(Selbst-) Führung

Warum es gut ist zu akzeptieren, was ist

Akzeptieren, was ist? Ja, das klingt so einfach und fühlt sich doch so schwer an. Wahrlich eine Herausforderung, gerade in einer Herausforderung. Die Pandemie hat uns gelehrt, eine Situation um einen Virus herum zu akzeptieren. Eine Situation, die sich wider Erwarten in unterschiedlichen Ausprägungen über Jahre hinwegzog. Eine Situation, die wir akzeptierten, an die wir uns angepasst haben. Nun ja, schon ein wenig gesteuert, und einigen fiel das Akzeptieren eher schwer, andere nahmen es leichter und zogen vielleicht sogar Vorteile aus der Situation. Akzeptieren ist letztlich nichts anderes als eine innere Einstellung. Wir stellen uns der Realität. In diesem Moment, im Hier und Jetzt. Hier sagen wir innerlich „Ja“ zu einem Umstand, einem Menschen oder einer Situation. Es fällt uns schwer, die Realität anzunehmen, wenn sich der Partner von uns trennt, eine Krankheit unseren Körper beeinträchtigt, die Kinder aus dem Haus in ein eigenes, selbstgewähltes Umfeld ziehen. Akzeptieren können wir auch, wenn wir an anderen Menschen Verhaltensweisen oder Charaktereigenschaften wahrnehmen, die uns nerven oder stressen. Die nicht vereinbar sind mit unseren Werten. Klar, wir können dagegen ankämpfen. In den Widerstand gehen. Wir können aber eben auch akzeptieren, was ist. Aber Achtung, das bedeutet nicht, gleich aufzugeben. Aus etwas, was wir doof finden, etwas Tolles zu machen, funktioniert nicht. Und es bedeutet genauso wenig, dass wir uns nicht mit unseren vermeintlichen Schwächen auseinandersetzen, um etwas zu ändern, sofern wir dies wollen. Akzeptanz heißt also in erster Linie, zunächst „Ja“ dazu zu sagen, was das Leben für uns bereithält. Egal, ob wir die Dinge, die da kommen, nun als gut, richtig, schön, falsch oder nicht richtig bezeichnen.

Akzeptanz heißt Loslassen, dann handeln

Aus der Positiven Psychologie wissen wir, dass es am besten für uns ist, wenn wir all unsere Erfahrungen, einschließlich unserer Schmerzen, annehmen, anstatt dagegen zu kämpfen. Die Vergangenheit ist geschehen, die Zukunft nicht vorhersehbar. Was zählt, ist der Moment. Der Moment ist die Gegenwart. Und nur in der Gegenwart können wir in aller Gänze fühlen. Wir bekommen hier also Klarheit über unsere Gefühle. Wir öffnen die Pforten zu unserer Wahrnehmung. Wenn wir das, was ist, nicht akzeptieren, riskieren wir, uns ins negative Wirrwarr von Gedanken über Vergangenheit und Zukunft zu begeben. Wenn wir uns beim Sport verletzt haben und für einige Zeit das Bett hüten müssen, nützt uns der Frust über diese Tatsache so gar nichts. Viel hilfreicher ist es zu überlegen, was wir mit dem Umstand oder auch trotz des Umstandes machen können. Mit der Tatsache leben. Trotz der Tatsache leben. Sich mit den Tatsachen, der Realität, anzulegen, bringt nichts – außer vielleicht noch mehr Frust. Dabei verlieren wir mehr, als wir gewinnen. Hand aufs Herz: Würdest du in den Ring steigen, wenn du genau wüsstest, dass du nicht die leiseste Chance hast, deinen Gegner zu besiegen? Das wäre irrsinnig, oder? Und trotzdem machen wir das immer wieder. Was tust du, wenn dir etwas passiert, das dir so gar nicht gefällt? Beim Aufräumen fällt dir ein Glas aus der Hand und zerbricht. Du setzt dich versehentlich auf deine Brille, sodass sie entzweibricht. Du erfährst, dass du den Job nicht bekommen hast, für den du dich beworben hast. Klar, das sind alles mehr oder weniger schlimme Situationen. Jedoch haben sie eines gemeinsam: Wenn sie passiert sind, sind sie passiert. Nichts und niemand kann sie rückgängig machen. Und dennoch steigen wir direkt in den Ring mit der Realität und rufen – ob still oder laut -: „Das darf doch jetzt nicht wahr sein!“ Tja, die Realität hält dagegen: „Es ist aber wahr!“. Daher heißt es auch hier, Widerstand bringt dich nicht weiter. Solange du dich im Widerstand befindest, bist du unfähig, richtig zu handeln. Akzeptiere erst. Handle anschließend. Weil unsere Kontrolle über die Außenwelt immer beschränkt ist, ist das die effektivste Möglichkeit, etwas zu erreichen.

Akzeptanz führt zu innerer Zufriedenheit

Wenn wir aufhören, uns gegen die Realität aufzulehnen, können wir unsere ganze Energie und Aufmerksamkeit auf das richten, was uns wichtig ist. Es braucht viel Übung, sich nicht über etwas zu ärgern, was wir (zumindest für den Moment) nicht ändern können. Es lohnt sich jedoch, daran zu arbeiten. Mit einer inneren Ja-Haltung der Realität gegenüber halten wir den Schlüssel zu einer tiefen inneren Zufriedenheit in der Hand. Halte dir gerne folgendes Gebet von Reinhold Niebur vor Augen:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Im Klartext: Es gibt kein Patentrezept, das uns hilft, bei Herausforderungen herauszufinden, ob wir besser was ändern oder annehmen sollen. Uns achtsam zuzuwenden, unserer Intuition und weniger den Gedanken aus dem Ego, aus unseren Verletzungen, oder gesellschaftlichen Normen zu vertrauen, ist ein sehr guter Weg. Und selbst, wenn wir etwas ändern möchten, funktioniert das stets am besten aus einer positiven Grundeinstellung heraus. Übrigens: Ich übe auch immer mal wieder in der Akzeptanz, was gerade ist. Auch in diesen Tagen.

Photo by Haley Phelps on Unsplash

 

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