedenheit wahrgenommen wird. Das öffnet uns dann für die eigene Weiterentwicklung.

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