(Selbst-) Führung

Was dir (und anderen) positives Feedback bringt

Als ich vergangene Woche beruflich eine Veranstaltung moderierte, erinnerte mich das Feedback der Teilnehmer:innen an eine Begebenheit, die einige Jahre zurückliegt. Meine Tochter kam von der Schule nach Hause und zeigte mir eine Blumenbastelei, auf deren Blütenblättern lauter positive Adjektive standen. Ihre Augen strahlten, sie floss über vor positiver Energie. Als sie mir den Hintergrund erzählte, stellte ich fest, dass sie, ohne dass sie es wusste, ein oft in Coachings und Trainings verwendetes meines Erachtens großartiges Werkzeug kennen gelernt hatte. In diesem geht es darum, von seinem Umfeld Feedback über sich zu erhalten, und zwar positives Feedback. Damit werden auf schnelle Art und Weise innere Ressourcen gestärkt, was wiederum das Selbstbild und das Selbstbewusstsein stärkt. Von den Rückmeldungen, die sie überrascht haben, erzählt sie hin und wieder heute noch, denn das Fremdbild entsprach seinerzeit nicht ihrem Selbstbild. Nun sah ich mich selbst also erwachsenen Menschen gegenüber, die offenbar ähnliche Erfahrungen im Abgleich von Selbst- und Fremdbild machten. Jede:r Einzelne strahlte im Anschluss, und es gelang ihnen, im weiteren Verlauf des Tages überwiegend motiviert, offen und neugierig zu bleiben. In dieser Runde erlebte ich also wieder einmal, wie wohltuend und erfüllend (hier: positives) Feedback für uns Menschen ist. Soziale Anerkennung ist nun einmal ein Grundbedürfnis. Hieraus lassen sich Entscheidungen besser treffen, die zu neuen Erfahrungen führen. Wie schade daher, dass zwar Feedback – positives wie negatives – zur Natur des Menschen gehört, (noch) nicht jedoch Platz in der Kultur vieler Unternehmen findet. Vielleicht liegt das daran, dass wir (immer noch) in einer Leistungsgesellschaft leben, in der das Motto „Höher. Schneller. Weiter.“ zählt. Für positives Feedback ist da keine Zeit. Für den Zoom auf Schwächen und Entwicklungsfelder schon. Und genau hier vergeben wir uns oft eine Chance. 

Positives Feedback ist magisch

Nur Feedback macht es dem Empfänger möglich, sein Selbstbild mit Fremdbildern zu vergleichen, sodass es gegebenenfalls korrigiert werden kann. Eine positive Selbstwahrnehmung wird durch ein wertschätzendes Umfeld gefördert. Es gibt uns und unserem Nervensystem Sicherheit, die uns konzentriert unser ganzes Potenzial rauskitzeln lässt. Und wenn ich mir das in Unternehmen zu Nutze mache, ist das förderlich für die Produktivität und damit den Erfolg im Unternehmen. Vor allem die Reaktionen von Menschen, mit denen wir in engerer Beziehung stehen, sei es nun beruflich oder privat, können unsere Selbstwahrnehmung und unser Selbsterleben stark beeinflussen. Aber hast du gewusst, dass Lob mit zunehmenden Erfahrungen nachlässt? Wenn wir Eltern werden, begleiten wir den Nachwuchs mit Lob und Tadel, um dessen Verhalten entsprechend zu beeinflussen. Sobald der Nachwuchs in der Lage ist, die erhaltenen Rückmeldungen nicht nur aufzunehmen, sondern auch zu verarbeiten, unterstützt dies enorm beim Sammeln von Daten für das eigene Feedbacksystem. Es gibt nur einen Haken: Je mehr Erfahrungen der Nachwuchs gesammelt hat, umso früher verzichten Eltern auf lobendes Feedback. Dann geht es lediglich noch um Kritik, um Verhaltensänderungen herbeizuführen. Später im Berufsleben ist das nicht anders. Die Probezeit wird vor allem bei Berufsanfängern noch mit positivem Feedback versehen, anschließend sieht es eher mau aus. Unbewusst verteilen wir für Dinge, die bereits gelernt wurden, kein Lob mehr – auch nicht, wenn wir unsere Sache wirklich richtig gut gemacht haben. Der Druck steigt damit mit jedem Lernerfolg: Wer weiterhin Lob bekommen möchte, muss sich steigern. Hallo, Leistungsgesellschaft!

Innere Stärkung durch eine warme Dusche

Gerade in der Hektik des Alltags ist es wichtig, dass wir uns selbst stärken und die eigenen Ressourcen im Blick haben. Hierfür bietet positives Feedback einen Raum, dein Selbstvertrauen zu stärken und gut gelaunt durch deinen Tag zu gehen, sodass du gestärkt auch Konflikte und schwierige Situationen meisterst. Mit ein bisschen Übung klappt das ganz leicht: Bitte dein Umfeld um ein Feedback und lass‘ dir beispielsweise folgende Fragen beantworten:

  • Was ist mir heute gut gelungen?
  • Wie hast du mich in der Diskussion/Präsentation/Veranstaltung etc. wahrgenommen?
  • Wie sind deiner Meinung nach meine drei größten Stärken?
  • Was gelingt mir in der Zusammenarbeit/unserer Beziehung besonders gut?
  • An welcher Stelle/in welcher Situation bin ich über mich selbst hinausgewachsen?

Wichtig: Fishing for compliments ist damit selbstverständlich nicht gemeint. Schmeichelei mag der Seele dienen, das Ziel von Feedback ist es nicht. Hast du damit noch keine Erfahrung, so bitte eine:n gute:n Freund:in darum; die vermeintliche Hürde erscheint dir vielleicht niedriger. Ganz wichtig: Hör‘ einfach nur zu und kommentiere nicht. Sieh‘ es wie eine warme Dusche, denn deren Wirkung ist sehr ähnlich. Und auch dein Gegenüber wird für eine warme Dusche Anerkennung und Wertschätzung dankbar sein. Überleg‘ mal, wann dir zuletzt ein Lob für dein Gegenüber über die Lippen gekommen ist. Ein Lob, das nicht nur aus einem Wort („Super!“, „Toll!“, „Schön!“ etc.) bestand. Beim Formulieren helfen dir helfen dir Ich-Botschaften wie…

  • Ich finde super, dass…
  • Du kannst stolz auf dich sein, weil…
  • Ich finde dich toll, weil…
  • Ich schenke dir ein Lob, weil…
  • Ich habe gesehen, dass du dir viel Mühe gibst bei…

Anderen positives Feedback zu geben, wirkt auch in dir nach: Das Leuchten in den Augen deines Gegenübers wird auch deinen Tag positiv begleiten. Wem also sprichst du noch heute in deinem Umfeld ein Lob aus? Wen bittest du um ein positives Feedback? Und: Hab auf dem Schirm, dass Eigenlob noch nie gestunken hat. Du weißt schon, alles fängt bei dir an. Übrigens: Ich finde es super, dass du meinen Blog liest und vielleicht das eine oder andere an Impulsen für dich und dein Leben mitgenommen hast. Ich freue mich immer über Feedback. 

Photo by Drop the Label Movement on Unsplash

13 Gedanken zu „Was dir (und anderen) positives Feedback bringt“

  1. Leider ist man mit Tadel schneller bei der Hand, als mit einem Lob. Das sollte ich mir mal wieder zu Herzen nehmen. Nicht nur für die eigene Familie, auch für die Kollegen. Ab und zu braucht man einen Stupser in die richtige Richtung. Dankeschön.
    Viele Grüße
    Stine

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    1. Lieben Dank, Stine, für deinen Beitrag! Ich schätze, beim Tadel spielen auch die eigenen Gefühle eine entscheidende Rolle, daher rutscht die Kritik hier schneller raus als das Lob. Viele Grüße, Synke

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  2. Das erinnert mich an die Führungs-Seminare aus meiner Anfangszeit – Feedback geben und lernen, Feedback anzunehmen war da immer ein großes Thema. Oha, ist lange her … kaum zu glauben, wie die Zeit vergeht.

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    1. …und Feedback geben und annehmen ist nach wie vor Thema in vielen Unternehmen. Ich gehe sogar einen Schritt weiter: es ist und bleibt ein gesellschaftliches Thema. Lieben Dank für deinen Kommentar, Cornelia.

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  3. Mit großem Interesse habe ich Deinen Beitrag gelesen. Auch mit fällt auf, dass konstruktive Kritik zu praktizieren kaum noch jemand kann. In meiner Zeit bei Microsoft lernte ich, wie wichtig es ist, auch bei Kritik stets wertschätzend zu bleiben und die Kritik so zu verpacken, dass sie auch (positiv) ankommt. Wir wurden darauf regelmäßig gecoacht und dadurch hatten wir ein wunderbares Betriebsklima. Ein super Coaching auch für Firmen. Denk mal darüber nach. Wird sicher gebucht!

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    1. Dankeschön, liebe Marion! Ich bin total bei dir. Ich beobachte auch, dass vielen das “Handwerkszeug” fehlt, vor allem der Mut. Kritik zu äußern heißt oft, sich verletzbar zu machen. Das macht (unbewusst) Angst und wir bleiben lieber in unserer sicheren Höhle, statt draußen Sonnenschein zu suchen und zu finden. Dann wird sich Hilfe in den Ohren anderer Höhlenmenschen gesucht, was sicher für den Moment hilft, nicht aber nachhaltig, zumindest wenn wir später immer wieder in ähnlichen Situationen (fest)stecken. Ich freue mich, wenn dieses Thema – Lob wie Kritik – in Unternehmen nicht nur mittels eLearning, sondern auch begleitet gecoacht werden darf.

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  4. Ich habe tatsächlich selber auch mal so etwas gemacht in der Schulzeit und später in einem Persönlichkeitstraining und ich ging mit positiver Energie und positiven Gedanken da raus. Das hat dazu geführt, dass ich immer mit positiven Gedanken jeden Tag aufstehe und mein Empfinden auch jetzt anders aussieht als vorher. Es hat etwas bei mir verändert von den Wahrnehmungen. Toller Beitrag.

    Wünsche dir noch einen schönen Feiertag

    Lg Betti

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    1. Dankeschön, Bettina! Das ist schön, dass du den Effekt wahrgenommen hast. Toll, dass du es schaffst, jeden Tag mit positiven Gedanken aufzustehen. Das gelingt mir (noch) nicht. Weiter so!

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  5. Oh das stimmt! Ich hatte gestern (auf einer Fortbildung) auch ganz überraschend ein sehr nettes Kompliment bekommen, das hatte mich noch den ganzen Tag beflügelt! Ich finde oftmals wird sowas nur so dahin gesagt, wenn man überhaupt mal nette Worte bekommt! Aber wenn sie dann auch noch so ehrlich rüberkommen, sind sie sehr wertvoll für die Seele!

    Liebe Grüße
    Jana

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  6. Hallo Synke! Danke für den Beitrag – ich sage oft „Das ist verloren gegangen“, nicht nur wenn es um Feedback sondern allgemein um Positives geht. Das fängt beim „guten Morgen“ an und hört beim Lob oder einfach mal „was Nettes sagen“ auf. Feedback kann einen nur weiter bringen – sofern es respektvoll ist und bleibt! Hab einen guten Tag! Sirit

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    1. Hallo Sirit, ja, da bin ich ganz bei dir! Schon ein Guten Morgen zu hören, freut mich auch sehr! Und Danke ist auch ein schönes Feedback. In diesem Sinne: Hab herzlichen Dank für deinen Kommentar! Happy Day! Liebe Grüße, Synke

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