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Selbsthilfe in stressigen Zeiten

Das Jahr 2021 ist fast geschafft. Wenn ich zurückblicke, blicke ich auf so einige Momente, Stunden, Tage und manchmal auch Wochen zurück, die für mich besonders herausfordernd waren. Ich fühlte mich hier, als hätte ich mich bereits morgens ins Hamsterrad begeben und es vor dem Tasten nach dem Lichtschalter am Abend vor dem Zubettgehen auch nicht mehr verlassen. Andere sprechen hier auch vom Sitzen auf dem Beifahrersitz, kaum dass das Auto, das sie durch den Tag führen soll, losgerollt ist. Wir vergessen dabei nur all zu oft, dass wir es selbst sind, die den Schritt aus dem Hamsterrad heraus nehmen können oder eben selbst am Steuer sitzen, um über den Weg (und damit über den Tag) zu bestimmen. Mir passierte es dabei ganz oft, dass ich mich größtenteils unbewusst eher fremdbestimmt steuern ließ und somit die eigene Verantwortung aus der Hand gab.

Damit mir das künftig nicht mehr passiert, habe ich mir eine Erinnerungsstütze gebaut, die ich heute gerne mit dir teilen möchte. Meine Erinnerungsstütze ist nichts Anderes als ein Memo, das mich daran erinnern soll, was mir gut tut und mich in ein anderes Handeln kommen lässt, als ich es bisher gewohnt war – gerade eben in Zeiten, in denen ich mich im Hamsterrad oder auf dem Beifahrersitz sehe. Schau selbst: 

Öfter mal auf neue Gedanken kommen

Diese kleinen „Mini-Ausbrüche“ diesen nicht nur dazu, dass ich mich besser fühle, sondern auch, dass ich auf andere Gedanken komme. Das gelingt mir nur, indem ich die obigen Momente auch bewusst lebe und wahrnehme. Ich schätze ihren Wert für mich und übe mich in Dankbarkeit und Stolz auf jeden kleinen (Mut-) Ausbruch, der mir mindestens einen Moment Leichtigkeit geschenkt hat. Eine wohltuende Abwechslung zu anderen Arten von Ablenkung, die ich früher gesucht habe: Check aktuelle Nachrichten, Check Social Media, Check offene To Dos, Check WhatsApp etc. Hier habe ich nur noch mehr Stress und Belastung verspürt. Nach einer Pause aus dem Notfall-Memo merke ich, dass ich anschließend sachlicher Situationen reflektieren kann und weniger gestresst bin. Zufriedenheit jenseits des Hamsterrads oder dem Beifahrersitz kann sehr schön sein, sodass ich schließlich mehr und mehr davon wollte. In Momenten, wo das alles nichts hilft – ja, die gibt es auch hin und wieder – verurteile ich mich nicht dafür, sondern akzeptiere das, was ist. Und ich beobachte, dass es zunehmend weniger dieser Augenblicke gibt. 

Was sind deine Wohlfühlmomente?

Natürlich müssen meine Wohlfühlmomente nicht deine Wohlfühlmomente sein. Sie können dich jedoch gerne inspirieren. Erlaube dir, in dich reinzuhorchen: Was tut dir gut? Was bringt dich auf andere Gedanken? Was bringt dich zum Lachen? Erinnere dich an das, was dir als Kind Spaß gemacht hat. Probiere etwas Neues aus. Gibt dir dafür ruhig etwas Zeit. Mein Memo hängt nunmehr über meinem Schreibtisch und erinnert mich immer wieder daran, in etwas schwierigeren Zeiten eine Pause zu machen und an mich zu denken. Von Zeit zu Zeit kommen anderen Punkte auf die Liste an Möglichkeiten, die mir zur Verfügung stehen. Ich nutze hierfür übrigens auch gerne mein Morgenritual, das mir eine wunderbare Basis für einen guten Start in den Tag legt. 

Solltest du mein Memo-Layout verwenden wollen, schreib‘ mich gerne an. Du kannst hierfür das Kontaktformular verwenden. Ich lasse dir dann ein paar Tipps zukommen. 

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Photo by Elisa Ventur on Unsplash

Persönlichkeit

Mal wieder innerlich getrieben

Erst letzte Woche ist es mir schon wieder passiert: Ich arbeitete an einer Aufgabe und wollte sie unbedingt noch fertig stellen, bevor ich mich mit etwas anderem beschäftigte. Ich hatte schon sehr viel Zeit investiert und merkte gar nicht, wie verbissen ich bei der Sache war. Hin und wieder tauchte ein Kinderkopf auf und fragte mich etwas (für mich) Belangloses. Ich gab Antworten, jedoch nicht 100% dem Kind zugewandt. Irgendwann ertappte ich mich dabei, stieg aber aus der Situation nicht aus, obwohl ich den Stress spürte, der in mir brodelte. Der Gedanke, die Aufgabe nicht zu Ende zu bringen, stresste mich noch viel mehr. Und es war nicht mal so, dass ich irgendeiner Frist folgte oder hinter mir jemand stand, der die verbale Peitsche schwang. Im Grunde war ich also selbst verantwortlich, für meine Gedanken, meine Gefühle und mein Handeln. Irgendwo tief in mir war eine leise coachende Stimme, die flüsterte, dass ich mir mal eine Pause gönnen oder auch am nächsten Tag weitermachen kann. Ich nahm das Flüstern kaum war. Meine Aufgabe schaffte ich, auf das Ergebnis war ich stolz, jedoch brachte es meine Tochter noch eine Woche später noch auf den Punkt: “ Mama, letzten Montag warst du richtig gestresst!“. Ich hatte die Situation schon reflektiert und quasi vergessen, mein Lieblingsmensch nicht. War es das wert? Ganz sicher nicht. Da ich mich seit Jahren mit persönlicher Entwicklung beschäftige, weiß ich, dass da meine inneren Antreiber am Werk waren. 

Innere Antreiber entstehen – natürlich – in der Kindheit. Vielleicht erinnerst du dich oder hast dich deinen eigenen Kindern gegenüber schon dabei erwischt, sie mit Anweisungen oder Ermahnungen zu fordern. Nett gemeint, sollen diese doch dabei helfen, das Leben leicht zu nehmen. Dabei können Glaubenssätze entstehen, die uns im weiteren Verlauf unseres Lebens Steine in den Weg legen. Was genau sind denn nun diese inneren Antreiber?

Innere Antreiber: Fluch und Segen zugleich

In mir wüten hin und wieder gleich mehrere Antreiber, und das ist wohl ganz normal. Die Ausprägung macht letztlich einen Unterschied. Man unterscheidet zwischen folgenden fünf inneren Antreibern, die wiederum für positive Eigenschaften stehen: 

  • „Sei perfekt!“ steht für fehlerlos und genau. 
  • „Sei gefällig!“ steht für liebenswürdig und freundlich. 
  • „Sei stark!“ steht für stark und unabhängig.
  • „Streng dich an!“ steht für gründlich und ausdauernd.
  • „Beeil dich!“ steht für schnell und lösungsorientiert

Positive Eigenschaften – das klingt doch erst einmal gut, oder? Jedoch Obacht, Medaillen haben immer zwei Seiten. Perfekt sein zu wollen, bedeutet nämlich auch, sich schnell in Details zu verlieren und nie wirklich mit der eigenen Leistung zufrieden zu sein. Sich stets anzustrengen, sorgt dafür, dass man in der Regel zu viele Aufgaben übernimmt und sich schwer tut, um Hilfe zu bitten. Hier ein bisschen mehr Details dazu, was euch spätestens hier einen meiner Antreiber erraten lässt:  

AntreiberVorteile (Auswahl)Nachteile (Auswahl)
Sei perfekt!– arbeitet detailgetreu
– bringt viel Geduld auf
– plant sehr genau
– lässt keine Fehler zu
– überarbeitet Aufgabe mehrmals
– delegiert ungern
Sei gefällig!– ist teamfähig
– verfügt über eine hohe Empathie
– hilft gerne
– tut sich schwer mit Entscheidungen
– stellt eigene Bedürfnisse zurück
– kann schwer Nein sagen
Sei stark!– handelt konsequent
– ist „Fels in der Brandung“
– bewahrt den Überblick
– kann kaum Gefühle zeigen
– lässt keine Schwächen zu
– hält Andere auf Distanz
Streng dich an!– ist vielseitig
– zieht Aufgaben durch
– gibt bei Problemen nicht auf
– nimmt Anderen Aufgaben ab
– arbeitet nicht unbeschwert
– akzeptiert eigene Grenzen nicht
Beeil dich!– verliert sich nicht in Details
– ist flexibel und offen für Neues
– delegiert gerne
– unterbricht gerne
– ist stark im Multitasking
– verbreitet Hektik

Hast du deine eigenen Antreiber schon identifiziert? Wenn du dein Wissen um deine eigenen inneren Antreiber vertiefen möchtest, nutze einfach einen der vielfach im Internet verfügbaren Tests. 

Neue Glaubenssätze lassen innere Antreiber schwächeln

Wie ich dir schon verraten habe, haben wir mit unseren inneren Antreibern Glaubenssätze in uns fest verankert. Zum Beispiel steckt mit dem Antreiber „Sei perfekt!“ in mir der Glaube „Ich darf keine Fehler machen.“ Aber ist das wirklich wahr? In unserem Leben sind uns viele Fehler begegnet. Ist davon die Welt untergegangen? Sicherlich nicht, auch nicht die eigene. Ich darf ich mir also auch erlauben, Fehler zu machen. Regelmäßig reflektiert, lässt dies meinem inneren Antreiber schnell die Puste ausgehen. Noch ein Beispiel? Mich treibt hin und wieder an, es Anderen recht machen zu wollen. Ich habe offenbar schon ganz früh den Glaubenssatz entwickelt: „Meine Bedürfnisse sind nicht wichtig.“ Es gab Zeiten, da habe ich sogar den (natürlichen!) Drang, während der Arbeit zur Toilette zu gehen, unbewusst ignoriert. Essen? Trinken? Nebensächlich. Warum eigentlich? Weil irgendwer noch auf eine Antwort von mir wartete (Wirklich?). Weil ich eine Aufgabe noch schnell abschließen musste (Fünf Minuten später geht das nicht?). Inzwischen heißt es für mich: „Ich darf eine Pause machen!“ oder auch „Ich erlaube mir, in Ruhe und ohne Ablenkung zu essen.“ Meinen insbesondere natürlichen Bedürfnissen gehe ich also inzwischen nach. Reine Übungssache!

Was sind deine inneren Antreiber? Und: Wie nutzt du dein Wissen um sie, um dein Leben künftig leichter zu machen? 

Photo by JESHOOTS.COM on Unsplash

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Ich entscheide mich… für mich

Es gab eine Zeit, da glaubte ich, mich selbst verloren zu haben. Nichts wollte so richtig laufen. Ein Kind, das mich schon am schon am frühen Morgen anbrummte. Kolleg:innen, die ihren Frust bei mir abluden, um gut gelaunt wieder von dannen zu ziehen. Führungskräfte, die nicht führten. Potenzielle Partner, die mich nicht wollten, wie ich bin. Oder die ich nicht wollte, wie sie sind. Freunde, die kein Ohr für mich und meine Sorgen hatten. Ich hatte viele Träume, die sich immer weiter hinter einen Berg von Problemen schoben. In mir breitete sich abwechselnd mal Traurigkeit und Hilflosigkeit, mal Wut und Ohnmacht aus. Von Freude und Spaß kein bisschen zu sehen, zu fühlen, zu schmecken oder zu riechen. Ich kämpfte dagegen an, was noch mehr Energie zog – bis ich irgendwann den Stecker ziehen musste. Selbstschutz. Weil nicht mehr viel ging. Bevor gar nichts mehr ging. Rückblickend bin ich froh, dass ich den Stecker zog, nicht jemand anderes. So viel Eigenverantwortung steckte da irgendwo ganz tief wohl noch in mir drin. Eine Entscheidung! Nach einer kleinen Zeit des Nichtstuns habe ich den Stecker wieder in die Hand genommen, es fühlte sich nicht gut an. Ich versuchte mehrere Anläufe, aber der Stecker schien glitschig, nicht passend. Und so legte ich ihn erst einmal ganz zur Seite. Nicht mehr sichtbar. Weg. 

Manchmal tun Entscheidungen weh

Stück für Stück habe ich mich wieder aufgerappelt. Und dabei so viel gelernt. Was es heißt, für sich einzustehen. Was es bedeutet, auch mal innezuhalten. Wie schwer es ist, Nichtstun auszuhalten. Und schließlich wie schön das auch sein kann. Alte Muster abzulegen. Erst Nein zu denken, dann Nein zu raunen, schließlich Nein zu sagen. Klar, überzeugt und voller Stolz auf mich selbst. Es ruckelt(e) immer mal. Mal mehr, mal weniger. Heute halte ich auch das mal aus. Und lerne wieder. Falle, stehe auf. Ein ewiger Kreislauf. Kein steter Weg „nach oben“. Das ist das Leben, oder? Kein Ponyhof, sagt man landläufig. Und dabei ist Ponyhof nicht mal zwangsläufig schön. Ponymist stinkt. Ein Pony, das beißt. Ein Pony, das austritt. Ein Pony, das krank ist. Machen wir also das Beste draus. Ich habe das Beste meist für andere gegeben, meist zuletzt für mich. Und heute?  

Es klappt immer besser, das An-mich-denken. Ich übe und übe. Ist es egoistisch, zuerst an mich zu denken? Nein! Tief in mir möchte ich doch wachsen, mich entwickeln, weiterkommen, da hilft nun mal eine große Schippe Egozentrismus. Letztlich kann mir hierbei auch niemand anderes helfen. Begleiten und unterstützen ja, immer wieder gerne, jedoch liegt der Zauber in der Eigenverantwortung, weil ich doch selbst am besten weiß, was mir gut tut. Du weißt das nicht? Finde es für dich heraus und erlaube dir, dir dafür etwas Zeit zu nehmen. Ich für meinen Teil hatte irgendwann hinter dem Berg versteckt, was mir, und zwar in erster Linie mir, gut tut. 

Selbstbestimmung rockt

Viel zu schnell folgen auf Entscheidungen, die wir nicht für uns selbst treffen, schlechte Laune, Schlaflosigkeit, Kopfschmerz, Lustlosigkeit, Frust, Tränen. So viele Signale, die wir gerne viel zu lange und viel zu oft einfach verdrängen. Wenn du nun in dich reinfühlst und erkennst, dass die letzte Woche, der letzte Monat oder gar das letzte Jahr mit ganz viel Frust statt Lust abliefen, dann entscheide dich schon jetzt für dich. Erlaube dir, bei nächster Gelegenheit Ja zu dir und (freundlich) Nein zum Gegenüber zu sagen. Und da es im Leben nun einmal nicht nur schwarz und weiß gibt; wie wäre es mit einer Alternative zum Nein? Morgen statt heute sprechen. Erst einmal schlafen. Eine Aufgabe in drei Tagen und nicht in 24 Stunden erledigen. Erst mal Laufen gehen. Danach vielleicht ein Eis? Nach einer Zeit des Übens kann sich Frust in Lust wandeln. Und erinnere dich dabei, das hinter einem fühlbar schlechtem Gewissen stets Gedanken stehen. Da steckt viel vom Inneren Kritiker drin. 

Eine Sache möchte ich auch noch loswerden: Anderen etwas Gutes zu tun, ist dennoch toll! In unserem Gehirn springen dann dieselben Belohnungszentren an, als wenn wir ein Geschenk erhalten. Das macht auch den sozialen Klebstoff aus, den wir nun einmal brauchen. Evolutionär bedingt möchten wir uns einer Gruppe zugehörig fühlen. Allerdings macht sich auch Unzufriedenheit breit, wenn wir uns bei all dem Geben (mehr und mehr) selbst vergessen. Insbesondere wir Frauen kennen das: Teilen, Rücksicht nehmen, an die Anderen denken, nicht an sich selbst; das ist unsere Erziehung. Und ich sehe es immer noch im Job: Hier wird Frauen, die für sich und ihre Interessen eintreten, gerne nachgesagt, zickig zu sein. Männer dagegen gelten dann durchsetzungsstark. Zum Glück sehe ich auch mehr und mehr Frauen (und Männer), die das Selbstbewusstsein haben, für sich einzustehen. Menschen, die sich fragen, was gut für sie ist. Und sich entscheiden – für sich. So wie ich mich für mich.

Wann also entscheidest du dich für dich? Hierbei ins Tun zu kommen und sich anschließend dafür selbst ein Kompliment auszusprechen, ist das Nonplusultra, denn du weißt ja: Eigenlob stinkt nicht.

Photo by Anthony Tran on Unsplash

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Lebst du schon oder optimierst du noch?

Selbstoptimierung liegt uns im Blut. Auch wenn wir uns nicht erinnern, so haben wir irgendwann einmal Laufen gelernt. Dafür brauchten wir unzählige Versuche: Aufstehen, Hinfallen, Aufstehen, Hinfallen, Aufstehen…; damit fing alles an. Und irgendwann folgte der erste, noch unsichere Schritt nach vorn, dann der zweite usw. Ich weiß noch, wie meine Tochter das erste Mal ihre ersten Schritte hintereinander machte. Es war in einem dieser damals noch unzähligen Spiele-Cafés in Berlin-Prenzlauer Berg. Sie stand und hielt sich an irgendetwas fest, schaute in die Richtung eines bestimmten Spielzeuges, an das ich mich nicht erinnern kann, und tapste plötzlich los. Ich erwischte mich dabei, wie ich die Luft anhielt und dem Impuls widerstand, zu ihr zu springen und sie beschützend festzuhalten. Meine Tochter lief also ihre ersten Schritte – es waren sicher nicht mehr als zwei -, plumpste dann auf ihren gepolsterten Hintern und war sich ganz bestimmt nicht darüber im Klaren, was sie da gerade gelernt hatte. So oder auf eine andere Art habe auch ich Laufen gelernt und kann heute mehr als zwei Schritte aufrecht laufen. Irgendwann lief ich auch rückwärts, dann kamen Schuhe in unterschiedlichster Absatzhöhe als neue Herausforderung dazu. Wenn ich wollte, könnte ich hier sicher auch noch wachsen; das Laufen auf sieben Zentimeter hohen Absätzen fällt mir schließlich immer noch etwas schwer. 

Zeit und Übung lässt uns besser werden

Du siehst also, mit etwas Übung können wir in allem, was wir tun, über die Zeit besser und besser werden. Selbstoptimierung gehört damit zu uns, ob wir nun wollen oder nicht. Ich erlebe jedoch immer wieder Menschen, denen das zu wenig zu sein scheint. „Höher, schneller, weiter“ – kurz: besser (werden) – ist Programm. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, in der ganz schnell der Blick auf unsere Schwächen gelenkt wird. Medien gaukeln uns zudem vor, dünner seien wir attraktiver. Werbung vermittelt uns, mit Make-up seien wir hübscher. Machen wir uns nichts vor, wir werden niemals fertig. Vielleicht laufe ich in 10 Jahren in High Heels von sieben Zentimetern Absatz über jedes Straßenpflaster, jedoch geht high hier ganz bestimmt auch higher. 

Worum es im Leben geht

Einschlägig wird immer wieder damit geworben, zur „besten Version deines Selbst“ zu werden. Und Persönlichkeitsentwicklung ist toll, aber heißt es nicht auch so oft, dass wir „gut genug“ sind? Habe ich da was falsch verstanden? Nichts gegen Ziele, mit dem ständigen Drang nach Selbstoptimierung lassen wir jedoch nicht zuletzt durch aufkommende Selbstzweifel unser Vertrauen in uns selbst schrumpfen. Wir setzen uns mehr und mehr unter Druck, dem wir irgendwann nicht mehr standhalten können. Meist endet dies dann in Krankheit oder psychischen Problemen. Dabei geht es doch im Leben darum, den eigenen Weg zu finden, nicht den schnellsten oder kürzesten. Warum sollte ich dafür auf etwas schauen, was ich nicht habe? Stattdessen richte ich meinen Blick auf das, was schon da ist. Fülle statt Mangel sollte die Devise sein, und streben wir nicht alle nach einem erfüllten Leben?

In dem, was ich habe, kann ich sicherlich noch besser werden, übertreiben muss ich es nun wahrlich nicht. Ich frage mich heute auch mehr nach dem Grund des dahinter liegenden Bedürfnisses zur gewünschten Verbesserung. Liegt der Grund im Außen, horche ich innerlich auf. Ein Beispiel: Ich möchte mich gesünder ernähren, weil ich damit meinem Körper etwas Gutes tue. Ich fühle mich energiegeladener, schlafe besser und bin konzentrierter. All das sind Gründe, die für meine Zufriedenheit stehen. Mir geht es also nicht maßgeblich darum, einen schlankeren Körper zu erhalten, um attraktiver auf Job- oder Partnersuche zu gehen. 

Du siehst, manchmal ist es besser, das eigene Leben mit mehr Lockerheit anzugehen und sich so zu sehen, wie man ist. Das macht das Leben leichter! 

Photo by Peter Conlan on Unsplash

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Eigenlob stinkt? Nee…

Vor einigen Monaten habe ich damit begonnen, mir selbst jeden Tag schriftlich ein Kompliment zu geben. Das war anfangs gar nicht so einfach. Es gab immer wieder diese eine Stimme in meinem Kopf, die mit ihren vermeintlich schlauen Sprüchen versuchte, mich vom Aufschreiben abzuhalten. „Das bringt doch nichts.“, „Eigenlob stinkt!“, „Pfui, bist du arrogant!“ Die Stimme war jedoch recht schnell verstummt, weil ich ihr keine Taten folgen ließ. Ich machte also damit weiter, mich regelmäßig selbst zu loben. Inzwischen kommen die Komplimente auch unausgesprochen bzw. unaufgeschrieben in meine Gedanken. Ich finde das großartig, weil diese Komplimente an mich selbst meinem Selbstvertrauen einen ordentlichen Schub nach vorne verpassen. Gerade in Zeiten, wo es gerade mal etwas schwerer und grauer ist. 

Eigenlob nimmt Selbstkritik die Luft

Wenn du dir hin und wieder selbst zuhörst, wirst du vielleicht feststellen, dass selbstkritische Gedanken ziemlich oft deinen Tag begleiten. Wenn dir zum Beispiel beim Ausräumen des Geschirrspülers versehentlich ein Glas zu Boden fällt und zerbricht,  heißt es innerlich schnell „War ja klar, dass dir das passiert, Tolpatsch!“. Oder wenn du gerade vom Einkauf nach Hause kommst und feststellst, dass du eine Zutat für das neue Rezept fürs Abendessen vergessen hast, wird schon mal schnell gerufen: „Mann, bist du blöd! Jetzt musst du nochmal loslaufen!“. Wenn du magst, achte bei Gelegenheit darauf. Vielleicht erschrickst du genauso wie ich. Und mal ehrlich, ich würde so nicht mit meiner besten Freundin oder meinem Partner sprechen! Warum also tue ich mir das selbst an? Oftmals halten wir das, was uns gelingt, für so selbstverständlich und überhaupt keines Lobes wert. Nicht zu sprechen über die Erwartungen an uns selbst, dermaßen hoch, sodass wir uns erst mit Perfektion loben möchten. Nicht zuletzt schauen wir lieber auf das, was wir nicht gut machen. 

Wozu brauche ich andere, wenn ich mich selbst loben kann?

Und weißt du, was ich am tollsten am Selbstlob finde? Ich hechele dadurch weniger der Anerkennung durch andere hinterher. Klar, soziale Anerkennung ist eines unserer Grundbedürfnisse. Und natürlich freue ich mich auch weiterhin, mal ein dickes Lob zu erhalten („Hallo, Chef!“), jedoch mache ich mich nicht länger davon abhängig und stelle bei Ausbleiben meinen Wert in Frage. Heute weiß ich mehr denn je, dass alles in mir anfängt. Mit ein paar mehr Komplimenten an mich durch mich selbst fühle ich mich voller Energie, Tatkraft und  Zuversicht.  

Und wie drücke ich Eigenlob aus?

Im Grunde ist die Sache mit den Komplimenten an sich selbst nicht schwer: Nimm‘ dir einen Moment Zeit für dich, wenn dir etwas gelungen ist und sprich‘ dir im Stillen ein Lob aus. Dir bewusst zu machen, dass du etwas Gutes getan hast, ist dabei vielleicht der schwierigere Teil. Mit ein bisschen Übung ist das schnell erlernbar. Ich habe das auch geschafft (… und mich schon dafür gelobt).

An anderer Stelle habe ich mal davon gehört, jeden Tag zehn Erbsen zum Beispiel in die rechte Hosentasche zu stecken. Wann immer man etwas Gutes getan hat, wandert eine Erbse in die andere, hier die linke Hosentasche. Vielleicht magst du das mal ausprobieren? Ich habe jedenfalls nicht schlecht gestaunt, als ich irgendwann zum ersten Mal schon am frühen Nachmittag keine Erbsen mehr an gewohnter Stelle vorfand. Und nein, die Hosentasche hatte kein Loch… Natürlich gelingt mir nicht jeden Tag zehn Mal etwas Gutes, aber ich freue mich auch über vier Mal Lob an mich selbst. Ein Kompliment schenke ich mir übrigens schon, wenn ich etwas tue, das ich sei ein paar Tagen aufgeschoben habe. Eine Erbse steht da ganz sicher und ganz oft für die frisch gewaschene Wäsche, die in den Schrank sortiert werden muss. Du kannst dir auch kleine, erreichbare Ziele setzen (das neue Jahr mit neuen Vorsätzen ist ja nicht weit…), wie zum Beispiel:

  • Heute mache ich für 10 Minuten einen Spaziergang.
  • Ich lese heute eine Seite in einem Buch. 
  • Ich lege heute mein Handy um 21 Uhr im Flugmodus zur Seite. 
  • Heute spiele ich eine Runde „Mensch, ärgere dich nicht“ mit meinem Kind.
  • Ich mache heute drei 5-Minuten-Pausen über den Tag verteilt und schaue dabei aus dem Fenster. 
  • Heute nutze ich die Treppe statt den Fahrstuhl. 

Zack, schon haben sich sechs Erbsen gut in deinen Hosentaschen verteilt. 

Übrigens, hilfreich ist auch, wenn du dir am Ende des Tages drei Dinge notierst, die dir über den Tag gut gelungen sind. Daraus kann ein schönes Ritual werden, um den Tag positiv zu beenden.

So lobe ich mich selbst

Nun, dein Lob an dich selbst kann beispielsweise so aussehen:

  • „Toll, dass du dich um… gekümmert hast!“
  • „Hey, das… ist dir richtig gut gelungen!“
  • „Das… hast du gut gemacht!“
  • „Schön, wie du heute… unterstützt hast!“
  • „Prima, wie du das… heute durchgehalten hast!“

Ich wiederhole es gerne: Anfangs fühlt sich das Ganze schräg an. Jedoch sind das lediglich Gefühle, die (selbstkritischen) Gedanken folgen. Es wird mit der Zeit einfacher, daher lohnt es sich, dran zu bleiben.

Und wofür lobst du dich heute?

Photo by Marc Najera on Unsplash 

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Zeit heilt alle Wunden?

Ein bestimmter Satz ist zeit meines Lebens immer an meiner Seite, und zwar „Die Zeit heilt alle Wunden.“ Er stammt von dem Philosophen Voltaire, welcher im 18. Jahrhundert als Autor maßgeblich die französische und europäische Aufklärung mitgestaltete. Meine Suche nach Bildern von ihm im Internet offenbart zudem ein überwiegend lächelndes Gesicht. Zeugt dies von über die Zeit verheilten Wunden?

Ich persönlich fand das Zitat, wann immer ich es von Anderen zu einem meiner schwierigeren Momente im Leben hörte, fürchterlich! Klar, meist verlangte es mich in diesen emotional aufgeladenen Momenten eher nach Liebe, Trost und schnelle Heilung, weniger nach gut gemeinten Worten für einen langen Atem. In einigen Situationen begann ich jedoch irgendwann, mir diesen Satz selbst zu sagen. Denn, so weiß ich inzwischen, an ihm ist etwas dran. Jede Krise hatte schließlich einen Anfang und ein Ende. Beides hin und wieder schleichend. Immer zeitlich begrenzt. Und damit nicht genug, so war jede Krise von unterschiedlicher Dauer. Wäre ja auch langweilig, wenn ich nur die Tage im Kalender abstreichen müsste… 

Egal, was passiert, es geht vorbei

Machen wir uns nichts vor, es gibt nun einmal in unserem Leben gute und schlechte Zeiten. Und damit sind die guten Zeiten ebenso zeitlich begrenzt. Beides gehört zu uns. Beides lässt uns innerlich wachsen, wenn wir genauer hinschauen. Ich unterteile nicht einmal mehr nach guten und schlechten Tagen, Momenten oder Situationen. Auch Gedanken gehen vorbei. Ebenso Gefühle. Sich dies bewusst zu machen und den Dingen ihre Zeit zu geben, ist zumindest für mich schon ein kleiner Schritt zu mehr Gelassenheit. Und eine gute Portion Vertrauen ins Leben. Alles wird gut. Noch so ein Satz… Und wie war das jetzt mit den Wunden? 

Die Zeit heilt nicht alle Wunden

Ich habe immer wieder Menschen getroffen, die mich berührt haben. Denen ich mich geöffnet habe. Mit diesen Menschen bin ich eine Beziehung eingegangen. Nicht zwingend in Form einer Partnerschaft. Für mich fangen Beziehungen schon sehr viel früher an, nämlich dann, wenn ich mit einem Menschen in einen verbalen oder nonverbalen Austausch gehe. Es gab Menschen in meinem Leben, die haben mein Herz sehr schnell und sehr tief berührt. Nur traf dies nicht immer auf Gegenseitigkeit, sodass ich mir die eine oder andere emotionale Verletzung zuzog. Je intensiver eine Beziehung war, umso tiefer waren die Verletzungen und hinterließen manchmal klaffenden Wunden. Hat hier die Zeit geholfen, diese Wunden zu heilen? Nein!

Mit jeder neuen Beziehung kamen alte Verletzungen wieder hoch. Ich habe dann verstanden, dass dahinter eine Einladung steht. Die Verletzungen luden mich ein, genauer hinzuschauen. Dankbar zu sein für die Erfahrung, den Menschen, die Situation; hierin also auch das Gute zu sehen. Natürlich gelang mir das nicht auf dem Höhepunkt meiner emotionalen Belastung. Hierfür musste mal mehr, mal weniger Zeit vergehen. Zeit, die ich für mich genutzt und auch mit mir zugewandten Menschen verbracht habe. Und ich mache dir nichts vor, ich habe auch Rotz und Wasser geheult und mich im emotionalen Dreck gesuhlt – um schließlich die Wunden zu betrachten und zu reflektieren. Und auch dies dauerte eine Zeit lang. Zeit, die sich jedoch gelohnt hat, denn jede dieser intensiveren Beziehungen hat mich etwas gelehrt und mich im Leben vorangebracht. Und darum geht es doch am Ende, oder? Ich übe mich also weiterhin im Annehmen, Akzeptieren, Verzeihen und Wunden versorgen, indem ich mir selbst etwas Gutes tue. So lässt es sich schließlich in vollem Bewusstsein leichter loslassen. Meine Entscheidung. Meine Haltung. 

Photo by Kinga Cichewicz on Unsplash

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Alle Macht dem Kritiker?

Kennst du das? Du hattest gerade ein Gespräch, das dich gefordert hat. Du hast dich vorbereitet. Du hast dir Mut zugesprochen und bist mit einem Lächeln ins Gespräch gestartet. Dann ist das Gespräch vorbei, Erleichterung breitet sich aus. Dann hörst du diese leise Stimme im Kopf, die dir einflüstert „Ich hätte besser antworten müssen.“, „Ich hätte besser aufpassen müssen.“ oder „Ich hätte viel mehr sagen sollen.“. Die Stimme wird lauter, weil du ihr zuhörst, bis sie gänzlich von dir Besitz nimmt und dir all das sagt, was dich schlecht und minderwertig fühlen lässt. Und ehe du dich versiehst, sitzt du schon im Gedankenkarussell. Dir fallen ähnliche Situationen ein. Aus längst vergangenen Beziehungen. Aus vergangenen Jobs. Aus Streitigkeiten mit deiner Familie. Unsere Vergangenheit ist voll von negativen Erfahrungen. Selbstkritik und Selbstablehnung wirken selbstzerstörerisch. Und damit bist du nicht allein!  Ich habe im Laufe meines beruflichen wie persönlichen Lebens viele Menschen kennen gelernt, die sich selbst wenig wert gefühlt und wenig geachtet haben. Und auch in meinem Leben gab es Zeiten, die dahingehend gut an mir gekratzt haben. Doch warum gehen wir so mit uns um?

Die Wurzeln liegen in der Kindheit

Ein Blick in die Kindheit verrät uns, warum. Gerade in den ersten Lebensjahren können wir noch nicht für uns selbst sorgen, sodass wir sowohl körperlich als auch emotional von anderen abhängig sind. Wir brauchen also andere, um unser Überleben zu sichern. Zuerst kommen da die Eltern ins Spiel, dann Großeltern, Erzieher:innen, und deren Zuneigung wollen wir uns nicht verscherzen.  Wir hören also immer wieder Belehrungen („Mach das nicht!“), Korrekturen („So macht man das!“) und Ermahnungen („Hör auf damit!“) und… passen uns an. Wir lernen, die Kritik unserer engeren Umgebung, wenn es zu Fehlern und Schwächen kommt, ernst zu nehmen und verurteilen uns selbst dafür, nicht gut genug zu sein. Hier erscheint der Kritiker auf der Tanzfläche unseres Lebens. In seiner Gestalt hast du dich fortan selbst belehrt, korrigiert und ermahnt. Somit bist du deinen engsten Bezugspersonen immer ein Schritt voraus gewesen und warst „lieb“ und „artig“ zu deinen Mitmenschen, um einer potenziellen Bestrafung zu entkommen.

Inzwischen bist du jedoch aus den Kinderschuhen entwachsen und stehst mit beiden Füßen fest im Leben. Und dein Kritiker ist immer noch dabei, um dich fertig zu machen. Und damit ist er nun allein, denn deine Eltern, die dich sicherlich auch gelobt und dir Aufmerksamkeit geschenkt haben, sind nicht mehr direkt an deiner Seite. Und so findet jedes Nörgeln, Meckern und Zweifeln des Kritikers über deine innere Stimme dein Gehör. Schlimmstenfalls attackiert er dich dermaßen, dass du nicht nur dein Selbstvertrauen und deine Selbstbewusstsein verlierst, sondern gar in die Depression rutschst. Aber hast du ihn schon einmal gefragt, ob und wie du ihn wieder loswerden kannst?    

Den inneren Kritiker für sich nutzen

Tatsächlich kannst du lernen, konstruktiv mit deinem Kritiker umzugehen. Der eine oder andere schafft es mit Meditieren (ich nicht), dem imaginären Stop-Schild (ich nicht) oder dem Hinterfragen der fiesen Gedanken (ich gelegentlich).  Hast du jedoch schon einmal probiert, ihn tatsächlich anzuhören? Wie wäre es mit einem Dialog, um ihm zuzuhören und ihn ernst zu nehmen? Ja, das klingt im ersten Moment vielleicht komisch, mir jedoch hat es geholfen. Dabei zu verstehen, dass mir mein innerer Kritiker Beschützer und Unterstützer sein möchte, hilft mir ebenso dabei. Ich schreibe hier auch wieder sehr viel auf, was mir leichter gelingt, als einen Dialog im Kopf durchzuspielen. Nach anfänglichem Schwertun (Hallo, Komfortzone!) klappt es mehr und mehr, dass Susi – jupp, einen Namen gibt es bei mir auch – die Klappe hält.

Übrigens: Inzwischen habe ich ihm noch einen inneren Coach zur Seite gestellt, der mich des Lobens befähigt, wenn mir etwas Gutes gelungen ist – vor allem, wenn vorher gezweifelt wurde. Die beiden sind so was wie mein Inner Dream Team, weil sie sich gegenseitig unterstützen. 

Ich erinnere mich dabei stets daran, dass das Ganze Zeit braucht, sich einzuspielen. Wenn du also erwartest, dass du schon morgen mit deinem Kritiker Arm in Arm läufst, wirst du schnell eines Besseren belehrt. Erlaube dir also, an dich zu glauben – und deinen Kritiker wertzuschätzen.   

Probier’s gern aus! Ich freue mich, von deinen Erfahrungen zu lesen. 

Photo by Michal Vrba on Unsplash

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Vom Abschütteln und Loslassen

Der Herbst hat nahezu alle Blätter von den Bäumen geschüttelt, ist das Alte losgeworden. Und ich frage mich, warum es uns Menschen manchmal so schwer fällt, es den Bäumen gleich zu tun und das Alte (regelmäßig) loszulassen. Die Natur macht es uns doch Jahr für Jahr vor: Im September beginnen sich die Blätter in unseren Bäumen zu färben, als würden sie noch einmal die vergangenen Monate in Farbe tunken, das Alte in den schillerndsten Farben würdigen. Nach und nach fallen sie zu Boden. Sie plumpsen nicht einfach herab, sie taumeln, segeln, schweben… in aller Langsamkeit. Würdevoll. Sie geben dem Baum, ihrem Haus der vergangenen Monate, Raum, sich zu erholen, neue Kraft zu tanken. Sobald zum Ende eines Winters die Sonnenstrahlen langsam wärmer werden, entsteht ebenso ganz langsam etwas Neues. Neue Blätter erblicken das Licht der Welt. Eine neue Zeit für den Baum zu strahlen, in sich zu wachsen, natürliche Freude in die Welt zu tragen.

Wie ist das nun bei uns Menschen? Wir tragen unsere Themen manchmal jahrelang mit uns herum. Bei den positiven Dingen ist das sicher nicht verkehrt. Sie zaubern uns schließlich ein Lächeln ins Gesicht. Aber was ist mit unseren Sorgen, Konflikten, Nöten? Warum kleben diese in unserem Verstand fest und halten unser Herz verschlossen? Und lassen nicht zuletzt unsere Mundwinkel eher nach unten zeigen. Warum tun wir uns so schwer, diese anzugehen, aus dem Weg zu räumen, loszulassen?

Bleibe ich in meinen Sorgen, gebe ich ihnen die Macht, über mich zu herrschen. Und damit verbaue ich mir die Möglichkeit, Positivität in mein Leben zu bringen. Oftmals gehen schlechte Zeiten mit negativen Gedanken einher. Hier vergessen wir oftmals, dass diese Gedanken auch wieder verschwinden können. Der Trick ist, sich dieser Gedanken bewusst zu werden. Und wahrlich ist das tricky, denn wie hier schon einmal kurz beschrieben, umgeben wir uns täglich mit einer Vielzahl von Gedanken. Aber fangen wir doch mit einem Gedanken an, der uns tagsüber begegnet. Halten wir diesen Gedanken fest und schauen ihn uns an. Ist er wahr? Bringt er Erinnerungen ans Licht, die wir längst vergessen hatten? Womit verbinden wir den Gedanken? Welche Gefühle löst er aus? Ist da Wut, Trauer, Hilflosigkeit oder Begeisterung, Freude, Zuversicht, was du spürst? Tut uns der Gedanke gut? Und wenn er uns nicht gut tut, warum halten wir ihn dann fest?

Ich schaue gerne hin, auch wenn es hin und wieder weh tut. Ich übe mich jedoch mehr und mehr darin, Gedanken auch schnell wieder loszulassen, denn wenn das Gedankenkarussell erst einmal in Schwung gekommen ist, fällt es mir noch schwerer, bei laufender Fahrt abzuspringen. Es klappt sicher auch dann, jedoch braucht es mehr Mut. Beim Hinschauen hilft mir Aufschreiben. Das ist auch eine Form von Loslassen. Aus dem Kopf aufs Papier. Gerade bei destruktiven Gedanken hilft es mir, mir bewusst zu machen, dass ich selbst bestimmen kann, was ich denke. So drehe ich Gedanken auch gerne mal um und wechsle dabei die Perspektive.

Gedanken, die sicher auch schon dir begegnet sind, kommen mir hin und wieder mit Blick auf den überquellenden Wäschekorb. „Oh nein, ich muss noch unbedingt die Wäsche machen. Jede Woche das gleiche Spiel! Warum bleibt das immer an mir hängen?!“ Ist es in Umkehrung nicht schön, endlich wieder die wohlig duftende Lieblingsjeans anziehen zu können, auf der bis eben noch die Kleckse der letzten Portion Spaghetti Bolognese klebten? Ist es nicht schön, eine Waschmaschine im Haus zu haben, statt wie vor etlichen Jahrzehnten noch Wäsche im brackigen Wasser des nächsten Flusses zu schrubben? Wie viel (Lebens-) Zeit hätte mich das wohl gekostet? Ist es nicht schön, so viel Kleidung zu besitzen, dass ich mir jeden Tag innerhalb einer begrenzten Zeit – also bis zur nächsten Wäsche – aussuchen kann, was ich anziehe? Und ich öffne mich somit neuen Gedanken über Möglichkeiten, die ich habe, an meiner Situation etwas zu ändern, z. B. Wer kann mir das Wäschemachen abnehmen?

Welchen Gedanken hältst du heute noch fest und schaust ihn dir an? Trau dich, dann auch loszulassen – wie die Bäume ihre alten Blätter.

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Guten Morgen!

Bisher habe ich mich fünf Tage lang morgens zum Opfer meines Weckers und meiner Gedanken gemacht: Mit dem ersten Klingeln lasse ich den Finger ganz automatisch auf die Snooze-Taste meines Weckers fallen. So werde ich innerhalb der nächsten 60 Minuten sechs Mal daran erinnert aufzustehen. Sechs Mal, die mein Verstand nutzt, mir einzureden, wie doof es doch ist aufzustehen. Und zwischen den einzelnen Klingeleinheiten schafft es mein Verstand auch noch, dem Tag doofe Gedanken zu geben, ob nun zur gefürchteten Präsentation vor einer Menge von Leuten, zum anstehenden Gespräch mit dem Chef, eine längst fällige Rechnung, die bezahlt werden muss, zum letzten Konflikt mit der Freundin etc. Noch dazu ist das Fenster offen, und ich höre den Regen tropfen. Nach etwa 60 Minuten schäle ich mich aus der warmen Umarmung meiner Bettdecke. Ein Blick in den Spiegel zeigt herunterhängende Mundwinkel. So kann der Tag beginnen… Und auch der nächste, der übernächste… Puh, ganz schön anstrengend von außen betrachtet.

Ich entscheide mich für eine Veränderung! Ich sage der Snooze-Funktion, vor allem aber meinen Gedanken den Kampf an! Es braucht eine neue Aufstehroutine.

Der Wecker steht nun an anderer Stelle. Ich höre ihn klingeln und stehe direkt auf, mit einer anderen Energie. Diese brennt zwar noch auf Sparflamme, aber die doofen Gedanken hatten eben noch keine Zeit, mir ihr vermeintlich schützendes Gift einzuflößen. Ich fließe durch ein paar Yoga-Übungen und merke, wie sich Kraft und Zuversicht auf den neuen Tag in meine Körperzellen verteilen. Ich mache weiter mit einer Meditation, konzentriert auf mich und einen neuen – guten – Tag. Zum Schluss eine warmer Tee und warme Gedanken, was ich mir heute Gutes tun kann. Was für ein Gefühl! Da ist Lebensenergie, die ich nicht mehr missen möchte. 60 Minuten, die ich ganz wunderbar für mich genutzt habe.

Dann höre ich den Wecker meiner Tochter klingeln, und ich höre fast ihren ersten Gedanken: „Och, noch ein bisschen dösen…“

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Mein Kopf kann sprechen…

Ich bin aufgeregt. Mein erster Beitrag. Wahrscheinlich wird er gar nicht lang… Huch, da ist er schon, ein erster Gedanke. Worte aus Buchstaben. In meinem Kopf. Einer von mehr als 60.000 Gedanken, die uns, wie ich mal las, tagein, tagaus durch den Kopf herumschwirren. Und das auch noch unbewusst! Das heißt, ich habe hier nicht einmal das Steuer in der Hand. Daran möchte ich etwas ändern. Ich glaube schon seit Jahren daran, dass ich mein Glück selbst in der Hand habe, um mein Leben (mit) zu gestalten. Warum also nicht hier in Form des Steuers in meiner Hand? Quasi als Steuerfrau meiner Gedanken in meinem Kopf. Warum nicht meine Gedanken erkennen, sobald sie da sind – und als solche betrachten? Ganz ohne Bewertung – und dann steuern! Eine Mammutaufgabe, zumindest wenn ich mir noch einmal die Zahl 60.000 vor Augen führe. Und was heißt das überhaupt: Gedanken steuern? Manipuliere ich mich damit selbst? Ist das gut? Aber hey, warum an 60.000 denken und nicht bei Nummer 1 anfangen? „Wahrscheinlich wird er gar nicht lang.“ Kann ich das zum Zeitpunkt des Gedankens schon wissen? Sicherlich nicht. Aber was soll ich mit diesem Gedanken? Was macht er mit mir? Schürt er Hoffnung auf schnelle Erleichterung, um mich anderen Dingen zuzuwenden? Oder will er mich abhalten vom Schreiben? Warum? Um mich zu schützen, mich der Lächerlichkeit meiner Idee hinzugeben? Ohne diesen einen Gedanken, was würde ich tun? Einfach schreiben, oder?

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