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(Selbst-) Führung, Persönlichkeit

Wenn die Reise nach innen ungemütlich wird

Heute wird es etwas persönlicher. Ich habe Urlaub. Sonne, türkisblaues Wasser, neue Menschen um mich herum unterstützen beim Denken und Fühlen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich mich auf eine Reise nach innen begeben. Ich habe mich sortiert, angenommen, was da ist, Verbrauchtes gründlich ausgemistet und neue Ziele gesteckt. Nach etwa sechs Monaten fing ich an, innerlich zu strahlen: Ich freute mich auf den vor mir liegenden Weg, auch wenn er mir ein bisschen Angst machte. Beruflich begann ich, neue Wege zu gehen. Privat lernte ich so einige Menschen kennen, die mir ans Herz gewachsen sind. Neue Freundschaften, neue Perspektiven. Jeder Tag enthielt kleine Wunder. Das ist noch heute so. Solange ich den Fokus halte. Hinschaue. In Dankbarkeit und Demut. Und einmal mehr bemerke ich, dass meine im vergangenen Jahr begonnene Reise noch lange nicht vorbei ist. Zwar habe ich in einigen Bereichen meines Lebens neue Entscheidungen getroffen und alte, eher hinderliche Überzeugungen über mich angeschaut und losgelassen. Dann kam das Leben dazwischen und machte einen neuen Weg in einem ganz anderen Bereich meines Lebens auf. Unerwartet. Überraschend. Schön. Zunächst schön. Ich, die ich mich in Achtsamkeit und Gelassenheit übe, legte genau diese ab, als es ruckelig wurde. Irgendetwas löste diesen einen Knopf der Fernbedienung aus und zack, schon lief ich in alten Mustern anderen gegenüber. Wann immer ich versuchte, aus diesen bewusst auszubrechen, wurde es ungemütlich. Erst in meinem Inneren, dann im Außen. Hätte ich meine Wahrnehmung geschärft, hätte ich sicherlich gemerkt: Die äußere Welt ist ein Spiegel meiner inneren Welt. Vielleicht hätte ich anders gehandelt. Hätte, hätte… So handelte ich vielleicht unbeholfen und hölzern. Der Versuch war es mir wert. Ich habe dazugelernt.

Die Vergangenheit reist mit

Wieder einmal erfuhr ich, wie stark längst vergangene Erfahrungen, Lernen, Erziehung und Erlebnisse sich immer noch auf mein Verhalten und meine Gedanken auswirken. Hier im Bewusstsein zu bleiben, fiel mir verdammt schwer. Ich lerne eben noch. Und hin und wieder darf ich mich auch selbst daran erinnern, dass ich auch nur ein Mensch bin. Ein Mensch auf der Reise, die vermutlich lebenslang dauert. Blöd nur, wenn andere das anstrengend finden, sich in eigenen Mustern verheddern und neue Wege schließlich abrupt enden. Unerwartet. Überraschend. Unschön. Gut, dass ich mich inzwischen auch darin geübt habe, nicht die Verantwortung für Entscheidungen anderer komplett zu übernehmen. Auch wenn ich mich zuletzt daran erinnern musste. Und dann kam schon wieder das Leben dazwischen und ließ die Vergangenheit an die Tür klopfen. Nicht minder unerwartet. Überraschend. Ob schön oder unschön ist noch offen. Das liegt dann sicher auch an mir. Neue Entscheidungen wollen getroffen werden. Mit Bedacht. Deshalb habe ich den Druck rausgenommen. Ganz achtsam. Auf dem Weg in die Gelassenheit. Alles wird schon irgendwie gut. Und bis dahin kann ich mich beruhigt um mich selbst und meine Liebsten kümmern. Das Gesicht in die Sonne halten, im türkisblauen Wasser baden, bei und mit mir sein – auch im Zusammensein mit anderen. 

Von meiner Reise zu deiner Reise

In stürmischen Zeiten hilft es zu sortieren: Was kannst du beeinflussen? Was kannst du nicht beeinflussen? Wir können nicht immer alles in unserer Hand haben, andere Menschen können wir auch nicht ändern. Aber du kannst jeden Tag aufs Neue innehalten und hinterfragen, wie du dich in der Welt bewegst. Geschieht uns etwas, was wir nicht vorhergesehen haben, können wir daran wachsen. Mit Offenheit, Neugier und einer Prise Mut halten wir den Blick nach vorne gerichtet. So nehmen wir die Welt um uns herum auch nicht nur schwarz-weiß wahr, sondern durchaus auch ihre Graustufen. Negative Erfahrungen und Erlebnisse bekommen somit einen positiven Anstrich, vielleicht anfangs noch hauchzart. Manchmal wird dieser erst Jahre später deutlich erkennbar. Und dazwischen hilft es, das eigene Handeln danach auszurichten, was uns positive Energie, gute Gedanken und Gefühle gibt. Das ist Arbeit mit uns selbst, die unser Leben aktiver und gestaltbarer macht. Denn so viel ist sicher, jeder von uns hat es selbst in der Hand, etwas aus der eigenen Zeit auf dieser Erde zu machen. 

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(Selbst-) Führung, Allgemein

Das Geheimnis unserer Grundmotive

Hast du dich mal gefragt, was dein Verhalten steuert? Es gibt viele verschiedene Theorien. Die Motivationstheorie von Heckhausen (2018) beschreibt drei menschliche Grundmotive: Macht, Leistung und Anschluss. Alle drei Motive beeinflussen also menschliches Verhalten. Sie sorgen dafür, dass wir in Bewegung kommen. In der Psychologie streiten sich die Geister über bis zu 16 Grundmotive. Die Positive Psychologie geht von acht Grundmotiven aus: Sicherheit (Schutz), Existenzsicherung (Überleben), Passen (Ich passe in meine Gruppe), Rudelführung (Ich übernehme Verantwortung für meine Gruppe), Erwünscht-Sein (Meine Gruppe möchte sich bei sich haben), Sex (Ich kann Sex haben), Freiheit (Ich habe die Wahl, Freiheit) und Macht (Ich kann etwas kontrollieren). Es ist demnach unklar, wie viele Grundmotive wir konkret haben. Fakt ist jedoch, wir haben sie so oder so, egal in welcher Anzahl. Sie haben sich in unseren Genen verfestigt und steuern unsere angeborenen Verhaltensweisen. Zudem gehen sie auf frühgeschichtliche Zeiten zurück, in denen es wichtig war, einer Gruppe (Rudel) anzugehören, um im Kampf gegen Säbelzahntiger das eigene Überleben und das Überleben des Rudels sicherzustellen. Bis heute haben sich diese Motive nicht verändert. Nur, dass es heute in erster Linie nicht mehr um das blanke Überleben geht. 

Ist dein Überleben gefährdet?

In unserem alten, gewohnten Denken gehen wir allzu oft davon aus, dass unsere Grundmotive nicht erfüllt sind. Verlieren wir unseren Job, schaltet sich unser inneres Alarmsystem an: Achtung, Existenz in Gefahr. Wenn wir uns im Job einem Team gegenüber sehen, dass partout nicht zu unseren Werten passt, sehen wir innerlich rot. Ähnlich verhält es sich, wenn sich der Partner von uns abwendet; sei es in Form von Kritik oder Trennung: wir fühlen uns nicht (mehr) erwünscht. Tief in uns – auf unbewusster Ebene – gleicht dies jeweils einem Überlebenskampf. Weggeschubst. Ausgestoßen. Allein gelassen. Gut, dass heute keine Säbelzahntiger vor der Höhle auf uns warten, wenn wir diesen Herausforderungen gegenüber stehen. Die gefährliche Welt der Frühzeit des Menschen ist vorbei. Wir dürfen uns also bewusst machen, dass heute ganz andere Zeiten herrschen. Frage dich also in schwierigeren Zeiten mit deinem Partner oder deiner Partnerin oder auch Team, ob du genügend Menschen in deinem Umfeld hast, die zu dir passen und bei denen du erwünscht bist (um überleben zu können)? Frage dich, ob du ausreichend Essen, Trinken, ein Dach unterm Kopf etc. hast, um bei dem Verlust deines Jobs überleben zu können. Unsere Denkgewohnheiten können wir ändern, indem wir uns daran erinnern, dass unsere Grundmotive in Wahrheit erfüllt sind. Wenn wir uns dessen bewusst sind, fallen uns automatisch alle möglichen Anzeichen auf, die die Erfüllung unserer Grundmotive bestätigen. Das gibt uns Raum zum Atmen und ein besseres Gefühl als wenn wir uns im inneren „Überlebenskampf“ mehr und mehr von negativen Gefühle beeinflussen lassen. Der Weg in die Gelassenheit, um neue Situationen zu reflektieren und einen guten Weg der Verarbeitung und des weiteren Handeln zu finden. Doch wie findest du überhaupt heraus, welches Grundmotiv bei dir ein (vermeintlich) unerfüllt ist? Frage kritisch nach dem Warum. Warum machst du das? bzw. Warum vermeidest du das? Wenn du zum Beispiel Angst hast, deine Bedürfnisse oder Wünsche anderen gegenüber zu äußern, frage dich, warum das so ist. Vielleicht reagiert dein Gegenüber nicht so, wie du es dir wünschst. Warum ist das so schlimm? Du könntest zurückgewiesen oder abgelehnt werden, was dann ein Zeichen sein könnte, nicht erwünscht zu sein oder nicht zu passen. Oder wenn du Angst hast, deinen Job zu verlieren: Warum hast du davor Angst? Vielleicht könntest du die Miete deiner Wohnung nicht mehr zahlen. Warum ist das schlimm? Nun, es besteht das (vermeintliche) Risiko, obdachlos zu werden und nichts mehr zu essen zu haben. Hier ist deine Existenz nicht länger sicher. Kennst du erst einmal dein Grundmotiv, kannst du dir leichter die Frage stellen, ob dieses heute nicht doch schon erfüllt ist. Frage dich, woran du erkennen kannst, ob du beim Grundmotiv Passen trotzdem noch genügend Menschen in deinem Umfeld hast, die du magst und die zu dir passen. Oder ob du beim Grundmotiv Existenzsicherung erkennen kannst, dass dein Überleben dennoch gesichert bleibt. 

Fazit

Geh also deinen Motiven auf die Spur, wenn du wieder einmal vor einer Herausforderung stehst. Frage dich, ob tatsächlich dein Überleben auf dem Spiel steht. Wenn du in einer Situation unnötig unter Strom stehst, sprich in einem inneren Dialog mit dir, und es stellt sich schnell Entspannung ein. So lässt sich besser beleuchten, ob dein von dir erkanntes Grundmotiv doch schon heute erfüllt ist. Das kann dein Weg sein, dein Problem zu lösen.

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(Selbst-) Führung, Kommunikation

So behältst du bei Kritik einen kühlen Kopf

Hast du es gerade mit Vorwürfen und Kritik in deinem Leben zu tun? Schiebt dir deine Kollegin die Schuld in die Schuhe, weil sich das gemeinsame Projekt verzögert? Wirft dir dein Partner mangelnde Loyalität vor? Oder beklagt sich deine Freundin über zu wenig Aufmerksamkeit? Vermutlich bringt dich das ordentlich auf die Palme. Vielleicht denkst du: Wieso versteht er oder sie mich nicht? Warum sieht niemand, welche Bedürfnisse ich habe? Vielleicht merkst du auch umgekehrt, dass es sich immer um die gleichen Themen handelt, die dich aus der Fassung bringen. Inzwischen bist du nur noch am Meckern, weil du dich einfach nicht gehört und ernst genommen fühlst. Gleichwohl, von wem die Schuldzuweisungen und Vorwürfe ausgehen, hier spielen stets unerfüllte, nicht beachtete Bedürfnisse eine wesentliche Rolle. Bedürfnisse, die weder klar noch wertschätzend formuliert werden. Wir wünschen uns von unserem Gegenüber, dass dieser uns unsere Bedürfnisse von den Augen abliest. Anstatt das Licht auf uns selbst zu richten, um herauszufinden, was wir brauchen, gehen wir unbewusst in den Widerstand und brechen Streitereien vom Zaun. Hier spielt sich dann letztlich nichts anderes als ein Machtkampf ab: Es geht nur noch darum, Recht zu behalten. Die Folge: Missverständnisse und unglückliche Kommunikation. Beides führt wiederum zu Frust und Alleinsein. Oft lenken derlei Zank und Streit davon ab, worum es wirklich geht. Umso mehr wir uns dann im Streit miteinander verheddern, umso weniger ist eine gemeinsame, konstruktive Lösung möglich. Und umso mehr entfernen wir uns vom Anderen. Und eigentlich wünscht sich jeder doch das Gegenteil. 

Kritik als Angriff auf unser Ego

Eine der größten Hürden in der zwischenmenschlichen Kommunikation liegt darin, wenn sich dein Gegenüber angegriffen fühlt. Und das hat in der Regel nichts mit dir zu tun. Hier arbeitet das Ego des anderen auf Hochtouren, sucht nach Aufmerksamkeit und Bestätigung. Und genau dasselbe passiert, wenn wir uns angegriffen fühlen. Das bedeutet, wenn du auf einen Angriff von jemanden reagierst, spiegelst du nur die Ängste und Sorgen deines Gegenübers wider. Kritisierst du jemanden, wenn du selbst gerade unzufrieden bist, dreht sich die Kritikspirale in deine Richtung zurück. Hier kämpfen dann zwei Egos gegeneinander. Ein Kampf, der sinnloser nicht sein kann. Dabei hilft es nicht, die Verantwortung für das Ego des anderen zu übernehmen, und zwar in der stillen Hoffnung, es beruhigen zu können. Keine Chance, nicht deine Verantwortung. Der bessere Weg: positiv mit Kritik umzugehen und Kritik selbst konstruktiv zu geben. Unsere Arbeit: Wir können lernen, unser Ego in den Griff zu bekommen, indem wir innehalten. Versuche also bei Kritik, deine Gedanken zu unterbrechen. Fühl‘ in dich hinein, welche Reaktion, welchen Reiz das Ego dir vermittelt, ohne direkt darauf zu reagieren. Frage zudem den anderen nach den Gründen für dessen Vorwürfe, die eigentliche Absicht hinter der Kritik. Das bringt Klarheit. Und frage insbesondere dich selbst, warum du dich angegriffen fühlst. Ich kenne das gut von Feedbackgesprächen mit Führungskräften. Erst kommt die Ölung durch Lob und Anerkennung, dann die Kritik, die so klein sie auch war, wie ein Messer im Rücken wirkt. Die vorherigen Worte des Lobes waren vergessen. Das Ego ist aktiviert. Vielleicht wurde auch ein wunder Punkt berührt, der an anderer Stelle bereits ans Licht kam. Oder eine alte Überzeugung taucht plötzlich auf. Gut, sich dann zu fragen:

  • Welcher wunde Punkt wurde hier gerade berührt? 
  • Was kann ich daraus lernen?
  • Warum hat mein Gegenüber die Macht, mir ein schlechtes Gefühl zu vermitteln?

Niemand besitzt die Macht, uns anzugreifen. Wir legen sie eher freiwillig in die Hand des anderen. Wer auch immer durch Kritik etwas in uns berührt hat, trägt keinerlei Schuld an unserem negativem Gefühl. Es ist vielmehr eine Einladung, hinzuschauen, dankbar zu sein, denn hinter der Kritik kann die Chance zum Wachstum stecken.

Kritik loslassen oder daran wachsen

Eine verbindende Kommunikation hilft, Missverständnisse zu enttarnen. Eine Kommunikation, in beide Seiten als Team, nicht als Gegner agieren. Das gilt für unser privates Leben genauso wie im Job. Es braucht einen wohlwollenden Blick auf sein Gegenüber, um Bedürfnisse des jeweils anderen zu entdecken, zu verstehen und vor allem fürsorglich und verständnisvoll damit umzugehen. Zudem verlangt es von uns, weise zu wählen zwischen Abgrenzung und Selbsterkenntnis. Dafür dürfen wir lernen, welche Vorwürfe, Schuldzuweisungen und Kritik aussortiert gehören, weil sie schlicht nichts mit uns zu tun haben und bei welchen Angriffen sich stattdessen Chancen zum inneren Wachstum und mehr Stärke auftun können. Gute Aussichten für eine größere Verbundenheit und mehr Vertrauen im Miteinander.

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(Selbst-) Führung

Warum es gut ist zu akzeptieren, was ist

Akzeptieren, was ist? Ja, das klingt so einfach und fühlt sich doch so schwer an. Wahrlich eine Herausforderung, gerade in einer Herausforderung. Die Pandemie hat uns gelehrt, eine Situation um einen Virus herum zu akzeptieren. Eine Situation, die sich wider Erwarten in unterschiedlichen Ausprägungen über Jahre hinwegzog. Eine Situation, die wir akzeptierten, an die wir uns angepasst haben. Nun ja, schon ein wenig gesteuert, und einigen fiel das Akzeptieren eher schwer, andere nahmen es leichter und zogen vielleicht sogar Vorteile aus der Situation. Akzeptieren ist letztlich nichts anderes als eine innere Einstellung. Wir stellen uns der Realität. In diesem Moment, im Hier und Jetzt. Hier sagen wir innerlich „Ja“ zu einem Umstand, einem Menschen oder einer Situation. Es fällt uns schwer, die Realität anzunehmen, wenn sich der Partner von uns trennt, eine Krankheit unseren Körper beeinträchtigt, die Kinder aus dem Haus in ein eigenes, selbstgewähltes Umfeld ziehen. Akzeptieren können wir auch, wenn wir an anderen Menschen Verhaltensweisen oder Charaktereigenschaften wahrnehmen, die uns nerven oder stressen. Die nicht vereinbar sind mit unseren Werten. Klar, wir können dagegen ankämpfen. In den Widerstand gehen. Wir können aber eben auch akzeptieren, was ist. Aber Achtung, das bedeutet nicht, gleich aufzugeben. Aus etwas, was wir doof finden, etwas Tolles zu machen, funktioniert nicht. Und es bedeutet genauso wenig, dass wir uns nicht mit unseren vermeintlichen Schwächen auseinandersetzen, um etwas zu ändern, sofern wir dies wollen. Akzeptanz heißt also in erster Linie, zunächst „Ja“ dazu zu sagen, was das Leben für uns bereithält. Egal, ob wir die Dinge, die da kommen, nun als gut, richtig, schön, falsch oder nicht richtig bezeichnen.

Akzeptanz heißt Loslassen, dann handeln

Aus der Positiven Psychologie wissen wir, dass es am besten für uns ist, wenn wir all unsere Erfahrungen, einschließlich unserer Schmerzen, annehmen, anstatt dagegen zu kämpfen. Die Vergangenheit ist geschehen, die Zukunft nicht vorhersehbar. Was zählt, ist der Moment. Der Moment ist die Gegenwart. Und nur in der Gegenwart können wir in aller Gänze fühlen. Wir bekommen hier also Klarheit über unsere Gefühle. Wir öffnen die Pforten zu unserer Wahrnehmung. Wenn wir das, was ist, nicht akzeptieren, riskieren wir, uns ins negative Wirrwarr von Gedanken über Vergangenheit und Zukunft zu begeben. Wenn wir uns beim Sport verletzt haben und für einige Zeit das Bett hüten müssen, nützt uns der Frust über diese Tatsache so gar nichts. Viel hilfreicher ist es zu überlegen, was wir mit dem Umstand oder auch trotz des Umstandes machen können. Mit der Tatsache leben. Trotz der Tatsache leben. Sich mit den Tatsachen, der Realität, anzulegen, bringt nichts – außer vielleicht noch mehr Frust. Dabei verlieren wir mehr, als wir gewinnen. Hand aufs Herz: Würdest du in den Ring steigen, wenn du genau wüsstest, dass du nicht die leiseste Chance hast, deinen Gegner zu besiegen? Das wäre irrsinnig, oder? Und trotzdem machen wir das immer wieder. Was tust du, wenn dir etwas passiert, das dir so gar nicht gefällt? Beim Aufräumen fällt dir ein Glas aus der Hand und zerbricht. Du setzt dich versehentlich auf deine Brille, sodass sie entzweibricht. Du erfährst, dass du den Job nicht bekommen hast, für den du dich beworben hast. Klar, das sind alles mehr oder weniger schlimme Situationen. Jedoch haben sie eines gemeinsam: Wenn sie passiert sind, sind sie passiert. Nichts und niemand kann sie rückgängig machen. Und dennoch steigen wir direkt in den Ring mit der Realität und rufen – ob still oder laut -: „Das darf doch jetzt nicht wahr sein!“ Tja, die Realität hält dagegen: „Es ist aber wahr!“. Daher heißt es auch hier, Widerstand bringt dich nicht weiter. Solange du dich im Widerstand befindest, bist du unfähig, richtig zu handeln. Akzeptiere erst. Handle anschließend. Weil unsere Kontrolle über die Außenwelt immer beschränkt ist, ist das die effektivste Möglichkeit, etwas zu erreichen.

Akzeptanz führt zu innerer Zufriedenheit

Wenn wir aufhören, uns gegen die Realität aufzulehnen, können wir unsere ganze Energie und Aufmerksamkeit auf das richten, was uns wichtig ist. Es braucht viel Übung, sich nicht über etwas zu ärgern, was wir (zumindest für den Moment) nicht ändern können. Es lohnt sich jedoch, daran zu arbeiten. Mit einer inneren Ja-Haltung der Realität gegenüber halten wir den Schlüssel zu einer tiefen inneren Zufriedenheit in der Hand. Halte dir gerne folgendes Gebet von Reinhold Niebur vor Augen:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Im Klartext: Es gibt kein Patentrezept, das uns hilft, bei Herausforderungen herauszufinden, ob wir besser was ändern oder annehmen sollen. Uns achtsam zuzuwenden, unserer Intuition und weniger den Gedanken aus dem Ego, aus unseren Verletzungen, oder gesellschaftlichen Normen zu vertrauen, ist ein sehr guter Weg. Und selbst, wenn wir etwas ändern möchten, funktioniert das stets am besten aus einer positiven Grundeinstellung heraus. Übrigens: Ich übe auch immer mal wieder in der Akzeptanz, was gerade ist. Auch in diesen Tagen.

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(Selbst-) Führung

Außer Kontrolle? Mach dich locker!

Das Leben ist kein Ponyhof. Manchmal gleicht es einem Trampelpfad voller Wurzeln, die uns immer wieder stolpern lassen. Manchmal führt das Leben uns auch über spiegelglatte Flächen, auf denen wir ausrutschen, auf den Hintern fallen und uns nur mit Mühe wieder aufrichten. Machen wir uns nichts vor; am liebsten bleiben wir doch immer noch in unserer kuscheligen, warmen Höhle, auch Komfortzone genannt. Hier ist alles so, wie es immer schon war. Etablierte Gewohnheiten. Egal, ob sie uns gut tun oder nicht. Wir haben uns an sie gewöhnt, sie bisher nicht hinterfragt. Wir haben sie angenommen, weil wir irgendwann erfahren haben, dass wir durch sie den Kopf über Wasser halten können. Angewohnheiten. Wehe aber, es passiert etwas Unerwartetes! Jemand verschafft sich ungefragt Zugang in unsere Höhle oder der tägliche Ablauf unserer Gewohnheiten wird von außen gestört. Pläne, die nicht aufgehen. Erwartungen, die nicht erfüllt werden. Panik! Angst! Unsicherheit. Manchmal kann uns das ordentlich den Tag vermiesen. Unser inneres Alarmsystem ist aktiviert. Unsere Emotionen spielen verrückt. Achtung, es droht Kontrollverlust!

Was uns Kontrolle im Leben gibt

Kontrolle und Gewissheit schenken uns ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Beides sind Grundbedürfnisse in unserem Leben. Somit ist es nur natürlich, dass wir Dinge oder auch Menschen kontrollieren wollen. Nur dann, so stellen wir uns vor, können wir selbst sicher, glücklich oder erfolgreich sein. Wenn wir jedoch versuchen, alles zu kontrollieren, indem wir anspruchsvoll und perfektionistisch sind, tut uns das mitnichten gut. Es besteht die Gefahr, sich im Gedankenkarussell zu verlieren, wir machen uns das Leben schwer. Und mal ehrlich, das Leben bringt viele Dinge mit sich, über die wir keine Kontrolle haben. Abgesehen vom Wetter und Tod sind das zum Beispiel: 

  • Wer uns mag bzw. liebt
  • Ausgesprochene Worte anderer Personen
  • Wie andere uns behandeln
  • Fehler, die wir in der Vergangenheit gemacht haben
  • Entscheidungen, die durch eine andere Person getroffen werden
  • Überzeugungen und Ängste anderer Menschen
  • Konsequenzen aus Handlungen, Entschuldigungen, Vergebung durch andere

Oftmals sind also unsere Mitmenschen beteiligt, wenn wir es mit Ungewissheit zu tun haben. Hier kommen unsere Ängste ins Spiel, was umgekehrt bedeutet, sich genau diesen zu stellen, wenn wir Kontrolle abgeben wollen. Angst, eigene Ansprüche oder die anderer nicht erfüllen zu können. Angst, nicht mehr gebraucht zu werden. Angst, nicht gut genug zu sein. Das aushalten zu lernen, scheint eine Mammutaufgabe. Atmen, loslassen, vertrauen. Eine Lösung, die eines gewissen Bewusstseins und Trainings bedarf. Letztendlich sind es die Erfahrungen, die wir machen, wenn wir vertrauen. Wenn wir dem Prozess, dem (Lieblings-) Menschen, dem Leben vertrauen.

Was uns bleibt, wenn wir lockerlassen

Auf der To Do-Liste für unser Leben steht nicht, das Unsichere sicher zu machen. Das beschert uns weniger Gedanken und mehr das Leben im Hier und Jetzt. Wenn wir weniger denken, sind wir mehr im Sein, nehmen uns und unser Umfeld viel mehr wahr. Das trifft auch auf unsere Gefühle zu. Weniger kontrollieren bedeutet weniger zu denken und damit mehr zu fühlen. Das erlaubt uns, in unserem Leben stärker unserer Intuition zu folgen. Steigen wir bewusst aus dem Kopf, aus unserem Gedankenkarussell, aus, bekommt unser Bauchgefühl eine Stimme. Wir gehen weniger kritisch und verurteilend mit unseren Mitmenschen um und vermeiden somit vorschnelle Entscheidungen, die nicht immer korrekt sind und Menschen mehr von uns wegstoßen als mit ihnen gemeinsam eine schöne Zeit zu verbringen. Bleiben wir also bei den Dingen, die wir kontrollieren können, mit denen wir in aller Eigenverantwortung unser Leben gestalten können: 

  • Freunde, die wir uns aussuchen
  • Unsere eigenen Ideen und Bemühungen
  • Entscheidungen, die wir treffen
  • Andere um Hilfe bitten
  • Ehrlich, verletzlich, offen sein
  • Wie wir unsere freie Zeit verbringen
  • Wie wir mit Herausforderungen umgehen
  • Freundlich anderen und uns gegenüber sein

Alles fängt nun mal bei uns an. Für alles andere heißt es: mach dich locker! 

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(Selbst-) Führung, Kommunikation

Wie du Vertrauen in deinen Beziehungen stärkst

Vertrauen ist eine große Sache. Je nachdem, was wir in unserem Rucksack an Erfahrungen mit uns herumtragen, kann es lange dauern, Vertrauen aufzubauen, vor allem nach einer Enttäuschung. Dagegen reicht manchmal nur ein Wimpernschlag, Vertrauen in Misstrauen zu verwandeln. Ein unbedachter Satz, eine unerwartete Begegnung oder auch eine vorenthaltene Information können Misstrauen schüren und unsere Beziehungen belasten. Das gilt für den Umgang mit dem Chef genauso wie mit den Kolleg:innen. Mit dem Partner oder der Partnerin genauso wie mit Freund:innen. Dabei ist Vertrauen das Fundament einer intakten Beziehung. Es sorgt dafür, dass wir uns gut fühlen und zuversichtlich sind. Vertrauen unterstützt uns dabei, Kontrolle abzugeben und gelassen zu sein. Wir sollten uns immer wieder bewusst machen, dass Vertrauen der Klebstoff ist, der intakte Beziehungen zu anderen überhaupt erst ermöglicht.

Vertrauen aufzubauen ist ein Prozess

Wahrscheinlich würden wir früher oder später verrückt werden, wenn wir allem Neuen oder jedem fremden Menschen mit Angst, Abwehr und Misstrauen begegnen würden. Gerade im Kennenlernen neuer Menschen braucht es Zeit und positive Erfahrungen, damit Vertrauen wachsen kann. Dabei sollten wir Vertrauen nicht mit Vertrautheit verwechseln. Letzteres entsteht in der Begegnung mit neuen Menschen und geht tiefer, je besser wir jemanden kennen lernen. Vertrauen jedoch entsteht erst in kritischen Situationen, wenn wir uns sicher sein können, uns auf den anderen verlassen zu können. Aus der anfänglichen Vertrautheit wächst somit das Vertrauen in die andere Person. Offenheit und Wertschätzung sind dabei unabdingbar, um eine vertrauensvolle Basis zu schaffen. Haben wir es jedoch mit Unehrlichkeit, Unzuverlässigkeit, Demütigung oder Heimlichtuerei zu tun, kann dies eine vertrauensvolle Beziehung in wenigen Augenblicken erschüttern. Dann kommen uralte Ängste ins Spiel, was dazu führt, unser Gegenüber kontrollieren zu wollen. Gut, dass wir lernen können, Vertrauen aufzubauen. Wie geht das nun konkret? Nachfolgend ein paar Tipps, die dir dabei helfen können:

  • Kommunikation: Je mehr wir regelmäßig und offen kommunizieren, umso mehr kann Vertrauen wachsen. Schweigen, Geheimnisse, Betrug sind Gift für unsere Beziehungen. Hinterfrage dich selbst, warum du bei gewissen Themen meinst, sie nicht mit deinem Gegenüber teilen zu können. Mach es dir dabei gar nicht erst in der Opferrolle gemütlich, denn dies belastet einmal mehr neue oder länger bestehende Beziehungen. 
  • Authentizität: Was auch immer wir meinen, denken, fühlen, sollten wir sagen und Taten folgen lassen. Dabei spielen auch Fein- und Zeitgefühl eine elementare Rolle. Manchmal tut es also gut, wenn du deinem Gegenüber Zeit und Raum einräumst.  
  • Ehrlichkeit: Unvollständige Informationen stellen ein Hindernis dar, denn sie führen zu Spekulationen und Misstrauen. Teile der anderen Person mit, dass sie sich keine Sorgen machen muss. Das beruhigt und verhindert Fehlinterpretationen. Manchmal ist es uns nicht gegeben, alles zu sagen. Das passiert uns hin und wieder gerade im Job. Statt dann auf eine Lüge zu setzen, ist es besser zu schweigen. Oder noch besser zu sagen, dass wir darüber (noch) nicht sprechen können. 
  • Umgang mit Fehlen: Wir tun gut daran, zu unseren Fehlern zu stehen und aus ihnen zu lernen. Gerade im beruflichen Kontext sollten Menschen, die als Führungskräfte ohnehin eine Vorbildfunktion inne haben, beweisen, dass Fehler in Ordnung sind. Hier hilft es, andere an gemachten Erfahrungen im Umgang mit Fehlern teilhaben zu lassen. Auch im privaten Bereich können wir einen guten Umgang mit Fehlern lernen. Den anderen mit Schweigen oder unangemessener Kritik zu bestrafen, lässt kein Vertrauen entstehen, sondern entfernt uns mehr voneinander.
  • Geduld: Vertrauen lässt sich nicht wie eine Lichtquelle einschalten. Es entsteht mit der Zeit. Wird wiederholt gelogen oder werden immer wieder Zusagen nicht eingehalten, baut sich Misstrauen auf. Erst wenn wir merken, dass wir uns auf unser Gegenüber verlassen können, eben insbesondere in Krisensituationen, wird Vertrauen gestärkt.

Vertrauen hat einen hohen Stellenwert

Vertrauen ist Ausdruck einer stabilen Beziehung – im Privaten wie im Job. Vertrauen können wir nicht anweisen, es wird gegeben. Es ist unsere Verantwortung, sich dafür des Vertrauens unseres Gegenübers als würdig zu erweisen. Wir haben es also selbst in der Hand, unsere Beziehungen auf einem sicheren und stabilen Fundament aufzubauen. Nur so gelingt es uns, gesunde Beziehungen zu führen, die uns glücklich machen. Wenn in zwischenmenschlichen Beziehungen jedoch nur eine Person an einer Vertrauensbasis arbeiten will, Gespräche vermieden oder problem- statt lösungsorientiert geführt werden, ist vielleicht der Zeitpunkt gekommen, die Beziehung zu überdenken. Wir haben immer die Wahl, mit wem wir uns umgeben. Und das Glück wartet dann an anderer Stelle.

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(Selbst-) Führung, Persönlichkeit

Spieglein, Spieglein an der Wand: So projizierst du auf andere

Regen dich deine Mitmenschen manchmal auf? Gibt es jemanden in deinem Leben, der es regelmäßig schafft, dich auf die Palme zu bringen? Sind es bestimmte Eigenschaften bei anderen, die dich wieder und wieder rasend machen? Was ich dir nun sage, wird dir vermutlich nicht gefallen. Es liegt oft gar nicht an deinem Gegenüber, wenn du an die Decke gehst. Es hat viel mehr mit dir selbst zu tun, als du denkst. Autsch! Natürlich fällt es uns viel leichter, anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben, wenn es uns nicht gut geht. Wir schauen aus anderen Gründen in den Spiegel und kämen nie auf die Idee, uns selbst zu fragen, was das Ganze mit uns zu tun hat. Diese Seifenblase von Überzeugung lasse ich hiermit platzen. Die Psychologie versteht darunter eine Projektion, mit der wir anderen Menschen Eigenschaften, Schwächen oder Probleme anhängen, die wir selbst in uns tragen. Mal ganz offensichtlich, mal ganz verborgen unter unserer Oberfläche. Wenn ich jemanden also als chaotisch und unordentlich wahrnehme, gibt es diesen Anteil auch in mir. Und wenn ich mir selbst gegenüber ehrlich bin, so finde ich ein paar Beispiele dafür. Weil ich selbst jedoch nicht nur einmal erfahren habe, dass Unordnung und Chaos „nicht richtig“ sind, lehne ich diesen Anteil in mir ab – und damit auch bei anderen. Es bringt mein Blut in Wallung, sobald eine andere Person immer wieder diese Eigenschaften an den Tag legen. Oder ist es dir schon einmal passiert, dass dir Menschen begegnet sind, die immer eine Meinung haben und in jedem Gespräch auch vertreten, immer laut und nie leise? Vielleicht empfindest du diese Menschen als unsympathisch, weil sie sich in deinen Augen immer wieder in den Vordergrund drängen. Und weil du es ablehnst, wenn jemand Selbstbewusstsein zeigt, schließlich erlaubst du dir dies selbst nicht. Beide Beispiele sind dabei noch vergleichsweise leichte Kost. Wir meckern über Egoismus, Faulheit, Ungeduld, Bequemlichkeit, Perfektionismus, Unpünktlichkeit. Was hat das jeweils mit uns selbst zu tun?

Was wir nicht wollen, verschwindet nicht

Wenn wir projizieren, blocken wir also unsere eigenen, ungeliebten Gefühle, Wünsche, Ängste und Themen ab. Wir schließen sie aus unserem Leben aus. Sperren sie weg. Lästern, Meckern, Schimpfen. Wir regen uns auf und wieder ab. Davon verschwinden sie jedoch nicht. Wenn wir nicht hinschauen, was dahinter steckt, kommt das alles irgendwann wieder. In einem anderen Menschen. In einer anderen Situation. Wir kämpfen dagegen an und sehen unser Gegenüber in aller Negativität. Und halten das, was wir sehen, für nichts als die Wahrheit. Und dann? Dann machen wir unsere Mitmenschen zu etwas, was sie überhaupt nicht sind. Wir laufen Gefahr, unsere Beziehungen zu belasten, vielleicht sogar zu sabotieren. Ein Jackpot in der Kategorie Energieräuber. Alles ändert sich, wenn wir verstehen, dass alle Menschen projizieren. Das macht es natürlich wesentlicher komplizierter, weil wir uns ständig fragen, ob sich gerade eine Projektion auftut oder nicht. Einfach geht anders, heißt jedoch auch schwarz und weiß. Graustufen sind das bessere Bunt. Und bunt bedeutet, stark und beweglich zu sein. Mit diesen Fragen gelingt dir das Hinschauen, wenn du bemerkst, dass du projizierst:

  • Was hat das mit mir zu tun?
  • Laste ich der anderen Person gerade etwas an, was selbst in mir ist und das ich vielleicht sogar lebe?
  • Werfe ich meinem Gegenüber etwas vor, was ich mir selbst nicht erlaube?
  • Kreide ich dem anderen etwas an, was dieser kann und ich nicht?
  • Beklage ich mich über etwas, was der andere besitzt, ich jedoch nicht?

Mutig und ehrlich hinschauen lässt dich wachsen

Idealerweise schaffen wir es, objektiv und gütig mit uns und unserem Umfeld zu sein. Und das bedeutet eben auch, dass wir uns an die eigene Nase fassen. Klar, das setzt Mut und Ehrlichkeit voraus. Es lohnt sich jedoch immer, wenn wir uns selbst noch besser kennen lernen. Dazu gehört auch, alle Anteile, die wir in uns tragen, willkommen zu heißen. Egal, wie wir sie bewerten. Für noch mehr Gelassenheit und ein friedliches Miteinander – auch im Umgang mit uns selbst. So bahnt sich ein neuer Weg emotionaler Freiheit. 

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(Selbst-) Führung, Kommunikation

Der Ton macht die Musik

Meine Eltern hatten es mit mir auf meinem natürlichen Selbstfindungstrip im Alter von 14+ Jahren sicher nicht einfach. Ich habe in jenen Zeiten nicht viel mit ihnen gesprochen. Und wenn, dann klang oft Trotz, Rebellion oder selbstauferlegte Arroganz durch. Ein Satz, der dann häufiger fiel, war „Der Ton macht die Musik!“. Ein Satz, den meine Mutter aussprach und der hängen blieb. Ich musste kürzlich wiederholt daran denken, als ich mich in verschiedenen Gesprächssituationen wiederfand und bemerkte, wie ich oder auch andere auf das Wie hinter den Worten reagierten. Kommunikation ist für mich von jeher ein spannendes Thema. Mit nur einem Ton kann ich Türen öffnen oder eben auch schließen. Ton schafft Emotion. Und oftmals schafft auch die Emotion den Ton. Mit ein bisschen Achtsamkeit können wir den Fokus auf das positive Gefühl setzen und gar nicht erst das Boot in stürmische Gewässer lenken. Ein Beispiel: Wenn ich morgens mein Kind wecke, kann ich dies liebevoll tun, indem ich mich zu ihm setze, es streichle und ihm ein sanftes „Aufstehen“ ins Ohr schicke oder ich gehe ins Zimmer, um die Vorhänge aufzureißen und dabei ebenso laut wie streng „Aufstehen“ zu rufen.

Gute Kommunikation ist Achtsamkeit

Mit einer guten Portion Aufmerksamkeit kannst auch du in deinen Gesprächen dein Gegenüber und dessen Reaktion auf das Gesagte wahrnehmen. Bist du unsicher in dem, was du wahrnimmst, trau dich und frag nach. So klärt sich sicher eine Situation, über die du vielleicht vorschnell geurteilt hat. Wichtig ist auch die jeweilige Stimmung – bei dir und deinem Gegenüber. Manchmal wird die auch unbewusst beeinflusst. Ein falsches Wort, ein falscher Ton, und schon bricht in unseren Beziehungen die Eiszeit aus. Wir senden in unseren Gesprächen eben nicht nur Worte, sondern auch Gefühle. Sei dir bewusst, dass das, was du aussendest, auch zu dir zurückkommt. Ton auf Ton. Gefühl auf Gefühl. Gewalt erzeugt Gegengewalt. Auch in unserer Kommunikation. Eine Auseinandersetzung, gründet sie noch so sehr auf einer banalen Situation, führt dann schnell zum Verlust von Nähe und Vertrauen. Nicht so, wenn du vergeben kannst, was das Gras über die Sache wachsen lassen kann. Kommt es jedoch wiederholt zu ähnlichen Situationen, leiden unsere Beziehungen bis hin zum Kontaktabbruch. Unsere Muster sind mächtig, wenn wir ihnen keine Aufmerksamkeit schenken. 

Und wie sprichst du mit dir selbst?

In unseren Gesprächen kommt es also nicht immer auf das Was, sondern vielmehr auf das Wie an. Und das gilt auch für die Gespräche, die wir mit uns selbst führen. Achte gerne mal darauf, wie du mit dir selbst sprichst. Sprichst du so auch mit deiner besten Freundin? Deinem besten Freund? Wie oft verurteilst du dich selbst in deinen stillen Gesprächen? Auch hier geht es darum, dir selbst ein:e gute:r Freund:in zu sein, dich wichtig zu nehmen und einen liebevollen Umgang mit dir selbst zu pflegen. Auch hier macht eben der Ton die Musik. Egal also, in welchem Gespräch du dich künftig befindest, achte auf das Wie in deinen Worten – selbst, wenn du schlecht drauf bist.

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Kommunikation

Warum eine Entschuldigung wichtig für unsere Beziehungen ist

Fehlerkultur ist ein großes Wort in meinem Umfeld. Wir tun uns nach wie vor schwer, Fehler des anderen zu akzeptieren, sich eigene Fehler einzugestehen und – sich zu entschuldigen. In erster Linie sich selbst gegenüber. Sich selbst zu verzeihen macht den Raum zum Loslassen auf. Manchmal machen wir aus Kleinigkeiten eine große Sache, ohne recht zu wissen, warum. Meist hat der andere damit wenig zu tun. Der kriegt es jedoch ab. Gift für unsere Beziehungen, gerade wenn sie noch wachsen. Passieren Fehler in unseren Beziehungen zu anderen Menschen, braucht es Mut, darüber zu sprechen. Und noch mehr Mut, sich zu entschuldigen. Und ich sage euch, in einer Entschuldigung steckt Magie! Eine Entschuldigung bringt Nähe und Vertrauen. Doch warum fällt uns das manchmal so schwer?

Es tut dir Leid? Sprich‘ darüber!

Haben wir es gar verlernt, wie man sich entschuldigt? Oft fehlt es an Empathie, in Konflikten den anderen mit seinen Bedürfnissen und Problemen wahrzunehmen. In diesem Fall drehen wir uns lediglich um uns selbst. Das ist nicht gerade hilfreich, wenn am Konflikt mehr Menschen als man selbst beteiligt ist. Wer sich besser in sein Gegenüber einfühlen kann und sich selbst reflektiert, erkennt die eigenen Fehler besser. Dann zeugt es von Selbstbewusstsein, darüber zu sprechen und sich zu entschuldigen. Denn wer sich entschuldigt, gesteht sich ein, einen Fehler gemacht zu haben. Damit verbunden ist die Einsicht über das eigene Verhalten. Wichtig dabei ist ehrliche Einsicht, denn das bringt uns auch dazu, ein ehrliches „Es tut mir Leid.“ auszusprechen. Was nützt es, einer Entschuldigung ein Aber hinzuzufügen? Lasst uns also unserem Umfeld und unseren Beziehungen mehr Respekt zollen, indem wir…

…bei schlechter Stimmung oder Vorwürfen anderen gegenüber innehalten und der Ursache auf den Grund gehen. Um sich von den eigenen Emotionen zu distanzieren, hilft hier ein Blick von außen: Was würdest du einem Freund oder einer Freundin raten, der oder die dir diese Geschichte erzählt? So gelingt es, sich von den eigenen Emotionen zu distanzieren und mit mehr Sachlichkeit darüber zu urteilen, was hinter Unstimmigkeiten steckt.

…erkennen, dass unser Verhalten nicht in Ordnung war und uns direkt entschuldigen, ohne Umweg, ohne Verzögerung. Manchmal klappt das nicht gleich, weil in uns die Emotionen köcheln. Mitunter kann eine Entschuldigung dann halbherzig klingen, da noch Widerstand mitschwingt. Hier hilft es, etwas zu warten. Nur nicht zu lange, sonst hat der andere das Thema bereits abgeschlossen.

…eigenes Fehlverhalten nicht schön reden. Rechtfertigungen und Ausreden bleiben außen vor. Einen Fehler schön zu reden, zeugt davon, ihn sich nicht eingestanden zu haben.

…den Mut haben, für ein Fehlverhalten einzustehen! Da steckt keine Schwäche drin, sondern vielmehr Stärke, sowohl das eigene Verhalten als auch die eigenen Gefühle zu reflektieren.

Übernimm‘ Verantwortung

Wer um Verzeihung bittet, zeigt Größe. Größe meint hier mentale Stärke, denn wer sich entschuldigt, übernimmt Verantwortung für das eigene Handeln. Allerdings dürfen Entschuldigungen bewusst eingesetzt werden, sodass der Dialog konstruktiv bleibt. Es gilt also, das richtige Maß zu finden. Zu viel ist zu viel und zu wenig zu wenig, wenn die Situation es erfordert und Grenzen beim Gegenüber verletzt wurden. Das betrifft unsere Beziehungen privat als auch beruflich. Und noch was: Um Verzeihung zu bitten, macht einen Fehler nicht ungeschehen. Hier gilt es, künftig potenzielle Konfliktsituationen zu vermeiden. Bei größeren Themen hilft Reden, in Ruhe und auf Augenhöhe. Manchmal braucht es dafür auch Unterstützung durch eine neutrale dritte Person. Erlaube dir diese Unterstützung. Für ein besseres Miteinander. 

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(Selbst-) Führung, Kommunikation

Sag‘ doch einfach, was du willst!

„Ich will nicht so früh aufstehen!“, „Ich habe keine Lust auf Urlaub in den Bergen.“, „Ich mag jetzt keine Erbsensuppe.“ Wir sprechen oft darüber, was wir alles nicht wollen. Mach doch mal den Test und höre dir selbst beim Reden zu. Ein paar Tage reichen schon und du wirst feststellen, dass du ganz schön häufig sagst, was du nicht willst statt dein Umfeld wissen zu lassen, was du möchtest und was dir demnach wichtig ist. Grundsätzlich wichtig im Leben. Wichtig  für den kommenden Tag, den kommenden Urlaub. Wichtig in genau diesem Moment. Oftmals vermeiden wir sogar, unsere Wünsche offen zu benennen. Und so schweigen wir lieber, um andere nicht zu verletzen. Dabei verletzen wir in erster Linie uns selbst, indem wir uns selbst nicht ernst (genug) nehmen. Oder aber wir reden am anderen vorbei. Immer wieder gerne in privaten Beziehungen: „Du, der Mülleimer ist voll.“ oder „Die Nachbarn machen schon wieder eine Kreuzfahrt. “ Auch im beruflichen Umfeld rutscht uns schon mal ein „Ich weiß gar nicht, wann ich das alles erledigen soll.“ oder „Mein Chef hat schon wieder keine Zeit für mich.“ raus. Im Grunde wissen wir doch, dass uns unsere Wünsche niemand an den Augen ablesen kann. Es braucht zum Aussprechen Offenheit und Vertrauen, denn wir wollen weder verletzt noch abgewiesen werden. Manche Menschen haben nie gelernt, offen über ihre Bedürfnisse zu sprechen. Zu groß ist die Angst vor Verletzungen oder auch in den Wissen, dass jemand anderes zu viel über einen weiß. 

Werde dir deiner Wünsche bewusst

Ganz am Anfang steht immer, sich selbst darüber im Klaren zu sein, was man sich wünscht bzw. welche Bedürfnisse wirklich wichtig sind. Damit einher geht die Frage, ob diese Wünsche und Bedürfnisse berechtigt und angemessen sind. Was nützt es uns, sich den nächsten Urlaub in der Karibik zu wünschen, wenn es aktuell eher mau in der Urlaubskasse aussieht? Und dennoch hilft es, dann darüber zu sprechen, vielleicht ist mit einem gemeinsamen Sparziel der Urlaub im darauffolgenden Jahr unter Palmen auf der Lieblingsinsel möglich. Wenn wir nicht aussprechen, was wir wollen, bekommen wir es meist auch nicht. Und ja klar, manchmal schlägt uns Gegenwind entgegen. Den gilt es dann auszuhalten und sich klarzumachen, dass dieser nichts mit uns als Person zu tun hat. Wir dürfen unsere Wünsche und Bedürfnisse aussprechen, und wenn wir das tun, dann in voller Verantwortung genau dafür. Die Verantwortung für die Reaktion oder Situation unseres Gegenübers tragen wir nicht. Und doch umtreiben uns Gedanken wie „Wird sie das unhöflich finden?“ oder „Wird ihn das verletzen?“, und zwar noch bevor wir unsere Wünsche äußern. Also nochmal: Wir haben das Recht, unsere Bedürfnisse auszusprechen. Wie die anderen damit umgehen, bleibt deren Verantwortung. Unsere Verantwortung beim Aussprechen ist es jedoch, keine Forderungen zu stellen oder Befehle zu erteilen. 

So sprichst du deine Wünsche an

Und, kennst du deine Bedürfnisse? Überlegst du, wie du diese am besten vermittelst? Schau doch einmal, hierauf kommt es an: 

  • Achte auf den richtigen Zeitpunkt: Du weißt ja, zwischen Tür und Angel funktioniert es einfach nicht. Auch bei einem beruflichen Anliegen gibt es sicherlich einen besseren Moment als Montagmorgen oder am späten Abend.
  • Werde konkret in dem, was du möchtest: Formuliere genau, was du sagen möchtest. Vielleicht schreibst du dir vorher ein paar Sätze auf. Gerne auch kurz und knackig statt lang und ausschweifend. 
  • Verwende Ich-Aussagen: Während Du-Botschaften eher Widerstand und Konflikte erzeugen, wirken Ich-Botschaften wesentlich konstruktiver. Sei dir dessen bewusst, dass du so Vertrauen und Offenheit ausdrückst. 
  • Bleib ruhig: Das spricht für sich. In unaufgeregter Kommunikation fällt es uns leichter, auf den Punkt zu kommen. Hierbei hilft wiederum eine gute Vorbereitung. Aus einer negativen Emotion heraus gelingt es uns weniger gut, unsere Bedürfnisse zu äußern. Zu schnell laufen wir Gefahr, Distanz zu schaffen, die wir gar nicht beabsichtigt hatten.
  • Halte Blickkontakt: Bleib stets in Augenkontakt mit deinem Gegenüber, vielleicht sogar in Verbindung mit einem Lächeln. So signalisierst du Sympathie und Offenheit.
  • Akzeptiere die Reaktion deines Gegenübers: Klar, ein „Nein“ möchtest du sicher nicht hören. Und genau das solltest du dennoch akzeptieren und gleichzeitig herausfinden, warum es zustande gekommen ist. Oftmals stecken Gründe dahinter, die nichts mit dir zu tun haben. Und doch beziehen wir die Reaktion des anderen meist auf uns. Hier kannst du gut deinen Umgang mit Ablehnung üben. 
  • Sei offen für Alternativen: Vielleicht hast du dir im Vorfeld schon Gedanken über einen Kompromiss gemacht. Dann sprich ihn aus. Vielleicht bringt jedoch auch dein Gegenüber eine Alternative ins Spiel, die sich gut für dich anfühlt. Bleib aufgeschlossen und zielorientiert.

Welche Erfahrungen hast du gemacht? Fällt es dir leicht, über deine Bedürfnisse zu sprechen? In welchen Situationen brauchst du besonders viel Mut, Wünsche zu äußern? Wenn es dir noch schwer fällt, fang‘ in kleinen Schritten an. So wirst du schnell feststellen, dass du leichter zum Ziel kommst und damit die Erfüllung deiner Wünsche und Bedürfnisse näher rückt. 

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