(Selbst-) Führung, Persönlichkeit

Was es bedeutet, selbstbewusst zu sein (und zu werden)

Schon als kleines Mädchen staunte ich über Menschen, die immer zu wissen schienen, was sie wollten und was sie tun. Ich hatte damals noch kein Wort dafür, bewunderte diese Menschen und nahm mir schon früh vor, so auch zu werden, wenn ich groß bin. Irgendwann erfuhr ich auch das Wort dafür, das diese Menschen auszeichnete: Selbstbewusstsein. Ich lernte auch, zur Schau getragenes Selbstbewusstsein von echtem Selbstbewusstsein zu unterscheiden. Mir meiner selbst bewusst zu sein oder noch eindeutiger: mir meiner selbst, meiner inneren Stärken und Fähigkeiten bewusst zu sein, das wurde früh zu meinem Nordstern. Auch wenn es Jahrzehnte und immer wieder neue Erfahrungen brauchte, weiß ich heute um mein Selbstbewusstsein. Was es mehrt und mindert. Und wie ich jeweils damit umgehen kann. Doch woran machen wir überhaupt selbstbewusste Persönlichkeiten fest?

Selbstbewusste Menschen erkennen

Menschen mit einem gesunden Portion Selbstbewusstsein sind Menschen, die konsequent die gesetzten Ziele verfolgen, dabei stets lösungsorientiert und optimistisch auftreten. Es sind die Macher:innen, die auf schwierige Situationen zugehen statt sie zu vermeiden. Menschen, die Hilfe und Unterstützung einholen, wenn sie nötig wird. Die bei Fehlern, Rückschlägen und Niederlagen auch einstecken können und dennoch gestärkt weiterlaufen. Die weniger Katastrophen und mehr Chancen sehen. Die ihre Meinung vertreten, auch wenn dies zu Konflikten führt. Es hilft, auch mal hinter die Fassade zu schauen: Treten Menschen nach außen auffällig laut auf, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass sie auch selbstbewusst sind. Womit verbindest du selbstbewusste Menschen?

Wie wir unser Selbstbewusstsein sabotieren

Sind dir Sätze wie „Das schaffe ich nicht!“, „Ich werde sicher ausgelacht.“ oder „Was sollen denn die Nachbarn denken?“ vertraut? Mangelndes Selbstbewusstsein wird durch Selbstzweifel, also Zweifel an uns selbst und unseren Fähigkeiten gefüttert. Nicht ungewöhnlich, denn wir leben immer noch in einer Leistungsgesellschaft, in der das zählt, was du erreichst, weniger, wer du bist. Fehlt hier das Vertrauen in uns selbst, schränkt uns dies ein. Vor allem, wenn wir dem, was wir denken, uneingeschränkt Glauben schenken. Identifizieren wir uns mit dem Mangel an Selbstbewusstsein, wird uns dies im Leben immer wieder vor Augen geführt. Gut, dass wir jederzeit hinschauen können, um festzustellen, dass schon ganz viel da ist.

Was Selbstbewusstsein von Selbstvertrauen unterscheidet

Indem wir unsere Talente und unser Potenzial kennen, also über Selbstbewusstsein verfügen, bauen wir Selbstvertrauen auf. Unser Selbstvertrauen steht also unmittelbar in Zusammenhang mit unserem Selbstbewusstsein. Die Bedeutung steckt auch hier im Wort. Sich selbst zu vertrauen, das meint Selbstvertrauen. Dies schließt auch das Vertrauen in unsere Intuition ein, unser Bauchgefühl. Unsere Intuition führt uns. Es geht darum, darauf zu vertrauen, dass das, was wir anpacken auch gut wird. Hier mischt gern unser Verstand, unser Ego mit. Gut gemeint, wenn daraus jedoch Angst und Unsicherheit entstehen bzw. verstärkt werden, machen sich Hürden und Blockaden breit. Hindernisse, die uns auf unserem Weg aufhalten. 

Eine Dreiecksbeziehung: Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl

Wenn sich nun aus dem Selbstbewusstsein Selbstvertrauen speist, dann bauen wir mit steigendem Selbstvertrauen unser Selbstwertgefühl auf. Der Selbstwert ist das Ergebnis dessen, was wir über uns selbst denken. Siehst du den Zusammenhang? Ist das, was wir wahrnehmen, positiv, verstärkt das ein positives Gefühl über uns selbst. Und das lässt uns wachsen und vertrauen. Wir trauen uns viel mehr zu. Allerdings liegt hier auch die Gefahr, dass wir uns überschätzen, gar selbstverliebt auf unser Umfeld wirken können. Hier kommt es auf Ausgewogenheit, die Balance an, wobei uns regelmäßiges Hinschauen und Reflexion nutzen kann.

Selbstbewusstsein stärken: 10 Tipps

Die Angst zurückgewiesen oder abgelehnt zu werden, ist bei Menschen mit geringem Selbstwertgefühl tief verankert. Im Alltag trauen sich diese Menschen wenig zu. Sie halten eigene Meinungen zurück und können auch in Konfliktsituation nicht für sich selbst einstehen. Das kann auf Dauer sowohl das soziale Leben als auch die psychische Gesundheit beeinträchtigen. Dem gilt es entgegenzuwirken. Mit diesen zehn Tipps kannst du es schaffen:

  1. Kenne und schätze deine Stärken
    Hast du dich schon das Licht der Taschenlampe auf dich selbst gerichtet? Vielleicht fühlt sich das zuerst komisch an. Tatsächlich steckt sehr für Kraft auf dem Weg zur Selbsterkenntnis und -akzeptanz hierin. Erst recht, wenn du dir das immer wieder sichtbar und bewusst machst, z.B. in deinen Gedanken über dich oder mit einer Notiz am Kühlschrank oder Spiegel. Wie du dich selbst besser lernen kannst, erfährst du hier
  2. Umgib dich mit den richtigen Menschen
    Es heißt, du bist der Durchschnitt der fünf Menschen, mit denen du die meiste Zeit verbringst. Mit wem verbringst du deine Zeit? Was zeichnet diese aus? Welche Ziele, Träume und auch Ängste und Überzeugungen haben sie? Schau‘ gern mal genauer hin, wenn ihr euch seht. In der Zeit, in der wir anderen Menschen begegnen, steckt viel Potenzial, denn – auch so heißt es – wir werden uns selbst verstehen, wenn wir unser Umfeld verstehen. Wenn du spürst, dass dir dein Umfeld nicht (mehr) gut tut, ist das eine Einladung, etwas zu verändern. Das geht in der Beziehung zum Gegenüber selbst oder auch indem du neue Menschen in deinem Leben willkommen heißt. Du hast die Wahl, mit wem du deine Zeit verbringst. Und das sollten ausschließlich die Menschen sein, die dir gut tun. 
  3. Richte dich auf Fülle statt auf Mangel aus
    Wir richten unseren Zoom oft auf die Widrigkeiten, Schwächen, Fehler, Macken etc. – kurzum: Mangel – aus, dass uns das, was uns mit Freude erfüllt, entgeht. Das trifft auf Menschen wie auf Situationen zu. Wenn du auf das blickst, was positive Gefühle in dir auslöst, ist das der Weg zu mehr Freude in deinem Leben. Es gibt unzählige Möglichkeiten und Einladungen gibt es überall; wir müssen nur hinschauen. 
  4. Übe dich in Dankbarkeit
    Wir haben die Möglichkeit, unsere evolutionär etwas „zurückgebliebenen“ Gehirnstrukturen zu verändern, indem wir Dankbarkeit praktizieren. Das hilft unserem Denkmuskel, unsere Aufmerksamkeit immer wieder und vor allem kontinuierlich auf die schönen Seiten im Leben zu lenken. So trainieren wir auch unseren Blick auf die Fülle in unserem Leben. 
  5. Lerne, gesunde Grenzen zu setzen
    Grenzen geben uns die Richtung vor, welches Verhalten wir bei anderen Menschen akzeptieren und welches Verhalten wir als inakzeptabel empfinden. Unserem Umfeld Grenzen aufzuzeigen, hilft uns dabei, glücklich und zufrieden zu sein. Das Gegenteil passiert, wenn wir es nicht tun: Missverständnisse, Frust und nicht zuletzt Stress ziehen in unser Leben ein. Übe dich darin, öfters „nein“ zu sagen, wenn dir jemand oder etwas nicht gut tut. 
  6. Stell‘ dich deinen Ängsten
    Es gibt viele Ängste. Sie gehören zu unserem Leben dazu. Die Angst ist nicht unser Feind. Wenn wir ihr die Tür öffnen, die Angst zulassen, können wir erleben, dass sie auch wieder zur Tür hinausgeht. Haben wir die Angst einige Male durchlebt, ist sie uns langsam zur Gewohnheit geworden – bis wir frei davon sind. Manchmal bedarf es Unterstützung durch Dritte, wenn unsere Ängste uns dauerhaft das Leben schwer machen. 
  7. Lass dir helfen
    Wir können nicht alles alleine schaffen. Vergiss nicht: Hilfe anzunehmen, ist eine Stärke. Es fühlt sich gut an, und zwar nicht nur für uns, sondern auch für denjenigen, der hilft. Es ist ein Geben und Nehmen, das soziale Bindung stärkt. Das ist gut für unsere Beziehungen, vor allem für die Beziehung zu uns selbst. Finde hier mehr Gründe, warum du Hilfe annehmen solltest. 
  8. Verabschiede dich von alten Überzeugungen
    Unsere negativen Prägungen, zumeist entstanden aus Botschaften, die wir in frühkindlichen Zeiten angenommen haben, begleiten uns ein Leben lang. Es alte Überzeugungen, die wir bislang nicht hinterfragt haben. Solange wir sie uns nicht bewusst machen, können sie uns aufhalten. Wir können uns jedoch jederzeit entscheiden, Schluss zu machen mit diesen negativen Glaubenssätzen. Gerade wenn wir merken, dass sie uns und unserer Entwicklung im Weg stehen. Zumeist ist das der Fall bei Überzeugungen wie „Ich bin nicht gut genug.“ oder „Ich habe es nicht verdient, glücklich zu sein.“ Eine gute Zeit, das jetzt, wo wir erwachsen sind, zu hinterfragen und umzuformulieren. 
  9. Erlaube dir Fehler 
    Wir alle machen Fehler. Gut so, denn aus ihnen können wir lernen. Oft verurteilen wir uns jedoch dafür, schimpfen uns selbst aus. Still und heimlich, ganz unbewusst. Ein Wirbelsturm, der sich dann in uns zusammenbraut und sich seinen Weg in Gefühlen wie Wut, Hilflosigkeit und Ohnmacht bahnt. Ein Ausweg: Sei gut zu dir. Gesteh‘ dir zu, mehr Gelassenheit deinen Fehlern gegenüber zu entwickeln. Nimm den Druck raus, perfekt sein zu müssen. Verzeih‘ dir, so wie du auch anderen Menschen deren Fehler verzeihst. Fang‘ bei dir an. 
  10. Bleib‘ dran
    Mein wichtigster Tipp zum Schluss: Ein stärkeres Selbstbewusstsein kommt nicht über Nacht. Es erfordert Disziplin und Tatkraft. Vergiss dabei nicht, dir deiner Taten bewusst zu werden. Schreibe dir deine Erfolgsgeschichten auf, auch wenn dahinter kleine Aufgaben stecken. Auch kleine Erfolge sind Erfolge. Es mag Tage geben, in denen es schwieriger erscheint. Lass es zu, denn es geht vorbei. 

Schenke dir einen Mutausbruch

Du weißt nun, dass die Stärkung des Selbstbewusstseins ein Prozess ist. Mit einer guten Portion Mut und Geduld belohnst du dich am Ende selbst. Auch wenn der erste Schritt im Prozess selbst noch so klein erscheint, ermutige ich dich, ihn zu gehen. Sprich‘ gern darüber, sodass auch dein Umfeld von dir lernen kann. Ich wünsche dir viele Erkenntnisse auf deinem Weg. Wenn du dir dabei Begleitung und Unterstützung wünschst, melde dich gerne bei mir. 

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(Selbst-) Führung, Persönlichkeit

Jammern. Wie umgehen mit der Negativität?

Was wäre unsere Welt ohne unser stetiges Meckern, Schimpfen, Jammern & Co.? Wir meckern, wenn die Bahn nicht pünktlich kommt. Wir jammern, wenn wir zu viele Aufgaben auf dem Tisch haben. Wir nörgeln, wenn es draußen regnet. Und wenn es nicht regnet, jammern wir, weil es zu heiß ist. Oder zu kalt. Ich mache das. Du machst das. Andere machen das. Und im Zusammenkommen machen wir es gemeinsam. Jammern verbindet. Deswegen bewegen wir uns immer wieder ins Jammertal. Wir wollen doch dazu gehören. Doch tut uns das Jammern, Nörgeln, Schimpfen, Meckern wirklich gut? Nun, uns selbst wirft es sicherlich eine Last ab. Ballast, der uns Erleichterung bringt. Wir wollen doch auch Leichtigkeit im Leben. Doch die Frage ist, wohin werfen wir den Ballast ab? Da ist die Kollegin, mit der wir gerade einen Kaffee trinken. Oder der Partner zuhause. Vielleicht auch die Kinder, die den Frust abbekommen. In der Regel ungefragt. 

Das Jammern will raus aus dir

Ist dir jemals in den Sinn gekommen, dein Gegenüber zu fragen, ob dein Jammern gerade gehört werden möchte? Probier’s mal aus – und frag‘ vorher! Nur wenige Menschen können hier ihre Grenzen aufzeigen. Und dennoch ist es eine Frage der eigenen Entscheidung. Mal ehrlich, wenn ein:e Freund:in ihren:seinen Frust mitteilen möchte, dann sind wir doch zur Stelle. Und hinterfragen: Was brauchst du gerade? Idealerweise machen wir das nicht nur in Gedanken. Vielleicht geht es um einen Rat, eine Einschätzung oder eben „nur“ ein Ohr. Zuhören. Das ist es meist, das wir uns wünschen, wenn wir durch die Stolpersteine auf unserem Weg ins Straucheln kommen und uns mitteilen wollen. Oftmals unterschätzt wird, was das Abwerfen von Ballast für Stimmung erzeugt. Angefangen bei uns selbst. Denn zunächst einmal fangen wir mit dem Jammern bei uns an. Erst dann suchen wir uns bewusst oder unbewusst unsere Zuhörer:innen. Und das wird dann schnell zur Frustgemeinschaft. 

So steigst du aus der Meckerspirale aus

Vielleicht hast du schon einmal bemerkt, dass du dich beim Abwerfen von Frust zwar kurzzeitig gut fühlst, aber sag: Hat sich an der Situation selbst etwas geändert? Hat sich nach dem Schimpfen übers graue Wetter plötzlich der Himmel erhellt und die Sonne kam raus? Hat die Kollegin, die sich deine Beschwerden über deine viele Arbeit angehört hat, angeboten, deine Arbeit zu übernehmen oder ist der Stapel zufällig direkt kleiner geworden? Lösungen haben sich nicht aufgetan, oder? Ich verrate dir was! Die Lösung liegt bei dir. Es ist an dir, ob sich eine Situation verändert oder du sie schlimmstenfalls noch wochenlang ertragen musst. Wie wäre es also mit einem neuen Weg statt wie gewohnt beim Jammern zu bleiben? Frag‘ dich gerne bei der nächsten Situation, die deinen Puls nach oben treibt:

Was kann ich tun, um an der Situation etwas zu verändern?

Vielleicht hast du nicht direkt eine Antwort darauf. Dann erlaube dir, dir Zeit zu nehmen. Was brauchst du? Wer kann helfen? Vielleicht hast du gleich mehrere Antworten. Antworten, die vielleicht den Puls noch höher schlagen lassen. Klar, der Verstand wittert Gefahr. Meist liegt genau hier die Lösung versteckt. Erlaube dir, kleiner zu denken. Sicherer. Kleine Schritte, die dich mit maximal leicht erhöhtem Puls zumindest loslaufen lassen. Zumindest gehst du dann los. Und das bringt neue Kraft! Denn das Gefühl, über die Situation die Kontrolle zu haben, ist ein wahrer Energizer.

Verpasse deiner Energie einen Frische-Kick

Wie sollst du auch in deine Kraft kommen, wenn du im Jammertal festsitzt? Nimmst du dich der Situation und deiner eigenen Verantwortung an, kommst du ins Tun. Bleib‘ an dir dran und höre dir selbst zu. Es steckt so viel Potenzial, so viel Erkenntnis in deiner eigenen Sprache. Du erkennst daran, wie du mit dir und anderen sprichst, wenn du gerade ins Jammertal abgebogen bist. Die nächste Weggabelung machst du auf, indem du dich bewusst für die Exit-Strategie entscheidest. Je mehr du das tust, umso mehr wirst du feststellen, dass Frust, Meckern und Jammerei dir und anderen gegenüber weniger werden. Ein zusätzlicher Nebeneffekt soll dabei nicht unerwähnt bleiben: Du ziehst andere Menschen, die im Jammertal feststecken, weniger an. Das hält so ganz nebenbei deine Kraft, deine Energie oben. Verurteile dich jedoch nicht dafür, dich selbst beim Jammern zu erwischen. Das ist menschlich. Und: Veränderung braucht Zeit. Und mit der Zeit kommen die Erfolge. Pure Energie! Pure Positivität. Denn du hast es verdient, glücklich zu sein!

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(Selbst-) Führung

Grenzen setzen – So klappt’s mit dem Nein-Sagen

Nein. Ein starkes Wort. Ein Wort, das Grenzen setzt. Und doch fällt es uns immer wieder schwer, Grenzen zu setzen, besonders wenn Gefühle im Spiel sind. Sind wir nicht in der Lage, gesunde Grenzen zu setzen, schaden wir in erster Linie uns selbst. Sagen wir in bestimmten Situationen „ja“ und meinen „nein“, ist das ein „nein“ gegen uns selbst – und das kann uns ordentlich Energie ziehen und den Stresspegel nach oben treiben. Ich kenne das gut aus meiner Vergangenheit, vor allem aus beruflichen Situationen, wenn ich eine Aufgabe nicht tun wollte. Ich hatte Angst, meine Mitmenschen zu verletzen oder dass sie schlecht über mich denken oder gar reden. Wenn ich dann der Aufgabe nachging, ging es mir nicht gut dabei. Geschah das über einen längeren Zeitraum, fühlte ich mich schnell unter Druck, eingeengt und ausgebrannt. Und das hatte Konsequenzen. Für die Stimmung im Job und zuhause, mir und anderen gegenüber. Irgendwann entschied ich, dass ich das nicht mehr länger mitmachen möchte. Ich erlaube mir seither, das Nein in meinem Sprachgebrauch immer häufiger anzuwenden, wenn ich merke, dass sich etwas nicht stimmig anfühlt. Mit der Zeit habe ich gelernt, Schuldgefühle auszuhalten. Überzeugungsversuche, Widerspruch abzubinden. Es ist stetiges Training. Ich erlebe auch heute noch Situationen, in denen die alten Verhaltensweisen wieder durchschimmern. Zuletzt fiel es mir schwer, die Einladung einer Freundin abzulehnen bzw. ich stellte fest, dass ich im Job zu viele Arbeitsaufgaben übernommen hatte.

Bist du ein Ja-Sager?

Geht’s dir auch so? Wie steht’s denn um deine Gefühle, wenn…

  • andere dich um einen Gefallen bitten, den du gar nicht tun willst?
  • dich jemand braucht, obwohl du gerade dringend Zeit für dich benötigst?
  • dein:e Kolleg:in dir lästige Aufgaben aufdrängt?
  • du keine Lust hast, bei einem Treffen der Familie dabei zu sein?
  • dein Kind nach deiner Aufmerksamkeit verlangt?
  • dich jemand sehen möchte, du aber gar keine Lust zu einem Wiedersehen hast?

Wie viele dieser Fragen hast du mit „ja“ beantwortet? Wichtig zu verstehen ist, dass alle Menschen unterschiedliche Grenzen haben. Fakt ist jedoch, dass wir alle Grenzen haben – und dies auch kommunizieren dürfen. Warum fällt es Menschen überhaupt schwer, „nein“ zu sagen? Oft geht dieses Verhalten auf frühkindliche Erfahrungen zurück. Vielleicht kommt dir einer oder mehrere der nachstehenden Glaubenssätze bekannt vor: 

  • Ich muss mich anpassen.
  • Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.
  • Was sollen nur die anderen denken?
  • Ich muss etwas leisten, um etwas (Geld, Anerkennung etc.) zu verdienen.
  • Nur wenn du nett bist, wirst du gemocht. 

Wir wurden bereits als Kinder darauf konditioniert, die Erwartungen anderer zu erfüllen. So sollten negative Gefühle vermieden werden. Dass es sich dabei oft um die Gefühle der anderen handelte, liegt auf der Hand. Und damit auch, dass wir darüber immer mehr unsere eigenen Bedürfnisse aus den Augen verloren haben, um das Leben der anderen zu führen. 

Angst vor Zurückweisung

Klar, in unseren Beziehungen wollen wir ein gutes Verhältnis, insbesondere zur Familie und zu Freunden. Ist dies stabil, geht es uns gut. Stabilität zeigt sich insbesondere dann, wenn wir uns erlauben, ehrlich und authentisch unsere Bedürfnisse zu äußern. Überleg‘ mal: Kannst du die Einladung deiner Freundin absagen, weil du Zeit für dich brauchst? Wie viele deiner Freundinnen akzeptieren diese Art von Zurückweisung? 

Nein-Sagen lässt sich üben

So viel steht fest: Wenn wir keine Grenzen setzen können, geht es meist um unsere Ängste. Angst vor Ablehnung. Angst vor Konflikten. Angst, andere Menschen zu enttäuschen bzw. zu verletzen. Und doch brauchen wir diese Fähigkeit, um unser Leben so zu gestalten, wie wir es wollen. Sieh es gern als Form von Selbstschutz. Für dich und dein Leben. Zum Nein-Sagen braucht es Mut und Selbstsicherheit. Mit diesen Übungen kannst du das schaffen:

Prioritäten setzen

Was ist dir wichtig im Leben? Steht dein Kind an erster Stelle, überlege das nächste Mal, ob du wirklich noch kurz vor Feierabend die Aufgaben deiner Kollegin erledigen musst, um die sie dich gebeten hat. Wie wichtig ist dir dieser Mensch? Und auch: Wie wichtig ist dir dieser Mensch im Vergleich zu dir selbst? Klar, es kann passieren, dass dein Gegenüber kein Verständnis für deine Entscheidung hat. Frust, Wut, Traurigkeit können aufkommen. Doch hieran trägst du keine Schuld: Du bist nicht verantwortlich für die Gefühle der anderen. Und du bist auch nicht verantwortlich für das Glück anderer. Es gibt nur einen Menschen, den du am nächsten stehst, und das bist du selbst. Gerade wenn es bei Treffen mit Bekannten und Kolleg:innen um eine Absage geht: Du hast noch andere Menschen in deinem Leben, die dir näher stehen. Die für dich da sind. Für die du da bist. 

Verschaffe dir Zeit und halte inne

Sofern es sich nicht um dringende Entscheidungen handelt, hast du jederzeit die Wahl, um Bedenkzeit zu bitten. Es lohnt sich, wenn du dir die Zeit nimmst und darüber nachdenkst, welchen Weg zu einschlägst. Und genau das darfst du kommunizieren: „Ich bin mir nicht sicher, ich denke darüber nach und melde mich.“ Du darfst dir erlauben, innezuhalten und dich zu fragen: Was ist das Anliegen? Möchte ich das tun? Wie viel Zeit und Energie steht mir dafür zur Verfügung? Wie viel bedeutet mir die Person? 

Fass‘ dich kurz

Erkläre dich nicht allzu lange im Nein-Sagen. Sie sprechen eher für deine Schuldgefühle und Gewissensbisse. Im Grunde bist du niemandem Rechenschaft schuldig, warum du einen Gefallen, ein Treffen etc. ausschlägst. Es spricht jedoch von sozialer Kompetenz, wenn du eine kurze Begründung für deine Entscheidung mitteilst. Besonders bei Menschen, zu denen du einen enge Bindung hast. 

Ein „nein“ klappt auch nach einem „ja“

Ein „ja“ verpflichtet dich nicht zu einer lebenslangen Entscheidung. Du hast das Recht, dich jederzeit umzuentscheiden. Hast du einmal zugesagt, darfst du auch wieder absagen. Hier spielt Ehrlichkeit und Offenheit eine wichtige Rolle. Lass dein Gegenüber deine Gedanken und Gefühle wissen. Schuldig bist du das jedoch nicht. 

Übernimm‘ die Hauptrolle in deinem Leben

Wenn du lernst, “nein” zu sagen, stellst du dich an die erste Stelle in deinem Leben. Erlaube dir das! So gelingt es dir, auch in schwierigen Zeiten Herausforderungen zu meistern. Dabei übst du dich darin, deine Bedürfnisse zu erkennen und ernst zu nehmen. Mit einem „nein“ entscheidest du dich bewusst dafür, deine Bedürfnisse zu befriedigen. So trägst du ganz wesentlich zu deiner physischen und emotionalen Gesundheit bei. 

Photo by Matthew Henry on Unsplash

(Selbst-) Führung, Persönlichkeit

Glaub‘ nicht alles, was du denkst

Es steckt ein großes Talent in uns. Das Talent des Geschichtenerzählers. Das Talent steckt in unserem Verstand. Nonstop fließen Gedanken durch uns. Ich wäre permanent damit beschäftigt, ganze Bücher zu füllen, ließe ich diese aus mir aufs Papier fließen. Unsere Gedanken werden zu Geschichten, in denen es darum geht, dass wir nicht gut genug sind oder dass wir keinen Erfolg bzw. keine Liebe verdient haben. Zu wenig Zeit haben, eine neue Gewohnheit oder ein neues Projekt anzugehen. Zu dick oder auch zu dünn sind. Zu arm, zu reich. Zu ordentlich, zu unordentlich. Was unserer Aufmerksamkeit begegnet, fließt ungefiltert in eine neue Geschichte. Eine von vielen Geschichten, die wir dann für die Wahrheit halten. Manchmal sind es auch die Geschichten von anderen, die wir zu unseren Geschichten machen. Wir hören oder lesen deren Gedanken, also das, was wir meinen zu verstehen – und machen sie zu unseren. Oft machen wir uns mit unseren Geschichten selbst das Leben schwer. Muss das sein?

Unsere Geschichten sind unsere Werkzeuge

All diese Geschichten lösen Gefühle in uns aus, die sich anschließend in unserem Handeln widerspiegeln. Klar, dass Geschichten, in denen wir in Freude und Begeisterung baden, ein anderes Handeln nach sich ziehen, als Geschichten, mit denen uns angst und bange wird. Erinnere dich, sie kommen aus unserem Verstand und sind im Grunde nichts als Gedanken. Wir haben die Wahl, ob wir ihnen Glauben schenken oder sie hinterfragen. Betrachten wir unsere Geschichten (oder auch die anderer) als Werkzeuge, so haben wir die Möglichkeit, ihren Nutzen zu prüfen. Möchte ich einen Nagel in die Wand schlagen, nützt mir ein Hammer mehr als ein Schraubenzieher. Der Hammer hilft mir jedoch nicht, wenn ich ein Brett durchsägen möchte. Manche Werkzeuge haben wir und sind dennoch zu gar nichts zu gebrauchen. Und genauso verhält es sich mit unseren Geschichten, unseren Gedanken. Manchmal sind sie nützlich und manchmal nicht. Und wenn sie gerade nicht von Nutzen sind, können wir sie auch wieder weglegen – und zum passenderen Werkzeug greifen. 

Glaub‘ nicht alles, was du denkst

Unsere Gedanken sind machtvoll, denn sie sind verantwortlich dafür, wie wir die Welt sehen, ob wir eher positiv oder negativ eingestellt sind und auch, wie wir uns selbst einschätzen. Sie beeinflussen unsere Gefühlswelt und lösen neue Gedanken aus. Ein Kreislauf, der sich anschließend in unserem Handeln auch auf unser Umfeld auswirkt. Das, was an Gedanken in uns steckt, strahlen wir unbewusst nach außen aus. Stell‘ dir vor, du möchtest eine Gehaltserhöhung und malst dir gedanklich das Gespräch mit deiner Führungskraft aus. Wir tendieren dazu, solche Gespräche negativ zu zeichnen, indem wir uns fragen, was alles schiefgehen kann. Unser Verstand wittert Gefahr und schon geht es los mit all den „bösen Geschichten“. Wenn wir einer Geschichte Glauben schenken, die eher negative Gefühle in uns auslöst, wird diese Geschichte auf die eine oder andere Art wahr. Glaubst du deinen Geschichten? Muss sie wahr sein, weil du sie gedacht hast? Eine Geschichte wird nur real, wenn wir ihrer Botschaft glauben und genau darauf unsere Aufmerksamkeit lenken. Andernfalls verschwindet sie wieder. Wenn du deinen Geschichten glaubst, riskierst du, dass die Geschichte tatsächlich zur Wahrheit wird. Das ist großartig, wenn es sich um gute Geschichten handelt wie „Ich schaffe das!“. Oft geschieht das Gegenteil und die Geschichte „Das kriege ich nicht hin!“ wird zur Realität. Es geht auch anders. 

Mache unnütze zu nützlichen Geschichten

Als das deutsche Fußballteam der Männer im Jahr 2014 die Weltmeisterschaft gewann, hatten sie hier einfach nur Glück? Es kommt nicht von ungefähr, dass in Teams nicht nur strategisches, sondern auch mentales Training eine Rolle spielt. Ich nehme an, hätte sich jeder einzelner Spieler wie auch das ganze Team Geschichten des Scheiterns hingegeben, wäre dies an irgendeiner Stelle innerhalb des Spiels auch eingetreten. Viele von uns erleben täglich mehrere gute Dinge. Ob nun in guten Worten oder Gesten, im Wetter, Reisen, Freunden oder Kindern „versteckt“ – oder in den alltäglichen Dingen wie eine Wohnung oder ausreichend Essen zu haben. Oft nehmen wir es als gegeben hin. Mit all unserer Aufmerksamkeit darauf, auf diese guten Geschichten zu schauen, sie festzuhalten und zu spüren, trainieren wir unsere Wahrnehmung und lenken unseren Blick auf die positiven Gegebenheiten in unserem Leben. Ebenso, wenn wir bewusst unseren negativen Geschichten eine positive Färbung verpassen. Sie umdrehen in eine Geschichte mit gutem Ausgang. Statt der Geschichte „Arbeit ist anstrengend.“ sich die Geschichte „Bei der Arbeit treffe ich nette Menschen.“ zu erzählen, löst andere Gedanken und Gefühle in uns aus. Dieses bewusste Herbeiführen neuer Geschichten mag Training sein, lohnt sich jedoch. Vor allem, wenn es uns dadurch gelingt, unseren Träumen und Wünschen ein Stück näher zu kommen. Indem wir leichter und schneller ins Handeln kommen. So kann unsere Geschichte wahrlich von Nutzen sein. 

Bleib‘ offen für deine Geschichten

Natürlich können wir unser Leben nicht allein durch das Herbeiführen positiver Geschichten in eine andere Richtung lenken. Schlechte Geschichten kommen und gehen. Sie werden immer da sein. Sich ihrer bewusst zu sein, ihnen unsere Aufmerksamkeit zu schenken, um nach alternativen Verläufen zu schauen oder sie ziehen zu lassen, birgt die Chance, das Leben zu führen, das wir führen wollen. Lasst uns offen bleiben für unsere Geschichten, sie weisen uns einen guten Weg, ob wir diesem nun weiterhin folgen oder an einer Stelle abbiegen. Eine Frage unserer Entscheidung. 

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(Selbst-) Führung, Kommunikation

So kommst du deinen Pseudo-Gefühlen auf die Schliche

Ich hatte ja keine Ahnung, und zugleich war ich so erleichtert. Es ist nun ein bisschen her, als ich gelernt habe, dass ich in meinen Gesprächen mit anderen manchmal gar nicht über meine Gefühle, sondern über sogenannte Pseudo-Gefühle sprach. Maximaler Lerneffekt, war ich doch bislang fest davon überzeugt, in meinem Leben und der Kommunikation mit anderen klar und deutlich über meine Gefühle reden zu können. Und gleichzeitig stellte ich immer wieder fest, dass meine Gespräche, vor allem wenn sie anderen vermeintlich ein Bild über mein Innenleben gaben, recht schnell in der Sackgasse landeten. Marshall B. Rosenberg, auf den die Methode der Gewaltfreien Kommunikation zurückgeht, und Erich Fromm prägten den Begriff der Pseudo-Gefühle. Sie gaukeln uns lediglich vor, Gefühle zu sein. Dabei sind Pseudo-Gefühle nichts anderes als Gedanken, in denen sich Beurteilungen, Interpretationen, Einschätzungen oder Analysen verstecken. 

Bewertende Gedanken getarnt im Pseudo-Gefühl

„Ich habe das Gefühl,…“ ist ein Satzbeginn, der vielleicht auch regelmäßig in deinem Sprachgebrauch auftritt. Was folgt bei dir danach? Hast du das Gefühl, nicht gehört, ignoriert, provoziert, oder nicht gesehen zu werden? Fühlst du dich ausgenutzt, enttäuscht, bevormundet oder belogen? Tja, so oder so handelt es sich dabei um Pseudo-Gefühle. So steckt hinter „Ich fühle mich nicht gesehen.“ tatsächlich ein „Ich denke, der andere sieht mich nicht.“ Damit verbirgt sich hinter dem Gefühl jemand anderes, dem wir das vermeintliche Gefühl, das dieser in uns auslöst, in die Schuhe schieben. Wir drücken statt eines Gefühls aus, wie wir denken oder beurteilen, wie sich eine andere Person uns gegenüber verhält. So kommt es dann dazu, dass wir zwar meinen, über unsere Gefühle zu sprechen, beim Gegenüber jedoch ein Vorwurf ankommt. Wenn du dir also künftig zuhörst und dabei Pseudo-Gefühle enttarnst, hinterfrage gerne das Gefühl dahinter: Wie fühlst du dich, wenn du nicht gesehen oder nicht gehört wirst? In deinen Beziehungen zu anderen Menschen klappt das Hinterfragen natürlich auch. Statt auf das Pseudo-Gefühl einzugehen, sei neugierig und frage nach: Wie fühlst du dich, wenn du nicht gesehen oder nicht gehört wirst?

Und was sind dann Gefühle?

Gefühle sind die bewusste Wahrnehmung von Emotionen, die in verschiedenen Ausprägungen
benannt werden können. Sie zeigen sich immer dann, wenn wir fragen, ob und wie eine Situation, eine Vorstellung oder eine Erinnerung eine Person berührt. Wir haben unsere Gefühle immer im Gepäck, wohin wir auch reisen. Sie begleiten uns in jedem Augenblick unseres Lebens. Sie entstehen dann, wenn wir das, was wir wahrnehmen, bewerten. Also dann, wenn wir unsere Wahrnehmung bewusst oder unbewusst mit Gedanken versehen. Sie können sich von jetzt auf gleich verändern: War ich soeben noch genervt, kann mich eine neue Situation schon wenige Minuten später zum Lachen bringen, sodass ich mich leicht und heiter fühle. All unsere Gefühle haben eine Berechtigung, denn sie weisen uns auf unsere Bedürfnisse hin. Wir teilen Gefühle deshalb in angenehme und unangenehme Gefühle, nicht in gute und schlechte Gefühle ein. Angenehme Gefühle weisen auf erfüllte Bedürfnisse und unangenehme Gefühle auf einen Mangel hin. 

Gefühle lassen sich in Emojis verpacken

Auch wenn du vielleicht wenig von Emojis hältst, so sind sie doch ein gutes Werkzeug, unseren Gefühlen auf die Schliche zu kommen. Denn solange du ein Emoji zur Beschreibung deines Gefühls einsetzen kannst, bist du auf der Gefühlsebene unterwegs. Klar, für Zurückweisung, Ignoranz oder Ablehnung gibt es kein Emoji. Hier mal ein kleiner Auszug: 

Du kennst sicher noch viel mehr Emojis. Ich lade dich zudem ein, deine Gefühle in Sätzen mit „Ich bin…“ beginnend zu benennen. Das lässt sich wunderbar üben, wenn du gefragt wirst, wie es dir geht. Oft geht uns auf diese Frage ein schnelles „Gut, danke.“ über die Lippen statt uns zu fragen, wie es uns wirklich geht oder besser noch: wie wir uns fühlen. Ein Grund mehr, uns und unsere Mitmenschen öfters die Frage zu stellen: „Wie fühlst du dich?“

Wenn du Unterstützung brauchst, Gedanken von Gefühlen (und umgekehrt) zu unterscheiden, um künftig gelassen, leicht und staunend durch die Welt zu gehen, melde dich gern bei mir. 

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(Selbst-) Führung, Persönlichkeit

Wie deine Heldengeschichte deine Ressourcen stärkt

Ich liebe Aha-Momente. So wie dieser Moment in der letzten Woche. Ich verbrachte einen wundervollen Abend mit tollen Menschen, genoss das Gefühl der Verbundenheit. Es brachte mich stundenlang innerlich zum Strahlen. Zwischendrin gab es diese eine Situation, als ich mich über etwas Zwischenmenschliches ärgerte. Nichts Dramatisches. Und doch wurde die Geschichte, die ich daraus machte, größer als sie tatsächlich war. Ich stellte fest, dass ich zu einer bestimmten Zeit dieser negativ bewerteten Erfahrung mehr Beachtung schenkte als den positiv bewerteten Erfahrungen davor und danach. Was für eine Erkenntnis! Ein Aha-Moment, der dazu einlud, mal etwas genauer hinzuschauen. Und schließlich loszulassen. Die Aufmerksamkeit wieder den schönen Dingen zuzuwenden. Mich an die schönen Momente dieses Abends zu erinnern. Ein Bewusstsein, das mir gut tut.  

Wie sieht deine Heldenreise aus?

Die meisten Menschen tendieren dazu, sich wieder und wieder an negative Erfahrungen in ihrem Leben zu erinnern, obwohl sie wissen, dass ihnen das nicht gut tut. Ablehnung, Niederlagen, Verlust. Jedoch verrate ich dir sicher nichts Neues, wenn ich dir sage, dass es dich mehr von innen stärkt, sich der guten Momente zu erinnern. Eine Frage der Aufmerksamkeit, des Gewahrwerdens. Warum nicht jetzt damit anfangen? Wie wäre es daher mit deiner persönlichen Heldengeschichte, deiner Biographie der Freude? Denn frage dich einmal: Worauf möchtest du am Ende deines Lebens zurückblicken? Auf Zeiten, in denen es dir nicht gut ging? Oder sind es doch die schönen Momente auf deinem Weg? Momente, die dich zum Lachen, zum Staunen, zum Herzklopfen gebracht haben? Wie geht es dir damit, an diese Augenblicke zurückzudenken? Meine Einladung steht: Greif‘ am besten zu Zettel und Stift und bringe deine Heldenreise zu Papier. Fang am besten mit deiner Kindheit an. Erlaube dir etwas Zeit und schreibe alles auf, was dir einfällt. Das kann verteilt über einige Tage oder Wochen geschehen. Nur kein Druck. Welche guten Momente hast du im Aufwachsen erlebt, in der Schule, im Job, im Laufe deines bisherigen Lebens? Stell‘ dir dabei insbesondere folgende Fragen:

  • In welchen Situationen hast du Freude und Begeisterung erlebt?
  • Welche Menschen haben dich dabei begleitet?
  • Welche Erfahrungen haben dich mit Stolz erfüllt?
  • Wie hast du dir Spaß und Freude erhalten?

Fühlst du, wie es dir damit geht, sich in diesen Erinnerungen zu verlieren? Lass es gerne zu! Und spüre auch mal körperlich rein: Vielleicht ist da ein wohliges Kribbeln im Körper, ein warmes Gefühl im Bauch oder ein Lächeln im Gesicht. Genieß‘ es und freue dich auch darüber. Sollte dir zunächst nicht viel einfallen, macht das gar nichts. Manchmal liegen unsere guten Erinnerungen mehr im Unterbewusstsein. Im Gespräch mit Freund*innen oder der Familie können sie wieder an die Oberfläche gelangen – und gleichzeitig vielleicht sogar deinem Umfeld ein gutes Gefühl verschaffen. Natürlich kannst du auch bei den guten Erinnerungen an deinen gestrigen oder heutigen Tag anfangen. Bist du eher kreativ unterwegs? Dann zeichne einfach, was dir einfällt. Es ist deine Geschichte. Deine Heldengeschichte. 

Mit deiner Heldengeschichte die Zukunft gestalten

Deine Heldengeschichte ist es Wert, erzählt zu werden. In allererster Linie dir selbst. Neben der Freude, die du dabei empfindest, kann sie dich auch zu deiner Identität und einem Verständnis von dir selbst führen. Das hilft dir schließlich in Zeiten der Veränderung im Außen. Mit deiner Heldengeschichte ist es dir auch möglich, deine Zukunft auszurichten. Sich zu erinnern, wie du in früheren Momenten Herausforderungen begegnet bist, ist ein guter Wegweiser auf möglichen holprigen Wegen vor dir. Denn machen wir uns nichts vor, Zeiten des Wandels und Umbruchs begegnen uns immer wieder. Aktuelle Aufgaben und Herausforderungen nimmst du besser an, wenn du dich an deine Stärken und Fähigkeiten der Vergangenheit erinnerst. So entsteht deine persönliche Widerstandskraft, die dich selbstbewusst macht und dich so von innen stärkt. Es ist doch gut zu wissen, dass du es selbst in der Hand hast, dich gut zu fühlen, oder?

(Selbst-) Führung, Kommunikation

Die 4 besten Gründe, warum du Hilfe annehmen solltest

Ein Sportunfall zwingt mich aktuell buchstäblich in die Knie. Mich einmal mehr um mich zu kümmern, steht also ganz oben auf der Tagesordnung. Noch bevor ich überhaupt beim Arzt war, spielte ich bereits fix einige Szenarien getreu dem Motto „Was wäre, wenn…“ durch: Welche Termine stehen an? Was muss dringend bearbeitet werden? Wie organisiere ich mich neu? Was ich vermeiden möchte, ist unnötiger Stress. Ich bin es gewohnt, Verantwortung für mein eigenes Leben zu übernehmen. Grundsätzlich gelingt mir das gut. Ich kenne mein Umfeld und weiß, wen ich ansprechen kann, wenn ich etwas brauche. Ich bin gut im Organisieren. Über jedes Hilfsangebot von außen habe ich mich gefreut – und dankend abgelehnt. Dennoch habe ich mich gefragt, ob es sich dabei um eine Art „Selbstverordnung“ handelt. Mit jedem Angebot aus meinem Umfeld habe ich erneut abgewogen und nein, Hilfe benötige ich aktuell nicht. Ich bin bewegungsfähig. Nur etwas langsamer als gewohnt. Doch gibt es immer wieder mal Zeiten, in denen sich zeigt, dass Hilfe zu erhalten, ein schönes Gefühl auslöst. So werde ich wohl nie die Unterstützung von Familie, Freunden und Bekannten vor zig Jahren vergessen, die sich freiwillig über mehrere Etagen im Haus verteilten, um mir bei dem herausforderndsten Umzug meines Lebens zu helfen. Noch heute sehe ich die Bilder vor meinem inneren Auge und fühle die Gefühle, die mich damals durchfluteten. 

Hilfe anzunehmen, ist eine Übung in Dankbarkeit

Doch warum fällt es uns manchmal so schwer, andere um Hilfe zu bitten bzw. Hilfe anzunehmen? Von früh auf erziehen wir unsere Kinder zur Selbstständigkeit. Die einen mehr, die anderen weniger. Mal früher, mal später. SELBSTständig zu sein, ist das Ziel. Auf niemanden angewiesen sein. Wir wollen unsere Mitmenschen nicht belasten, wissen wir doch meist um deren eigene Herausforderungen. Nicht selten geht damit der Gedanke einher, Unterstützung auch zurückgeben zu müssen. Das Leben ist schließlich ein Geben und Nehmen, so haben wir es gelernt. Dabei fällt uns Geben leicht. Ich kenne keinen Menschen in meinem Umfeld, der nicht gerne gibt. Der nicht gerne hilft. Hilfsbereitschaft ist immer da. Sie schafft Nähe zu denen, die Hilfe benötigen. Manchmal reicht es schon, seinen Mitmenschen etwas der eigenen Zeit, ein offenes Ohr zu schenken. Als Helfende macht es uns glücklich. Aus der Perspektive betrachtet, fällt es vielleicht auch dir etwas leichter, andere um Unterstützung zu bitten. Zudem ist mir wichtig zu erwähnen, dass um Hilfe zu bitten nicht mit einer Gegenleistung verbunden ist. Wir sind niemandem etwas schuldig. Wie oft sind wir bereits im Vorfeld quasi in Vorleistung gegangen, ohne dass wir uns dessen bewusst waren? Wie oft vergessen wir das oder spielen das Ganze runter. 

Es ist eine Stärke, um Unterstützung zu bitten

Lass mich also auf das Nehmen zurückkommen. Um Hilfe zu bitten, Hilfe anzunehmen, ist wahrlich eine Stärke. Sie stellt eine Form von Stärke dar, die sich in Selbstreflexion und Entscheidungsfreiheit ausdrückt. Jedes Mal aufs Neue. Und selbst wenn auf die Frage nach Unterstützung ein Nein folgt, dann tut das sicher im ersten Moment weh. Doch deshalb von vornherein die Entscheidung zu treffen, gar nicht erst zu fragen, tut auf lange Sicht auch nicht gut. Wer weiß, vielleicht hat der oder die Gefragte ja einen Mitmenschen, der viel schneller und besser helfen kann. Vielleicht steht dir dein Gegenüber aus zeitlichen Gründen nicht zur Seite. Das bedeutet jedoch nicht, dass eben dieses Gegenüber beim nächsten Mal wieder Nein sagt. Du siehst, hierin steckt eine Chance. Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, gilt immer für beide Seiten. Das ist eine Frage der Entscheidung, und diese sollten wir unserem Gegenüber nicht abnehmen. Das hast du konkret davon, wenn du andere um Hilfe bittest bzw. angebotene Hilfe annimmst:

  1. Du stärkst die Verbindung und schaffst Nähe zu deinem Umfeld
    Wenn du andere um Hilfe bittest, machst du deutlich, dass dir deine Mitmenschen wichtig sind. Damit stellst du eine enge Verbindung her und stärkst das Band zwischen euch.
  2. Du holst dir Leichtigkeit in dein Leben
    Zusammen mit deinen Mitmenschen Herausforderungen zu bewältigen, gibt dir Kraft und Stärke, was die Situation, in der du dich befindest, leichter macht. Vielleicht zieht sie damit sogar schneller vorüber, als wenn du sie allein bewältigst. 
  3. Du legst die Weichen für künftige Unterstützung
    Wenn du immer alles alleine machst und daraus folgend angebotene Hilfe immer wieder ablehnst, wirst du künftig weniger Unterstützungsangebote erhalten. Umgekehrt erhältst du immer wieder Hilfe, wenn du sie annimmst und deinem Gegenüber Beachtung und Dankbarkeit schenkst. 
  4. Du schaffst Augenhöhe in deinen Beziehungen.
    Sicher hast du auch schon einmal jemandem geholfen und dich danach richtig gut gefühlt. Jederzeit für andere zur Stelle zu sein, ohne selbst vom anderen Hilfe anzunehmen, wenn du sie brauchst, schreibt dem anderen Hilflosigkeit zu. Das ist nichts, was deinen Beziehungen gut tut. Balance – Geben und Nehmen – stellt wiederum Augenhöhe her. 

Gesteh‘ dir ein, Hilfe zu benötigen

Eines sollten wir nicht außer Acht lassen: Es gehört auch zu unseren Stärken zu akzeptieren, dass wir Hilfe benötigen. Brené Brown hat einmal gesagt: „Du kannst dich nicht selbst dafür verurteilen, Hilfe zu brauchen.“ Daher möchte ich dich ermutigen, immer wieder auf deine Herausforderungen im Leben zu schauen und dich darin zu üben, um Hilfe zu bitten. Jeden Tag ein bisschen. Dir selbst weiszumachen, dass du niemals Hilfe benötigst, ist nichts anderes als Selbstbetrug. Schluss mit der Verleugnung deiner Bedürfnisse. Ich für meinen Teil bin froh, dass ich heute ein Angebot bekam, zum Arzt gefahren zu werden statt wie geplant den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen – in Dankbarkeit und Würde habe ich schlicht Ja gesagt. 

Brauchst du Hilfe?

Geht es dir häufig so, dass du keine Hilfe annehmen kannst? Schämst du dich, andere um Hilfe zu bitten? Kennst du diese oder andere Herausforderungen in deinem Leben? Dann lass uns gerne sprechen. Nutze hierfür einfach das Kontaktformular. 

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(Selbst-) Führung, Kommunikation

In 4 Schritten gewaltfrei kommunizieren

Es ist inzwischen eine ganze Weile her, als ich das erste Mal von Gewaltfreier Kommunikation gehört habe. Ich erinnere mich, dass ich zunächst irritiert über das Wording war. Gewalt ist ein großes Wort. Aggressiv. Dunkel. Frei von Zuneigung. Als ich im Laufe der Zeit damit vertraut wurde, welche Auswirkungen Sprache haben kann, wenn sie unbewusst wie bewusst manipulativ eingesetzt wird, bekam der Begriff der Gewaltfreien Kommunikation eine tiefere Bedeutung. Gewalt wirkt tatsächlich nicht allein körperlich, sondern auch über Sprache. Es sind die vermeintlich kleinen Spitzen, Sticheleien, Pöbeleien. Passiv-aggressive Kommentare, die heute vor allem in den sozialen Medien zu finden sind. Forderungen, Vorwürfe, Beleidigungen. Eine Sprache, mit der wir unsere Mitmenschen verletzen können, was auf Dauer unseren Beziehungen schadet. Und auch schon mal zu einem Kontaktabbruch führen kann.

Doch es geht auch anders. Achtsam und eben gewaltfrei. Die Gewaltfreie Kommunikation (GfK) ist eine Kommunikationsmethode, die zurückgeht auf Marshall B. Rosenberg. Sie ist auf Bedürfnisse und Gefühle ausgerichtet, denn genau diese stecken hinter Verhaltensweisen und Konflikten im menschlichen Miteinander. So schaffen wir es, wertschätzende Beziehungen zu anderen aufzubauen und zu pflegen, sei es beruflich oder privat. Auch Konflikten können wir damit anders gegenübertreten. Gewaltfreie Kommunikation unterstützt uns hier dabei, Konflikte nachhaltiger zu klären. Dabei hilft sie uns, unsere eigenen Gefühle und Verhaltensweisen wie auch die unseres Gegenübers besser zu verstehen. Wir erkennen somit viel besser die Grundbedürfnisse, die hinter unserem Handeln stecken.

Von Giraffen und Wölfen: Gewaltfreie Kommunikation unter Kindern

Es war das dritte Schuljahr, als meine Tochter plötzlich Giraffen mit zum Abendessen brachte. In unseren Schulen werden die Kinder mit der Giraffen- und der Wolfssprache vertraut gemacht. Dies erfuhr ich also eines Tages am Abendbrottisch. Giraffensprache lässt sich auf Gewaltfreie Kommunikation zurückführen; hier wird der Blick zunächst auf Fakten gelenkt. Anschließend werden Bedürfnisse wie auch Gefühle ausgesprochen. Die Wolfssprache dagegen wird als Alltagssprache bezeichnet. Eine Sprache, in der wir unbewusst im Austausch mit unserem Gegenüber sind und bei der es passieren kann, dass wir andere schnell verurteilen, manchmal auch vorverurteilen. Je älter unsere Kinder werden, wird vom Verwenden von Ich- statt Du-Botschaften gesprochen. Doch damit allein ist es nicht getan: Es macht kaum einen Unterschied, ob ich nun „Du hörst mir nicht zu!“ oder „Ich fühle mich fürchterlich, weil du mir nie zuhörst!“ verbal in den Raum werfe. Wenn wir jedoch erkennen, was unsere Bedürfnisse sind, schaffen wir im Vermitteln dieser eine Ebene in unseren Gesprächen, die zu Verständnis und Mitgefühl uns selbst und dem anderen gegenüber verhilft. Eine Möglichkeit mehr, den anderen so zu nehmen, wie er ist. Das schafft Raum dafür, Lösungen zu finden.

So funktioniert Gewaltfreie Kommunikation

Es sind vier Schritte, die dich auf deinem Weg zu einer Gewaltfreien Kommunikation voranbringen:

  1. Beobachtung
    Dein Fokus liegt zunächst rein auf der Beobachtung der Handlung (Was ist konkret passiert?), wobei auf jegliche Bewertungen und Interpretationen verzichtet wird.
  2. Gefühle
    Anschließend hinterfragst du, welche Gefühle mit der Handlung ausgelöst wurden.
  3. Bedürfnisse
    Hinter Bedürfnissen stecken Wünsche oder auch allgemeine Werte, die wir gerne erfüllt hätten. Sie können sich von Mensch zu Mensch unterscheiden bzw. unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Hier geht es also darum zu erkennen, welche deiner Bedürfnisse in der Situation erfüllt oder nicht erfüllt wurden.
  4. Bitte: Den Schluss bildet das Formulieren einer Bitte nach einer bestimmten Handlung an dein Gegenüber, um dein bisher unerfülltes Bedürfnis zu erfüllen.

Rosenberg bringt es in seiner Zusammenfassung wie folgt auf den Punkt:

Wenn ich sehe, dass du A tust, fühle ich B, weil ich das Bedürfnis nach C habe. Deshalb bitte ich dich, D zu tun. Wie wäre dies für dich?

Wenn Paul beispielsweise im Joballtag in nahezu allen Gesprächen immer wieder durch Eva unterbrochen wird, sodass er selten in der Lage ist, seinen Standpunkt zu vertreten, kann er dies im Gespräch wie folgt abbilden: „Wenn du mich in unseren Gesprächen unterbrichst, bevor ich meine Meinung zu Ende dargelegt habe, ärgert mich das und ich spüre Frust, denn ich möchte, dass mein Standpunkt vollständig gehört und bei nachfolgenden Entscheidungen berücksichtigt wird. Sagst du mir bitte, was du von mir brauchst, damit wir künftig beide hinreichend zu Wort kommen?“

Zugegeben, das klingt nach einem kurzen Austausch. Gewaltfreie Kommunikation ist eine Einladung zu einem Dialog. Quasi ein Senden und Empfangen. Und das darf auch länger dauern. Gerade, wenn man sich die Methode zu eigen macht, kann es jedoch anfänglich zu einem Ringen um Worte und Formulierungen führen. Auch Beobachtungen von Interpretationen zu trennen, will geübt sein. Als Coach unterstütze ich dabei, indem ich gezielt nachfrage sowie eine Auswahl an verschiedenen Gefühlen und Bedürfnissen anbiete. Wie gut, dass Marshall B. Rosenberg zudem Bedürfnisse benennt: körperliches Wohlbefinden, Sicherheit, Empathie, Zugehörigkeit/Geborgenheit, Spiel/Erholung, Autonomie/Willensfreiheit, Sinnhaftigkeit, Kreativität, Liebe. 

Mit Gewaltfreier Kommunikation Verbindung und Mitgefühl schaffen

Wir wünschen uns alle im menschlichen Miteinander Verbindung und Mitgefühl. Dafür trägt jede*r die Bereitschaft zu Kompromissen in sich, sich auf die Bedürfnisse anderer einzustellen und diese zu erfüllen. Du-Botschaften allein bringen uns nicht weiter. Wenn wir uns jedoch kommunikativ öffnen und uns gegenseitig unsere Bedürfnisse und Wünsche mitteilen, bietet sich uns eine Chance, unsere Beziehungen respektvoll auf Augenhöhe zu führen. In Frieden. Ich spreche daher auch gerne von Friedvoller Kommunikation, zeigt das doch auch, was ich mit meiner Kommunikation erreichen möchte. Ein gutes Beispiel für die Hin-zu-Motivation.

Durch Gewaltfreie Kommunikation gelingt es dir, Verantwortung für deine Bedürfnisse zu übernehmen und zu reflektieren, was du brauchst, damit es dir gut geht. Die Bedürfnisse deines Gegenübers bleiben genau dort, beim Gegenüber. Rosenberg ist der festen Überzeugung, dass aggressives Verhalten wie Vorwürfe, Beleidigungen etc. stets Aufschluss über ein unerfülltes Bedürfnis gibt. Gut, sich immer wieder vor Augen zu halten, dass aggressives Verhalten von anderen nichts mit dir zu tun hat. Mit den zuvor genannten vier Schritten kommst du deinen Bedürfnissen auf die Schliche. Und du kannst beim Zuhören gleichzeitig deine Mitmenschen unterstützen, indem du ihnen durch Nachfragen dabei hilfst, ihre Gefühle und Bedürfnisse zu erkennen und zu benennen. Ich wünsche mir, dass wir alle lernen, mehr und mehr auf unsere Bedürfnisse zu hören, Verantwortung für uns selbst übernehmen sowie uns in Zuneigung und Mitgefühl begegnen.

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(Selbst-) Führung, Persönlichkeit

Wenn dein Innen dein Außen bestimmt

Vergangene Woche startete gut für mich. Der Sonntag zuvor spielte dabei sicherlich eine nicht unwesentliche Rolle, als ich mich und mein Dasein während meines Geburtstages feierte. Umgeben von Menschen, die mir gut tun. Mit Gesprächen, ob persönlich oder telefonisch, die bereichernd waren. So begann der Montag entspannt und voller Vertrauen in einen guten Tag. Als ich vormittags das Haus verließ, begegneten mir gleich vier mir gänzlich unbekannte Menschen – Frauen wie Männer -, die mich anstrahlten und mich gleich mitstrahlen ließen. Beim ersten Mal meldete sich noch der innere Kritiker, um mir eine Geschichte zu erzählen, die mit der Realität nichts zu tun hatte. Aber mit zweitem Blick und zweitem Lachen im Gesicht des anderen ließ ich mich ganz darauf ein. Schaltete den Kopf aus. Was für ein tolles Gefühl! Ich spürte Wärme, Leichtigkeit und Freude in mir und hatte das Gefühl, die ganze Welt umarmen zu wollen. Dieses Gefühl begleitete mich den ganzen Tag, schaffte noch mehr positive Momente und ließ mich sogar ein Gespräch, das ich im Vorhinein in die Schublade „Herausforderung“ steckte, eher zuversichtlich führen. Was für ein Wochenstart! Ein paar Tage später erfuhr ich genau das Gleiche mit dem gegenteiligen Gefühl. Ich ärgerte mich über etwas, eine Kleinigkeit, und durchlebte binnen fünf Minuten mit zwei verschiedenen, mir ebenfalls unbekannten Menschen und Situationen noch mehr Ärger. Menschen begegneten mir genervt und ablehnend. Weil ich genervt und ablehnend war. Statt Freude und Leichtigkeit nur Frust und schlechte Laune. Das zog sich weiter in den Vormittag, erlebte ich in zwei weiteren Situationen. Zum Glück bemerkte ich es irgendwann und spielte ein wenig mehr mit meiner Einstellung zu mir, zum Moment und zum Tag. Damit wendete sich das Blatt und der Tag verlief noch sehr gut. 

Wie im Innen, so im Außen

Die äußere Welt ist immer ein Spiegel deiner inneren Welt. Alles, was du im Außen, deinem Leben hast, ist also nichts anderes als ein Spiegel von dem, wie es in dir aussieht. Oder auch anders herum: Das, was du bist, zeigt sich im Außen. Genau das habe ich vergangene Woche erlebt. War ich am Montag gänzlich in Harmonie mit mir selbst, so war ich auch in Harmonie mit dem Leben, das sich draußen abgespielt hat. Und genau das habe ich in meinem Umfeld angezogen. Klar, ich war ja auch in einer ganz anderen Energie unterwegs. Mit der Veränderung in mir ein wenig später in derselben Woche, hat sich alles um mich herum auch verändert. Mir dessen anhand dieser beiden Tage mit ihren Erfahrungen bewusst zu werden, hat mir wieder einmal gezeigt, dass alles bei mir anfängt. Es funktioniert einfach nicht, im Außen etwas zu verändern.

Daher lade ich dich ein, dein Leben im Hier und Jetzt mal ordentlich durchzulüften: Was siehst du?

  • Nimmst du Unsicherheit und Angst wahr?
  • Hast du das Gefühl, dass dir etwas fehlt?
  • Bist du umgeben von Energieräubern? 

Wenn du aktuell oder auch bereits über längere Zeit mit Menschen zusammen bist, die eher schwierig sind, liegt das darin begründet, weil in deinem Innern noch Schwierigkeiten in Form von unbearbeiteten Erfahrungen feststecken. Gut, sich darum zu kümmern und sich im Loslassen zu üben. So lange du innerlich noch Überzeugungen, Glaubenssätze und alte Konditionierungen mit dir herumträgst, ist die Luft in dir nicht klar und frisch. Und ebendies zeigt sich dann im Außen: Du begegnest immer wieder Situationen und Menschen, die du als Enttäuschung empfindest. Wenn dagegen in dir Klarheit und Frische bestehen, dann kommt Freude und Leichtigkeit in dein Leben, und zwar durch Menschen, die dich mögen und Situationen, die dich nach vorne bringen. Und wer will schon ohne Freude und Glück durchs Leben gehen?

Fünf Tipps zum inneren Durchlüften für mehr Harmonie in dir

Hast du Lust, Harmonie und Ausgeglichenheit in dein Leben zu holen? Mit meinen fünf besten Tipps zum Durchlüften für einen harmonischen Blick auf die Welt um dich herum gelingt es dir ganz bestimmt:

  1. Kümmere dich darum, dass du stets mit klarem Blick auf deine Welt hinaus schaust.
    Lass dich nicht von inneren Stimmen aus alten Überzeugungen auf deinem Weg irritieren und ablenken. 
  2. Halte regelmäßig inne und durchlüfte deine innere Welt.
    Deine Wohnung lüftest du sicher auch mehrmals am Tag. Sorge daher genauso für dich. Nur so geht es dir gut und du kannst sehen, was im Außen passiert.
  3. Bleibe im Moment, wenn du durchlüftest. 
    Nur das, was im Hier und Jetzt geschieht, ist die Realität. Die einzige Wahrheit, die es anzuschauen gilt. 
  4. Löse dich von der Vergangenheit und deiner Vorstellung von dem, was vor dir liegt.
    Kommen beim Durchlüften Gedanken an längst Vergangenes oder der Zukunft, lass los. Sie lassen den Wind manchmal kälter wehen.
  5. Hin und wieder wird die Luft dicker.
    Räum auf, was in dir der Luft im Weg steht. Warte nicht so lange, bis dir die dicke Luft den Atem nimmt. Sorge für schnelle Klärung. Sofort, dann fällt es dir leichter. 

Innen wie außen: Veränderung beginnt in dir

Du hast die Wahl und kannst lernen, dein Innenleben anzuschauen und durchzulüften. Hier und jetzt kannst du Verantwortung übernehmen, indem du selbst dafür sorgst, dass deine innere Welt gut durchgelüftet ist. Nimm wahr, was dabei im Außen passiert. Mich bringt es ins Staunen. Immer wieder. Denn es zeigt mir, was alles (noch) möglich ist. Wenn wir bei uns sind. 

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(Selbst-) Führung, Persönlichkeit

Die Sache mit dem Ego oder was unserem Glück im Weg steht

Die vergangene Woche widme ich meinem Ego. Es hat ganze Arbeit geleistet. Ich könnte ein ganzes Buch schreiben zu den Geschichten, die es mir erzählt hat. Denn genau das tut unser Ego, der beste Geschichtenerzähler der Welt. Zum Glück kann ich immer öfter darüber lachen, aber glaub‘ mir, die Geschichten waren und sind nicht immer lustig. Im Gegenteil. Lass mich dir davon erzählen: Wie du vielleicht bemerkt hast, habe ich ein wenig an meiner Website gearbeitet, kleinere (Titel) wie größere (About me) Änderungen vorgenommen. Weitere Änderungen folgen. Warum? Weil ich das Thema Selbstführung noch mehr in die Welt tragen möchte. Ich sehe so viel Potenzial darin, ein leichteres und zufriedeneres Leben zu führen, wenn ich weiß, wer ich bin, wie ich ticke und wie ich mein Leben eigenverantwortlich privat wie beruflich so gestalten kann, dass ich Fülle und Freude erfahre. Ich wünsche mir, dass auch du davon profitierst. So ist ursprünglich dieser Blog entstanden. Und ich möchte noch viel mehr erreichen, buchstäblich. Denn ich möchte vor allem diejenigen erreichen, die Menschen führen. Die ein Team leiten, ob noch in ihrer Vorstellung von persönlicher Weiterentwicklung oder in der Realität. Ich bin überzeugt davon, dass ich andere Menschen nur dann in deren Potenzialentfaltung für den gemeinsamen Erfolg führen kann, wenn ich mich selbst zu führen weiß. Innere Stärke ist hierbei unerlässlich. Auf der Reise nach innen sehe ich meine Unterstützung – und genau da kommt mir immer mal wieder mein Ego in den Weg, das mich in meinen Entscheidungen extrem beeinflusst. Weil es mir fortlaufend Geschichten erzählt, die ich für die Wahrheit halte. Geschichten wie „Das will doch keiner hören!“ oder „Dafür ist gerade nicht die richtige Zeit.“ Bestätigungen für diese Gedanken gibt es nicht. Diese Gedanken halten mich jedoch auf. Grund genug, sie zu hinterfragen – und letztlich andere Entscheidungen zu treffen. 

Das Ego? Was ist das?

Die meisten Menschen wissen nicht, was das Ego ist und was es tut. Unser Ego ist unser Ich, unsere Persönlichkeit, unser Selbstbild. Unser Ego bestimmt demnach, wie wir uns fühlen, verhalten und welchen Wert wir uns „attestieren“. Es hat so viel mit uns zu tun und gleichzeitig auch wieder überhaupt nichts. Es steckt in uns, es ist da und regiert als Teil unseres Verstandes unseren Kopf, indem es Gedanken generiert, die eine Geschichte ergeben und somit unser Leben maßgeblich beeinflussen. In der Kindheit entstanden und geprägt von Glaubenssätzen, Erfahrungen und Botschaften, die uns andere vermittelt haben, sitzt es tief im Unterbewusstsein. So lange wir leben, erzählen wir uns also Geschichten. Geschichten darüber, wer wir sind. Doch diese Geschichten basieren auf der Vergangenheit und sind eben nicht mehr als Gedanken. Wenn du dich allerdings mit den Gedanken, mit den Geschichten deines Egos identifizierst, glaubst du das, was dein Ego dir vermittelt. Aus der Perspektive deines Egos. Aber ist dieses Bild von dir auch wirklich wahr? Bist du, was dein Ego über dich verrät? Fakt ist doch, es sind nur Gedanken. Und Gedanken hast du, du bist sie nicht. Deine wahre Identität findest du nicht über dein Ego, deinen Verstand. Du findest sie, indem du nach innen gehst. Raus aus dem Verstand, rein in dein Herz. Raus aus dem Denken, rein ins Fühlen. Hier steht dir natürlich dein Ego im Weg, denn es will nicht, dass du neue Wege gehst. Das wäre gleichzusetzen mit Machtverlust, denn du würdest dich neu entdecken und feststellen, dass dein bisheriges Ich eine Witzfigur ist. Dein Ego möchte, dass du denkst, nicht fühlst. Es liebt sich wiederholende Gedanken, Sorgen, Grübeleien. Wenn wir uns unseres Gedankenkarussells bewusst werden, haben wir die Wahl: Glauben wir unseren Gedanken oder kreieren wir bewusst neue Gedanken und schaffen damit eine neue Wirklichkeit? Halten wir an alten, tief sitzenden Glaubenssätzen über uns fest oder schaffen wir neue? Verstand wie Ego haben keine Ahnung, was uns wirklich glücklich macht. Das liegt daran, dass Glück nicht aus dem Kopf kommt, sondern aus dem Herzen. Und genau das wollen wir doch alle im Leben: Glück, oder? Ich lade dich also ein, dir deiner Gedanken gewahr zu werden. Dir bewusst zu werden, wenn du dich in Grübeleien verfängst, in Interpretationen, in ziellosen Gedanken, die in ihrer Gesamtheit auf alte Erfahrungen zurückzuführen sind. Schreibe auf, was dir auffällt und finde so deine Muster. Lerne, deinem Ego auf die Finger zu schauen und glaube nicht alles, was du denkst. Gerade dann, wenn wir Kritik erfahren, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Hier springt unser Ego aus evolutionär bedingten Verteidigungsgründen besonders gerne an. Wir nehmen alles dann schnell persönlich und wecken das Kind in uns, das Reaktionen nach sich zieht, die wenig die einer erwachsenen Person entsprechen. Wir denken in solchen Momenten, eine Situation geschieht unseretwegen und eben speziell uns. Und genau das hält uns in unserem Handeln auf, insbesondere, wenn auf Kritik kleine wie große Auseinandersetzungen folgen. Entscheide dich also, glaubst du deinen Gedanken oder wählst du einen anderen Weg?

Sei wachsam, und dein Ego verliert an Macht

Unser Ego wird bei Bedrohungen von außen aktiv. Es ist unglaublich wachsam. Es passt auf uns auf, damit uns nichts passiert. Doch auch wir dürfen wachsam sein und unsere Gedanken hinterfragen. So entsteht Raum für Wachstum und neues Denken. Und neues Denken schafft neue Realitäten. Also einmal mehr raus aus dem Autopiloten, her mit der Taschenlampe und aufs Bewusstsein geleuchtet. Die von mir sehr geschätzte Nicole LePera empfiehlt in ihrem Buch „Heile.Dich.Selbst.“ eine Affirmation, die ich gerne mit dir teilen möchte: „Ich bin sicher, und ich suche mir einen neuen Weg, mich selbst zu erleben, getrennt von meinem Ego.“. Vielleicht hast du Lust, sie in deinen Alltag zu integrieren. Dein Ego wird sicher nicht begeistert sein. Hier hilft es dran zu bleiben und sich nicht beirren zu lassen von weiteren ungeprüften Geschichten in deinem Kopf. In diesem Sinne: Sei und bleib‘ wachsam.

Photo by Kristin Snippe on Unsplash