(Selbst-) Führung, Persönlichkeit

Wie deine Heldengeschichte deine Ressourcen stärkt

Ich liebe Aha-Momente. So wie dieser Moment in der letzten Woche. Ich verbrachte einen wundervollen Abend mit tollen Menschen, genoss das Gefühl der Verbundenheit. Es brachte mich stundenlang innerlich zum Strahlen. Zwischendrin gab es diese eine Situation, als ich mich über etwas Zwischenmenschliches ärgerte. Nichts Dramatisches. Und doch wurde die Geschichte, die ich daraus machte, größer als sie tatsächlich war. Ich stellte fest, dass ich zu einer bestimmten Zeit dieser negativ bewerteten Erfahrung mehr Beachtung schenkte als den positiv bewerteten Erfahrungen davor und danach. Was für eine Erkenntnis! Ein Aha-Moment, der dazu einlud, mal etwas genauer hinzuschauen. Und schließlich loszulassen. Die Aufmerksamkeit wieder den schönen Dingen zuzuwenden. Mich an die schönen Momente dieses Abends zu erinnern. Ein Bewusstsein, das mir gut tut.  

Wie sieht deine Heldenreise aus?

Die meisten Menschen tendieren dazu, sich wieder und wieder an negative Erfahrungen in ihrem Leben zu erinnern, obwohl sie wissen, dass ihnen das nicht gut tut. Ablehnung, Niederlagen, Verlust. Jedoch verrate ich dir sicher nichts Neues, wenn ich dir sage, dass es dich mehr von innen stärkt, sich der guten Momente zu erinnern. Eine Frage der Aufmerksamkeit, des Gewahrwerdens. Warum nicht jetzt damit anfangen? Wie wäre es daher mit deiner persönlichen Heldengeschichte, deiner Biographie der Freude? Denn frage dich einmal: Worauf möchtest du am Ende deines Lebens zurückblicken? Auf Zeiten, in denen es dir nicht gut ging? Oder sind es doch die schönen Momente auf deinem Weg? Momente, die dich zum Lachen, zum Staunen, zum Herzklopfen gebracht haben? Wie geht es dir damit, an diese Augenblicke zurückzudenken? Meine Einladung steht: Greif‘ am besten zu Zettel und Stift und bringe deine Heldenreise zu Papier. Fang am besten mit deiner Kindheit an. Erlaube dir etwas Zeit und schreibe alles auf, was dir einfällt. Das kann verteilt über einige Tage oder Wochen geschehen. Nur kein Druck. Welche guten Momente hast du im Aufwachsen erlebt, in der Schule, im Job, im Laufe deines bisherigen Lebens? Stell‘ dir dabei insbesondere folgende Fragen:

  • In welchen Situationen hast du Freude und Begeisterung erlebt?
  • Welche Menschen haben dich dabei begleitet?
  • Welche Erfahrungen haben dich mit Stolz erfüllt?
  • Wie hast du dir Spaß und Freude erhalten?

Fühlst du, wie es dir damit geht, sich in diesen Erinnerungen zu verlieren? Lass es gerne zu! Und spüre auch mal körperlich rein: Vielleicht ist da ein wohliges Kribbeln im Körper, ein warmes Gefühl im Bauch oder ein Lächeln im Gesicht. Genieß‘ es und freue dich auch darüber. Sollte dir zunächst nicht viel einfallen, macht das gar nichts. Manchmal liegen unsere guten Erinnerungen mehr im Unterbewusstsein. Im Gespräch mit Freund*innen oder der Familie können sie wieder an die Oberfläche gelangen – und gleichzeitig vielleicht sogar deinem Umfeld ein gutes Gefühl verschaffen. Natürlich kannst du auch bei den guten Erinnerungen an deinen gestrigen oder heutigen Tag anfangen. Bist du eher kreativ unterwegs? Dann zeichne einfach, was dir einfällt. Es ist deine Geschichte. Deine Heldengeschichte. 

Mit deiner Heldengeschichte die Zukunft gestalten

Deine Heldengeschichte ist es Wert, erzählt zu werden. In allererster Linie dir selbst. Neben der Freude, die du dabei empfindest, kann sie dich auch zu deiner Identität und einem Verständnis von dir selbst führen. Das hilft dir schließlich in Zeiten der Veränderung im Außen. Mit deiner Heldengeschichte ist es dir auch möglich, deine Zukunft auszurichten. Sich zu erinnern, wie du in früheren Momenten Herausforderungen begegnet bist, ist ein guter Wegweiser auf möglichen holprigen Wegen vor dir. Denn machen wir uns nichts vor, Zeiten des Wandels und Umbruchs begegnen uns immer wieder. Aktuelle Aufgaben und Herausforderungen nimmst du besser an, wenn du dich an deine Stärken und Fähigkeiten der Vergangenheit erinnerst. So entsteht deine persönliche Widerstandskraft, die dich selbstbewusst macht und dich so von innen stärkt. Es ist doch gut zu wissen, dass du es selbst in der Hand hast, dich gut zu fühlen, oder?

Wenn du Unterstützung bei deinem Umgang mit deiner Heldengeschichte und dem Ausrichten auf deine Zukunft benötigst, melde dich gerne bei mir. 

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(Selbst-) Führung, Kommunikation

Die 4 besten Gründe, warum du Hilfe annehmen solltest

Ein Sportunfall zwingt mich aktuell buchstäblich in die Knie. Mich einmal mehr um mich zu kümmern, steht also ganz oben auf der Tagesordnung. Noch bevor ich überhaupt beim Arzt war, spielte ich bereits fix einige Szenarien getreu dem Motto „Was wäre, wenn…“ durch: Welche Termine stehen an? Was muss dringend bearbeitet werden? Wie organisiere ich mich neu? Was ich vermeiden möchte, ist unnötiger Stress. Ich bin es gewohnt, Verantwortung für mein eigenes Leben zu übernehmen. Grundsätzlich gelingt mir das gut. Ich kenne mein Umfeld und weiß, wen ich ansprechen kann, wenn ich etwas brauche. Ich bin gut im Organisieren. Über jedes Hilfsangebot von außen habe ich mich gefreut – und dankend abgelehnt. Dennoch habe ich mich gefragt, ob es sich dabei um eine Art „Selbstverordnung“ handelt. Mit jedem Angebot aus meinem Umfeld habe ich erneut abgewogen und nein, Hilfe benötige ich aktuell nicht. Ich bin bewegungsfähig. Nur etwas langsamer als gewohnt. Doch gibt es immer wieder mal Zeiten, in denen sich zeigt, dass Hilfe zu erhalten, ein schönes Gefühl auslöst. So werde ich wohl nie die Unterstützung von Familie, Freunden und Bekannten vor zig Jahren vergessen, die sich freiwillig über mehrere Etagen im Haus verteilten, um mir bei dem herausforderndsten Umzug meines Lebens zu helfen. Noch heute sehe ich die Bilder vor meinem inneren Auge und fühle die Gefühle, die mich damals durchfluteten. 

Hilfe anzunehmen, ist eine Übung in Dankbarkeit

Doch warum fällt es uns manchmal so schwer, andere um Hilfe zu bitten bzw. Hilfe anzunehmen? Von früh auf erziehen wir unsere Kinder zur Selbstständigkeit. Die einen mehr, die anderen weniger. Mal früher, mal später. SELBSTständig zu sein, ist das Ziel. Auf niemanden angewiesen sein. Wir wollen unsere Mitmenschen nicht belasten, wissen wir doch meist um deren eigene Herausforderungen. Nicht selten geht damit der Gedanke einher, Unterstützung auch zurückgeben zu müssen. Das Leben ist schließlich ein Geben und Nehmen, so haben wir es gelernt. Dabei fällt uns Geben leicht. Ich kenne keinen Menschen in meinem Umfeld, der nicht gerne gibt. Der nicht gerne hilft. Hilfsbereitschaft ist immer da. Sie schafft Nähe zu denen, die Hilfe benötigen. Manchmal reicht es schon, seinen Mitmenschen etwas der eigenen Zeit, ein offenes Ohr zu schenken. Als Helfende macht es uns glücklich. Aus der Perspektive betrachtet, fällt es vielleicht auch dir etwas leichter, andere um Unterstützung zu bitten. Zudem ist mir wichtig zu erwähnen, dass um Hilfe zu bitten nicht mit einer Gegenleistung verbunden ist. Wir sind niemandem etwas schuldig. Wie oft sind wir bereits im Vorfeld quasi in Vorleistung gegangen, ohne dass wir uns dessen bewusst waren? Wie oft vergessen wir das oder spielen das Ganze runter. 

Es ist eine Stärke, um Unterstützung zu bitten

Lass mich also auf das Nehmen zurückkommen. Um Hilfe zu bitten, Hilfe anzunehmen, ist wahrlich eine Stärke. Sie stellt eine Form von Stärke dar, die sich in Selbstreflexion und Entscheidungsfreiheit ausdrückt. Jedes Mal aufs Neue. Und selbst wenn auf die Frage nach Unterstützung ein Nein folgt, dann tut das sicher im ersten Moment weh. Doch deshalb von vornherein die Entscheidung zu treffen, gar nicht erst zu fragen, tut auf lange Sicht auch nicht gut. Wer weiß, vielleicht hat der oder die Gefragte ja einen Mitmenschen, der viel schneller und besser helfen kann. Vielleicht steht dir dein Gegenüber aus zeitlichen Gründen nicht zur Seite. Das bedeutet jedoch nicht, dass eben dieses Gegenüber beim nächsten Mal wieder Nein sagt. Du siehst, hierin steckt eine Chance. Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, gilt immer für beide Seiten. Das ist eine Frage der Entscheidung, und diese sollten wir unserem Gegenüber nicht abnehmen. Das hast du konkret davon, wenn du andere um Hilfe bittest bzw. angebotene Hilfe annimmst:

  1. Du stärkst die Verbindung und schaffst Nähe zu deinem Umfeld
    Wenn du andere um Hilfe bittest, machst du deutlich, dass dir deine Mitmenschen wichtig sind. Damit stellst du eine enge Verbindung her und stärkst das Band zwischen euch.
  2. Du holst dir Leichtigkeit in dein Leben
    Zusammen mit deinen Mitmenschen Herausforderungen zu bewältigen, gibt dir Kraft und Stärke, was die Situation, in der du dich befindest, leichter macht. Vielleicht zieht sie damit sogar schneller vorüber, als wenn du sie allein bewältigst. 
  3. Du legst die Weichen für künftige Unterstützung
    Wenn du immer alles alleine machst und daraus folgend angebotene Hilfe immer wieder ablehnst, wirst du künftig weniger Unterstützungsangebote erhalten. Umgekehrt erhältst du immer wieder Hilfe, wenn du sie annimmst und deinem Gegenüber Beachtung und Dankbarkeit schenkst. 
  4. Du schaffst Augenhöhe in deinen Beziehungen.
    Sicher hast du auch schon einmal jemandem geholfen und dich danach richtig gut gefühlt. Jederzeit für andere zur Stelle zu sein, ohne selbst vom anderen Hilfe anzunehmen, wenn du sie brauchst, schreibt dem anderen Hilflosigkeit zu. Das ist nichts, was deinen Beziehungen gut tut. Balance – Geben und Nehmen – stellt wiederum Augenhöhe her. 

Gesteh‘ dir ein, Hilfe zu benötigen

Eines sollten wir nicht außer Acht lassen: Es gehört auch zu unseren Stärken zu akzeptieren, dass wir Hilfe benötigen. Brené Brown hat einmal gesagt: „Du kannst dich nicht selbst dafür verurteilen, Hilfe zu brauchen.“ Daher möchte ich dich ermutigen, immer wieder auf deine Herausforderungen im Leben zu schauen und dich darin zu üben, um Hilfe zu bitten. Jeden Tag ein bisschen. Dir selbst weiszumachen, dass du niemals Hilfe benötigst, ist nichts anderes als Selbstbetrug. Schluss mit der Verleugnung deiner Bedürfnisse. Ich für meinen Teil bin froh, dass ich heute ein Angebot bekam, zum Arzt gefahren zu werden statt wie geplant den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen – in Dankbarkeit und Würde habe ich schlicht Ja gesagt. 

Brauchst du Hilfe?

Geht es dir häufig so, dass du keine Hilfe annehmen kannst? Schämst du dich, andere um Hilfe zu bitten? Kennst du diese oder andere Herausforderungen in deinem Leben? Dann lass uns gerne sprechen. Nutze hierfür einfach das Kontaktformular. 

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(Selbst-) Führung, Kommunikation

In 4 Schritten gewaltfrei kommunizieren

Es ist inzwischen eine ganze Weile her, als ich das erste Mal von Gewaltfreier Kommunikation gehört habe. Ich erinnere mich, dass ich zunächst irritiert über das Wording war. Gewalt ist ein großes Wort. Aggressiv. Dunkel. Frei von Zuneigung. Als ich im Laufe der Zeit damit vertraut wurde, welche Auswirkungen Sprache haben kann, wenn sie unbewusst wie bewusst manipulativ eingesetzt wird, bekam der Begriff der Gewaltfreien Kommunikation eine tiefere Bedeutung. Gewalt wirkt tatsächlich nicht allein körperlich, sondern auch über Sprache. Es sind die vermeintlich kleinen Spitzen, Sticheleien, Pöbeleien. Passiv-aggressive Kommentare, die heute vor allem in den sozialen Medien zu finden sind. Forderungen, Vorwürfe, Beleidigungen. Eine Sprache, mit der wir unsere Mitmenschen verletzen können, was auf Dauer unseren Beziehungen schadet. Und auch schon mal zu einem Kontaktabbruch führen kann.

Doch es geht auch anders. Achtsam und eben gewaltfrei. Die Gewaltfreie Kommunikation (GfK) ist eine Kommunikationsmethode, die zurückgeht auf Marshall B. Rosenberg. Sie ist auf Bedürfnisse und Gefühle ausgerichtet, denn genau diese stecken hinter Verhaltensweisen und Konflikten im menschlichen Miteinander. So schaffen wir es, wertschätzende Beziehungen zu anderen aufzubauen und zu pflegen, sei es beruflich oder privat. Auch Konflikten können wir damit anders gegenübertreten. Gewaltfreie Kommunikation unterstützt uns hier dabei, Konflikte nachhaltiger zu klären. Dabei hilft sie uns, unsere eigenen Gefühle und Verhaltensweisen wie auch die unseres Gegenübers besser zu verstehen. Wir erkennen somit viel besser die Grundbedürfnisse, die hinter unserem Handeln stecken.

Von Giraffen und Wölfen: Gewaltfreie Kommunikation unter Kindern

Es war das dritte Schuljahr, als meine Tochter plötzlich Giraffen mit zum Abendessen brachte. In unseren Schulen werden die Kinder mit der Giraffen- und der Wolfssprache vertraut gemacht. Dies erfuhr ich also eines Tages am Abendbrottisch. Giraffensprache lässt sich auf Gewaltfreie Kommunikation zurückführen; hier wird der Blick zunächst auf Fakten gelenkt. Anschließend werden Bedürfnisse wie auch Gefühle ausgesprochen. Die Wolfssprache dagegen wird als Alltagssprache bezeichnet. Eine Sprache, in der wir unbewusst im Austausch mit unserem Gegenüber sind und bei der es passieren kann, dass wir andere schnell verurteilen, manchmal auch vorverurteilen. Je älter unsere Kinder werden, wird vom Verwenden von Ich- statt Du-Botschaften gesprochen. Doch damit allein ist es nicht getan: Es macht kaum einen Unterschied, ob ich nun „Du hörst mir nicht zu!“ oder „Ich fühle mich fürchterlich, weil du mir nie zuhörst!“ verbal in den Raum werfe. Wenn wir jedoch erkennen, was unsere Bedürfnisse sind, schaffen wir im Vermitteln dieser eine Ebene in unseren Gesprächen, die zu Verständnis und Mitgefühl uns selbst und dem anderen gegenüber verhilft. Eine Möglichkeit mehr, den anderen so zu nehmen, wie er ist. Das schafft Raum dafür, Lösungen zu finden.

So funktioniert Gewaltfreie Kommunikation

Es sind vier Schritte, die dich auf deinem Weg zu einer Gewaltfreien Kommunikation voranbringen:

  1. Beobachtung
    Dein Fokus liegt zunächst rein auf der Beobachtung der Handlung (Was ist konkret passiert?), wobei auf jegliche Bewertungen und Interpretationen verzichtet wird.
  2. Gefühle
    Anschließend hinterfragst du, welche Gefühle mit der Handlung ausgelöst wurden.
  3. Bedürfnisse
    Hinter Bedürfnissen stecken Wünsche oder auch allgemeine Werte, die wir gerne erfüllt hätten. Sie können sich von Mensch zu Mensch unterscheiden bzw. unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Hier geht es also darum zu erkennen, welche deiner Bedürfnisse in der Situation erfüllt oder nicht erfüllt wurden.
  4. Bitte: Den Schluss bildet das Formulieren einer Bitte nach einer bestimmten Handlung an dein Gegenüber, um dein bisher unerfülltes Bedürfnis zu erfüllen.

Rosenberg bringt es in seiner Zusammenfassung wie folgt auf den Punkt:

Wenn ich sehe, dass du A tust, fühle ich B, weil ich das Bedürfnis nach C habe. Deshalb bitte ich dich, D zu tun. Wie wäre dies für dich?

Wenn Paul beispielsweise im Joballtag in nahezu allen Gesprächen immer wieder durch Eva unterbrochen wird, sodass er selten in der Lage ist, seinen Standpunkt zu vertreten, kann er dies im Gespräch wie folgt abbilden: „Wenn du mich in unseren Gesprächen unterbrichst, bevor ich meine Meinung zu Ende dargelegt habe, ärgert mich das und ich spüre Frust, denn ich möchte, dass mein Standpunkt vollständig gehört und bei nachfolgenden Entscheidungen berücksichtigt wird. Sagst du mir bitte, was du von mir brauchst, damit wir künftig beide hinreichend zu Wort kommen?“

Zugegeben, das klingt nach einem kurzen Austausch. Gewaltfreie Kommunikation ist eine Einladung zu einem Dialog. Quasi ein Senden und Empfangen. Und das darf auch länger dauern. Gerade, wenn man sich die Methode zu eigen macht, kann es jedoch anfänglich zu einem Ringen um Worte und Formulierungen führen. Auch Beobachtungen von Interpretationen zu trennen, will geübt sein. Als Coach unterstütze ich dabei, indem ich gezielt nachfrage sowie eine Auswahl an verschiedenen Gefühlen und Bedürfnissen anbiete. Wie gut, dass Marshall B. Rosenberg zudem Bedürfnisse benennt: körperliches Wohlbefinden, Sicherheit, Empathie, Zugehörigkeit/Geborgenheit, Spiel/Erholung, Autonomie/Willensfreiheit, Sinnhaftigkeit, Kreativität, Liebe. 

Mit Gewaltfreier Kommunikation Verbindung und Mitgefühl schaffen

Wir wünschen uns alle im menschlichen Miteinander Verbindung und Mitgefühl. Dafür trägt jede*r die Bereitschaft zu Kompromissen in sich, sich auf die Bedürfnisse anderer einzustellen und diese zu erfüllen. Du-Botschaften allein bringen uns nicht weiter. Wenn wir uns jedoch kommunikativ öffnen und uns gegenseitig unsere Bedürfnisse und Wünsche mitteilen, bietet sich uns eine Chance, unsere Beziehungen respektvoll auf Augenhöhe zu führen. In Frieden. Ich spreche daher auch gerne von Friedvoller Kommunikation, zeigt das doch auch, was ich mit meiner Kommunikation erreichen möchte. Ein gutes Beispiel für die Hin-zu-Motivation.

Durch Gewaltfreie Kommunikation gelingt es dir, Verantwortung für deine Bedürfnisse zu übernehmen und zu reflektieren, was du brauchst, damit es dir gut geht. Die Bedürfnisse deines Gegenübers bleiben genau dort, beim Gegenüber. Rosenberg ist der festen Überzeugung, dass aggressives Verhalten wie Vorwürfe, Beleidigungen etc. stets Aufschluss über ein unerfülltes Bedürfnis gibt. Gut, sich immer wieder vor Augen zu halten, dass aggressives Verhalten von anderen nichts mit dir zu tun hat. Mit den zuvor genannten vier Schritten kommst du deinen Bedürfnissen auf die Schliche. Und du kannst beim Zuhören gleichzeitig deine Mitmenschen unterstützen, indem du ihnen durch Nachfragen dabei hilfst, ihre Gefühle und Bedürfnisse zu erkennen und zu benennen. Ich wünsche mir, dass wir alle lernen, mehr und mehr auf unsere Bedürfnisse zu hören, Verantwortung für uns selbst übernehmen sowie uns in Zuneigung und Mitgefühl begegnen.

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(Selbst-) Führung, Persönlichkeit

Wenn dein Innen dein Außen bestimmt

Vergangene Woche startete gut für mich. Der Sonntag zuvor spielte dabei sicherlich eine nicht unwesentliche Rolle, als ich mich und mein Dasein während meines Geburtstages feierte. Umgeben von Menschen, die mir gut tun. Mit Gesprächen, ob persönlich oder telefonisch, die bereichernd waren. So begann der Montag entspannt und voller Vertrauen in einen guten Tag. Als ich vormittags das Haus verließ, begegneten mir gleich vier mir gänzlich unbekannte Menschen – Frauen wie Männer -, die mich anstrahlten und mich gleich mitstrahlen ließen. Beim ersten Mal meldete sich noch der innere Kritiker, um mir eine Geschichte zu erzählen, die mit der Realität nichts zu tun hatte. Aber mit zweitem Blick und zweitem Lachen im Gesicht des anderen ließ ich mich ganz darauf ein. Schaltete den Kopf aus. Was für ein tolles Gefühl! Ich spürte Wärme, Leichtigkeit und Freude in mir und hatte das Gefühl, die ganze Welt umarmen zu wollen. Dieses Gefühl begleitete mich den ganzen Tag, schaffte noch mehr positive Momente und ließ mich sogar ein Gespräch, das ich im Vorhinein in die Schublade „Herausforderung“ steckte, eher zuversichtlich führen. Was für ein Wochenstart! Ein paar Tage später erfuhr ich genau das Gleiche mit dem gegenteiligen Gefühl. Ich ärgerte mich über etwas, eine Kleinigkeit, und durchlebte binnen fünf Minuten mit zwei verschiedenen, mir ebenfalls unbekannten Menschen und Situationen noch mehr Ärger. Menschen begegneten mir genervt und ablehnend. Weil ich genervt und ablehnend war. Statt Freude und Leichtigkeit nur Frust und schlechte Laune. Das zog sich weiter in den Vormittag, erlebte ich in zwei weiteren Situationen. Zum Glück bemerkte ich es irgendwann und spielte ein wenig mehr mit meiner Einstellung zu mir, zum Moment und zum Tag. Damit wendete sich das Blatt und der Tag verlief noch sehr gut. 

Wie im Innen, so im Außen

Die äußere Welt ist immer ein Spiegel deiner inneren Welt. Alles, was du im Außen, deinem Leben hast, ist also nichts anderes als ein Spiegel von dem, wie es in dir aussieht. Oder auch anders herum: Das, was du bist, zeigt sich im Außen. Genau das habe ich vergangene Woche erlebt. War ich am Montag gänzlich in Harmonie mit mir selbst, so war ich auch in Harmonie mit dem Leben, das sich draußen abgespielt hat. Und genau das habe ich in meinem Umfeld angezogen. Klar, ich war ja auch in einer ganz anderen Energie unterwegs. Mit der Veränderung in mir ein wenig später in derselben Woche, hat sich alles um mich herum auch verändert. Mir dessen anhand dieser beiden Tage mit ihren Erfahrungen bewusst zu werden, hat mir wieder einmal gezeigt, dass alles bei mir anfängt. Es funktioniert einfach nicht, im Außen etwas zu verändern.

Daher lade ich dich ein, dein Leben im Hier und Jetzt mal ordentlich durchzulüften: Was siehst du?

  • Nimmst du Unsicherheit und Angst wahr?
  • Hast du das Gefühl, dass dir etwas fehlt?
  • Bist du umgeben von Energieräubern? 

Wenn du aktuell oder auch bereits über längere Zeit mit Menschen zusammen bist, die eher schwierig sind, liegt das darin begründet, weil in deinem Innern noch Schwierigkeiten in Form von unbearbeiteten Erfahrungen feststecken. Gut, sich darum zu kümmern und sich im Loslassen zu üben. So lange du innerlich noch Überzeugungen, Glaubenssätze und alte Konditionierungen mit dir herumträgst, ist die Luft in dir nicht klar und frisch. Und ebendies zeigt sich dann im Außen: Du begegnest immer wieder Situationen und Menschen, die du als Enttäuschung empfindest. Wenn dagegen in dir Klarheit und Frische bestehen, dann kommt Freude und Leichtigkeit in dein Leben, und zwar durch Menschen, die dich mögen und Situationen, die dich nach vorne bringen. Und wer will schon ohne Freude und Glück durchs Leben gehen?

Fünf Tipps zum inneren Durchlüften für mehr Harmonie in dir

Hast du Lust, Harmonie und Ausgeglichenheit in dein Leben zu holen? Mit meinen fünf besten Tipps zum Durchlüften für einen harmonischen Blick auf die Welt um dich herum gelingt es dir ganz bestimmt:

  1. Kümmere dich darum, dass du stets mit klarem Blick auf deine Welt hinaus schaust.
    Lass dich nicht von inneren Stimmen aus alten Überzeugungen auf deinem Weg irritieren und ablenken. 
  2. Halte regelmäßig inne und durchlüfte deine innere Welt.
    Deine Wohnung lüftest du sicher auch mehrmals am Tag. Sorge daher genauso für dich. Nur so geht es dir gut und du kannst sehen, was im Außen passiert.
  3. Bleibe im Moment, wenn du durchlüftest. 
    Nur das, was im Hier und Jetzt geschieht, ist die Realität. Die einzige Wahrheit, die es anzuschauen gilt. 
  4. Löse dich von der Vergangenheit und deiner Vorstellung von dem, was vor dir liegt.
    Kommen beim Durchlüften Gedanken an längst Vergangenes oder der Zukunft, lass los. Sie lassen den Wind manchmal kälter wehen.
  5. Hin und wieder wird die Luft dicker.
    Räum auf, was in dir der Luft im Weg steht. Warte nicht so lange, bis dir die dicke Luft den Atem nimmt. Sorge für schnelle Klärung. Sofort, dann fällt es dir leichter. 

Innen wie außen: Veränderung beginnt in dir

Du hast die Wahl und kannst lernen, dein Innenleben anzuschauen und durchzulüften. Hier und jetzt kannst du Verantwortung übernehmen, indem du selbst dafür sorgst, dass deine innere Welt gut durchgelüftet ist. Nimm wahr, was dabei im Außen passiert. Mich bringt es ins Staunen. Immer wieder. Denn es zeigt mir, was alles (noch) möglich ist. Wenn wir bei uns sind. 

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(Selbst-) Führung, Persönlichkeit

Die Sache mit dem Ego oder was unserem Glück im Weg steht

Die vergangene Woche widme ich meinem Ego. Es hat ganze Arbeit geleistet. Ich könnte ein ganzes Buch schreiben zu den Geschichten, die es mir erzählt hat. Denn genau das tut unser Ego, der beste Geschichtenerzähler der Welt. Zum Glück kann ich immer öfter darüber lachen, aber glaub‘ mir, die Geschichten waren und sind nicht immer lustig. Im Gegenteil. Lass mich dir davon erzählen: Wie du vielleicht bemerkt hast, habe ich ein wenig an meiner Website gearbeitet, kleinere (Titel) wie größere (About me) Änderungen vorgenommen. Weitere Änderungen folgen. Warum? Weil ich das Thema Selbstführung noch mehr in die Welt tragen möchte. Ich sehe so viel Potenzial darin, ein leichteres und zufriedeneres Leben zu führen, wenn ich weiß, wer ich bin, wie ich ticke und wie ich mein Leben eigenverantwortlich privat wie beruflich so gestalten kann, dass ich Fülle und Freude erfahre. Ich wünsche mir, dass auch du davon profitierst. So ist ursprünglich dieser Blog entstanden. Und ich möchte noch viel mehr erreichen, buchstäblich. Denn ich möchte vor allem diejenigen erreichen, die Menschen führen. Die ein Team leiten, ob noch in ihrer Vorstellung von persönlicher Weiterentwicklung oder in der Realität. Ich bin überzeugt davon, dass ich andere Menschen nur dann in deren Potenzialentfaltung für den gemeinsamen Erfolg führen kann, wenn ich mich selbst zu führen weiß. Innere Stärke ist hierbei unerlässlich. Auf der Reise nach innen sehe ich meine Unterstützung – und genau da kommt mir immer mal wieder mein Ego in den Weg, das mich in meinen Entscheidungen extrem beeinflusst. Weil es mir fortlaufend Geschichten erzählt, die ich für die Wahrheit halte. Geschichten wie „Das will doch keiner hören!“ oder „Dafür ist gerade nicht die richtige Zeit.“ Bestätigungen für diese Gedanken gibt es nicht. Diese Gedanken halten mich jedoch auf. Grund genug, sie zu hinterfragen – und letztlich andere Entscheidungen zu treffen. 

Das Ego? Was ist das?

Die meisten Menschen wissen nicht, was das Ego ist und was es tut. Unser Ego ist unser Ich, unsere Persönlichkeit, unser Selbstbild. Unser Ego bestimmt demnach, wie wir uns fühlen, verhalten und welchen Wert wir uns „attestieren“. Es hat so viel mit uns zu tun und gleichzeitig auch wieder überhaupt nichts. Es steckt in uns, es ist da und regiert als Teil unseres Verstandes unseren Kopf, indem es Gedanken generiert, die eine Geschichte ergeben und somit unser Leben maßgeblich beeinflussen. In der Kindheit entstanden und geprägt von Glaubenssätzen, Erfahrungen und Botschaften, die uns andere vermittelt haben, sitzt es tief im Unterbewusstsein. So lange wir leben, erzählen wir uns also Geschichten. Geschichten darüber, wer wir sind. Doch diese Geschichten basieren auf der Vergangenheit und sind eben nicht mehr als Gedanken. Wenn du dich allerdings mit den Gedanken, mit den Geschichten deines Egos identifizierst, glaubst du das, was dein Ego dir vermittelt. Aus der Perspektive deines Egos. Aber ist dieses Bild von dir auch wirklich wahr? Bist du, was dein Ego über dich verrät? Fakt ist doch, es sind nur Gedanken. Und Gedanken hast du, du bist sie nicht. Deine wahre Identität findest du nicht über dein Ego, deinen Verstand. Du findest sie, indem du nach innen gehst. Raus aus dem Verstand, rein in dein Herz. Raus aus dem Denken, rein ins Fühlen. Hier steht dir natürlich dein Ego im Weg, denn es will nicht, dass du neue Wege gehst. Das wäre gleichzusetzen mit Machtverlust, denn du würdest dich neu entdecken und feststellen, dass dein bisheriges Ich eine Witzfigur ist. Dein Ego möchte, dass du denkst, nicht fühlst. Es liebt sich wiederholende Gedanken, Sorgen, Grübeleien. Wenn wir uns unseres Gedankenkarussells bewusst werden, haben wir die Wahl: Glauben wir unseren Gedanken oder kreieren wir bewusst neue Gedanken und schaffen damit eine neue Wirklichkeit? Halten wir an alten, tief sitzenden Glaubenssätzen über uns fest oder schaffen wir neue? Verstand wie Ego haben keine Ahnung, was uns wirklich glücklich macht. Das liegt daran, dass Glück nicht aus dem Kopf kommt, sondern aus dem Herzen. Und genau das wollen wir doch alle im Leben: Glück, oder? Ich lade dich also ein, dir deiner Gedanken gewahr zu werden. Dir bewusst zu werden, wenn du dich in Grübeleien verfängst, in Interpretationen, in ziellosen Gedanken, die in ihrer Gesamtheit auf alte Erfahrungen zurückzuführen sind. Schreibe auf, was dir auffällt und finde so deine Muster. Lerne, deinem Ego auf die Finger zu schauen und glaube nicht alles, was du denkst. Gerade dann, wenn wir Kritik erfahren, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Hier springt unser Ego aus evolutionär bedingten Verteidigungsgründen besonders gerne an. Wir nehmen alles dann schnell persönlich und wecken das Kind in uns, das Reaktionen nach sich zieht, die wenig die einer erwachsenen Person entsprechen. Wir denken in solchen Momenten, eine Situation geschieht unseretwegen und eben speziell uns. Und genau das hält uns in unserem Handeln auf, insbesondere, wenn auf Kritik kleine wie große Auseinandersetzungen folgen. Entscheide dich also, glaubst du deinen Gedanken oder wählst du einen anderen Weg?

Sei wachsam, und dein Ego verliert an Macht

Unser Ego wird bei Bedrohungen von außen aktiv. Es ist unglaublich wachsam. Es passt auf uns auf, damit uns nichts passiert. Doch auch wir dürfen wachsam sein und unsere Gedanken hinterfragen. So entsteht Raum für Wachstum und neues Denken. Und neues Denken schafft neue Realitäten. Also einmal mehr raus aus dem Autopiloten, her mit der Taschenlampe und aufs Bewusstsein geleuchtet. Die von mir sehr geschätzte Nicole LePera empfiehlt in ihrem Buch „Heile.Dich.Selbst.“ eine Affirmation, die ich gerne mit dir teilen möchte: „Ich bin sicher, und ich suche mir einen neuen Weg, mich selbst zu erleben, getrennt von meinem Ego.“. Vielleicht hast du Lust, sie in deinen Alltag zu integrieren. Dein Ego wird sicher nicht begeistert sein. Hier hilft es dran zu bleiben und sich nicht beirren zu lassen von weiteren ungeprüften Geschichten in deinem Kopf. In diesem Sinne: Sei und bleib‘ wachsam.

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(Selbst-) Führung, Persönlichkeit

Wenn die Reise nach innen ungemütlich wird

Heute wird es etwas persönlicher. Ich habe Urlaub. Sonne, türkisblaues Wasser, neue Menschen um mich herum unterstützen beim Denken und Fühlen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich mich auf eine Reise nach innen begeben. Ich habe mich sortiert, angenommen, was da ist, Verbrauchtes gründlich ausgemistet und neue Ziele gesteckt. Nach etwa sechs Monaten fing ich an, innerlich zu strahlen: Ich freute mich auf den vor mir liegenden Weg, auch wenn er mir ein bisschen Angst machte. Beruflich begann ich, neue Wege zu gehen. Privat lernte ich so einige Menschen kennen, die mir ans Herz gewachsen sind. Neue Freundschaften, neue Perspektiven. Jeder Tag enthielt kleine Wunder. Das ist noch heute so. Solange ich den Fokus halte. Hinschaue. In Dankbarkeit und Demut. Und einmal mehr bemerke ich, dass meine im vergangenen Jahr begonnene Reise noch lange nicht vorbei ist. Zwar habe ich in einigen Bereichen meines Lebens neue Entscheidungen getroffen und alte, eher hinderliche Überzeugungen über mich angeschaut und losgelassen. Dann kam das Leben dazwischen und machte einen neuen Weg in einem ganz anderen Bereich meines Lebens auf. Unerwartet. Überraschend. Schön. Zunächst schön. Ich, die ich mich in Achtsamkeit und Gelassenheit übe, legte genau diese ab, als es ruckelig wurde. Irgendetwas löste diesen einen Knopf der Fernbedienung aus und zack, schon lief ich in alten Mustern anderen gegenüber. Wann immer ich versuchte, aus diesen bewusst auszubrechen, wurde es ungemütlich. Erst in meinem Inneren, dann im Außen. Hätte ich meine Wahrnehmung geschärft, hätte ich sicherlich gemerkt: Die äußere Welt ist ein Spiegel meiner inneren Welt. Vielleicht hätte ich anders gehandelt. Hätte, hätte… So handelte ich vielleicht unbeholfen und hölzern. Der Versuch war es mir wert. Ich habe dazugelernt.

Die Vergangenheit reist mit

Wieder einmal erfuhr ich, wie stark längst vergangene Erfahrungen, Lernen, Erziehung und Erlebnisse sich immer noch auf mein Verhalten und meine Gedanken auswirken. Hier im Bewusstsein zu bleiben, fiel mir verdammt schwer. Ich lerne eben noch. Und hin und wieder darf ich mich auch selbst daran erinnern, dass ich auch nur ein Mensch bin. Ein Mensch auf der Reise, die vermutlich lebenslang dauert. Blöd nur, wenn andere das anstrengend finden, sich in eigenen Mustern verheddern und neue Wege schließlich abrupt enden. Unerwartet. Überraschend. Unschön. Gut, dass ich mich inzwischen auch darin geübt habe, nicht die Verantwortung für Entscheidungen anderer komplett zu übernehmen. Auch wenn ich mich zuletzt daran erinnern musste. Und dann kam schon wieder das Leben dazwischen und ließ die Vergangenheit an die Tür klopfen. Nicht minder unerwartet. Überraschend. Ob schön oder unschön ist noch offen. Das liegt dann sicher auch an mir. Neue Entscheidungen wollen getroffen werden. Mit Bedacht. Deshalb habe ich den Druck rausgenommen. Ganz achtsam. Auf dem Weg in die Gelassenheit. Alles wird schon irgendwie gut. Und bis dahin kann ich mich beruhigt um mich selbst und meine Liebsten kümmern. Das Gesicht in die Sonne halten, im türkisblauen Wasser baden, bei und mit mir sein – auch im Zusammensein mit anderen. 

Von meiner Reise zu deiner Reise

In stürmischen Zeiten hilft es zu sortieren: Was kannst du beeinflussen? Was kannst du nicht beeinflussen? Wir können nicht immer alles in unserer Hand haben, andere Menschen können wir auch nicht ändern. Aber du kannst jeden Tag aufs Neue innehalten und hinterfragen, wie du dich in der Welt bewegst. Geschieht uns etwas, was wir nicht vorhergesehen haben, können wir daran wachsen. Mit Offenheit, Neugier und einer Prise Mut halten wir den Blick nach vorne gerichtet. So nehmen wir die Welt um uns herum auch nicht nur schwarz-weiß wahr, sondern durchaus auch ihre Graustufen. Negative Erfahrungen und Erlebnisse bekommen somit einen positiven Anstrich, vielleicht anfangs noch hauchzart. Manchmal wird dieser erst Jahre später deutlich erkennbar. Und dazwischen hilft es, das eigene Handeln danach auszurichten, was uns positive Energie, gute Gedanken und Gefühle gibt. Das ist Arbeit mit uns selbst, die unser Leben aktiver und gestaltbarer macht. Denn so viel ist sicher, jeder von uns hat es selbst in der Hand, etwas aus der eigenen Zeit auf dieser Erde zu machen. 

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(Selbst-) Führung, Allgemein

Das Geheimnis unserer Grundmotive

Hast du dich mal gefragt, was dein Verhalten steuert? Es gibt viele verschiedene Theorien. Die Motivationstheorie von Heckhausen (2018) beschreibt drei menschliche Grundmotive: Macht, Leistung und Anschluss. Alle drei Motive beeinflussen also menschliches Verhalten. Sie sorgen dafür, dass wir in Bewegung kommen. In der Psychologie streiten sich die Geister über bis zu 16 Grundmotive. Die Positive Psychologie geht von acht Grundmotiven aus: Sicherheit (Schutz), Existenzsicherung (Überleben), Passen (Ich passe in meine Gruppe), Rudelführung (Ich übernehme Verantwortung für meine Gruppe), Erwünscht-Sein (Meine Gruppe möchte sich bei sich haben), Sex (Ich kann Sex haben), Freiheit (Ich habe die Wahl, Freiheit) und Macht (Ich kann etwas kontrollieren). Es ist demnach unklar, wie viele Grundmotive wir konkret haben. Fakt ist jedoch, wir haben sie so oder so, egal in welcher Anzahl. Sie haben sich in unseren Genen verfestigt und steuern unsere angeborenen Verhaltensweisen. Zudem gehen sie auf frühgeschichtliche Zeiten zurück, in denen es wichtig war, einer Gruppe (Rudel) anzugehören, um im Kampf gegen Säbelzahntiger das eigene Überleben und das Überleben des Rudels sicherzustellen. Bis heute haben sich diese Motive nicht verändert. Nur, dass es heute in erster Linie nicht mehr um das blanke Überleben geht. 

Ist dein Überleben gefährdet?

In unserem alten, gewohnten Denken gehen wir allzu oft davon aus, dass unsere Grundmotive nicht erfüllt sind. Verlieren wir unseren Job, schaltet sich unser inneres Alarmsystem an: Achtung, Existenz in Gefahr. Wenn wir uns im Job einem Team gegenüber sehen, dass partout nicht zu unseren Werten passt, sehen wir innerlich rot. Ähnlich verhält es sich, wenn sich der Partner von uns abwendet; sei es in Form von Kritik oder Trennung: wir fühlen uns nicht (mehr) erwünscht. Tief in uns – auf unbewusster Ebene – gleicht dies jeweils einem Überlebenskampf. Weggeschubst. Ausgestoßen. Allein gelassen. Gut, dass heute keine Säbelzahntiger vor der Höhle auf uns warten, wenn wir diesen Herausforderungen gegenüber stehen. Die gefährliche Welt der Frühzeit des Menschen ist vorbei. Wir dürfen uns also bewusst machen, dass heute ganz andere Zeiten herrschen. Frage dich also in schwierigeren Zeiten mit deinem Partner oder deiner Partnerin oder auch Team, ob du genügend Menschen in deinem Umfeld hast, die zu dir passen und bei denen du erwünscht bist (um überleben zu können)? Frage dich, ob du ausreichend Essen, Trinken, ein Dach unterm Kopf etc. hast, um bei dem Verlust deines Jobs überleben zu können. Unsere Denkgewohnheiten können wir ändern, indem wir uns daran erinnern, dass unsere Grundmotive in Wahrheit erfüllt sind. Wenn wir uns dessen bewusst sind, fallen uns automatisch alle möglichen Anzeichen auf, die die Erfüllung unserer Grundmotive bestätigen. Das gibt uns Raum zum Atmen und ein besseres Gefühl als wenn wir uns im inneren „Überlebenskampf“ mehr und mehr von negativen Gefühle beeinflussen lassen. Der Weg in die Gelassenheit, um neue Situationen zu reflektieren und einen guten Weg der Verarbeitung und des weiteren Handeln zu finden. Doch wie findest du überhaupt heraus, welches Grundmotiv bei dir ein (vermeintlich) unerfüllt ist? Frage kritisch nach dem Warum. Warum machst du das? bzw. Warum vermeidest du das? Wenn du zum Beispiel Angst hast, deine Bedürfnisse oder Wünsche anderen gegenüber zu äußern, frage dich, warum das so ist. Vielleicht reagiert dein Gegenüber nicht so, wie du es dir wünschst. Warum ist das so schlimm? Du könntest zurückgewiesen oder abgelehnt werden, was dann ein Zeichen sein könnte, nicht erwünscht zu sein oder nicht zu passen. Oder wenn du Angst hast, deinen Job zu verlieren: Warum hast du davor Angst? Vielleicht könntest du die Miete deiner Wohnung nicht mehr zahlen. Warum ist das schlimm? Nun, es besteht das (vermeintliche) Risiko, obdachlos zu werden und nichts mehr zu essen zu haben. Hier ist deine Existenz nicht länger sicher. Kennst du erst einmal dein Grundmotiv, kannst du dir leichter die Frage stellen, ob dieses heute nicht doch schon erfüllt ist. Frage dich, woran du erkennen kannst, ob du beim Grundmotiv Passen trotzdem noch genügend Menschen in deinem Umfeld hast, die du magst und die zu dir passen. Oder ob du beim Grundmotiv Existenzsicherung erkennen kannst, dass dein Überleben dennoch gesichert bleibt. 

Fazit

Geh also deinen Motiven auf die Spur, wenn du wieder einmal vor einer Herausforderung stehst. Frage dich, ob tatsächlich dein Überleben auf dem Spiel steht. Wenn du in einer Situation unnötig unter Strom stehst, sprich in einem inneren Dialog mit dir, und es stellt sich schnell Entspannung ein. So lässt sich besser beleuchten, ob dein von dir erkanntes Grundmotiv doch schon heute erfüllt ist. Das kann dein Weg sein, dein Problem zu lösen.

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(Selbst-) Führung, Kommunikation

So behältst du bei Kritik einen kühlen Kopf

Hast du es gerade mit Vorwürfen und Kritik in deinem Leben zu tun? Schiebt dir deine Kollegin die Schuld in die Schuhe, weil sich das gemeinsame Projekt verzögert? Wirft dir dein Partner mangelnde Loyalität vor? Oder beklagt sich deine Freundin über zu wenig Aufmerksamkeit? Vermutlich bringt dich das ordentlich auf die Palme. Vielleicht denkst du: Wieso versteht er oder sie mich nicht? Warum sieht niemand, welche Bedürfnisse ich habe? Vielleicht merkst du auch umgekehrt, dass es sich immer um die gleichen Themen handelt, die dich aus der Fassung bringen. Inzwischen bist du nur noch am Meckern, weil du dich einfach nicht gehört und ernst genommen fühlst. Gleichwohl, von wem die Schuldzuweisungen und Vorwürfe ausgehen, hier spielen stets unerfüllte, nicht beachtete Bedürfnisse eine wesentliche Rolle. Bedürfnisse, die weder klar noch wertschätzend formuliert werden. Wir wünschen uns von unserem Gegenüber, dass dieser uns unsere Bedürfnisse von den Augen abliest. Anstatt das Licht auf uns selbst zu richten, um herauszufinden, was wir brauchen, gehen wir unbewusst in den Widerstand und brechen Streitereien vom Zaun. Hier spielt sich dann letztlich nichts anderes als ein Machtkampf ab: Es geht nur noch darum, Recht zu behalten. Die Folge: Missverständnisse und unglückliche Kommunikation. Beides führt wiederum zu Frust und Alleinsein. Oft lenken derlei Zank und Streit davon ab, worum es wirklich geht. Umso mehr wir uns dann im Streit miteinander verheddern, umso weniger ist eine gemeinsame, konstruktive Lösung möglich. Und umso mehr entfernen wir uns vom Anderen. Und eigentlich wünscht sich jeder doch das Gegenteil. 

Kritik als Angriff auf unser Ego

Eine der größten Hürden in der zwischenmenschlichen Kommunikation liegt darin, wenn sich dein Gegenüber angegriffen fühlt. Und das hat in der Regel nichts mit dir zu tun. Hier arbeitet das Ego des anderen auf Hochtouren, sucht nach Aufmerksamkeit und Bestätigung. Und genau dasselbe passiert, wenn wir uns angegriffen fühlen. Das bedeutet, wenn du auf einen Angriff von jemanden reagierst, spiegelst du nur die Ängste und Sorgen deines Gegenübers wider. Kritisierst du jemanden, wenn du selbst gerade unzufrieden bist, dreht sich die Kritikspirale in deine Richtung zurück. Hier kämpfen dann zwei Egos gegeneinander. Ein Kampf, der sinnloser nicht sein kann. Dabei hilft es nicht, die Verantwortung für das Ego des anderen zu übernehmen, und zwar in der stillen Hoffnung, es beruhigen zu können. Keine Chance, nicht deine Verantwortung. Der bessere Weg: positiv mit Kritik umzugehen und Kritik selbst konstruktiv zu geben. Unsere Arbeit: Wir können lernen, unser Ego in den Griff zu bekommen, indem wir innehalten. Versuche also bei Kritik, deine Gedanken zu unterbrechen. Fühl‘ in dich hinein, welche Reaktion, welchen Reiz das Ego dir vermittelt, ohne direkt darauf zu reagieren. Frage zudem den anderen nach den Gründen für dessen Vorwürfe, die eigentliche Absicht hinter der Kritik. Das bringt Klarheit. Und frage insbesondere dich selbst, warum du dich angegriffen fühlst. Ich kenne das gut von Feedbackgesprächen mit Führungskräften. Erst kommt die Ölung durch Lob und Anerkennung, dann die Kritik, die so klein sie auch war, wie ein Messer im Rücken wirkt. Die vorherigen Worte des Lobes waren vergessen. Das Ego ist aktiviert. Vielleicht wurde auch ein wunder Punkt berührt, der an anderer Stelle bereits ans Licht kam. Oder eine alte Überzeugung taucht plötzlich auf. Gut, sich dann zu fragen:

  • Welcher wunde Punkt wurde hier gerade berührt? 
  • Was kann ich daraus lernen?
  • Warum hat mein Gegenüber die Macht, mir ein schlechtes Gefühl zu vermitteln?

Niemand besitzt die Macht, uns anzugreifen. Wir legen sie eher freiwillig in die Hand des anderen. Wer auch immer durch Kritik etwas in uns berührt hat, trägt keinerlei Schuld an unserem negativem Gefühl. Es ist vielmehr eine Einladung, hinzuschauen, dankbar zu sein, denn hinter der Kritik kann die Chance zum Wachstum stecken.

Kritik loslassen oder daran wachsen

Eine verbindende Kommunikation hilft, Missverständnisse zu enttarnen. Eine Kommunikation, in beide Seiten als Team, nicht als Gegner agieren. Das gilt für unser privates Leben genauso wie im Job. Es braucht einen wohlwollenden Blick auf sein Gegenüber, um Bedürfnisse des jeweils anderen zu entdecken, zu verstehen und vor allem fürsorglich und verständnisvoll damit umzugehen. Zudem verlangt es von uns, weise zu wählen zwischen Abgrenzung und Selbsterkenntnis. Dafür dürfen wir lernen, welche Vorwürfe, Schuldzuweisungen und Kritik aussortiert gehören, weil sie schlicht nichts mit uns zu tun haben und bei welchen Angriffen sich stattdessen Chancen zum inneren Wachstum und mehr Stärke auftun können. Gute Aussichten für eine größere Verbundenheit und mehr Vertrauen im Miteinander.

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(Selbst-) Führung

Warum es gut ist zu akzeptieren, was ist

Akzeptieren, was ist? Ja, das klingt so einfach und fühlt sich doch so schwer an. Wahrlich eine Herausforderung, gerade in einer Herausforderung. Die Pandemie hat uns gelehrt, eine Situation um einen Virus herum zu akzeptieren. Eine Situation, die sich wider Erwarten in unterschiedlichen Ausprägungen über Jahre hinwegzog. Eine Situation, die wir akzeptierten, an die wir uns angepasst haben. Nun ja, schon ein wenig gesteuert, und einigen fiel das Akzeptieren eher schwer, andere nahmen es leichter und zogen vielleicht sogar Vorteile aus der Situation. Akzeptieren ist letztlich nichts anderes als eine innere Einstellung. Wir stellen uns der Realität. In diesem Moment, im Hier und Jetzt. Hier sagen wir innerlich „Ja“ zu einem Umstand, einem Menschen oder einer Situation. Es fällt uns schwer, die Realität anzunehmen, wenn sich der Partner von uns trennt, eine Krankheit unseren Körper beeinträchtigt, die Kinder aus dem Haus in ein eigenes, selbstgewähltes Umfeld ziehen. Akzeptieren können wir auch, wenn wir an anderen Menschen Verhaltensweisen oder Charaktereigenschaften wahrnehmen, die uns nerven oder stressen. Die nicht vereinbar sind mit unseren Werten. Klar, wir können dagegen ankämpfen. In den Widerstand gehen. Wir können aber eben auch akzeptieren, was ist. Aber Achtung, das bedeutet nicht, gleich aufzugeben. Aus etwas, was wir doof finden, etwas Tolles zu machen, funktioniert nicht. Und es bedeutet genauso wenig, dass wir uns nicht mit unseren vermeintlichen Schwächen auseinandersetzen, um etwas zu ändern, sofern wir dies wollen. Akzeptanz heißt also in erster Linie, zunächst „Ja“ dazu zu sagen, was das Leben für uns bereithält. Egal, ob wir die Dinge, die da kommen, nun als gut, richtig, schön, falsch oder nicht richtig bezeichnen.

Akzeptanz heißt Loslassen, dann handeln

Aus der Positiven Psychologie wissen wir, dass es am besten für uns ist, wenn wir all unsere Erfahrungen, einschließlich unserer Schmerzen, annehmen, anstatt dagegen zu kämpfen. Die Vergangenheit ist geschehen, die Zukunft nicht vorhersehbar. Was zählt, ist der Moment. Der Moment ist die Gegenwart. Und nur in der Gegenwart können wir in aller Gänze fühlen. Wir bekommen hier also Klarheit über unsere Gefühle. Wir öffnen die Pforten zu unserer Wahrnehmung. Wenn wir das, was ist, nicht akzeptieren, riskieren wir, uns ins negative Wirrwarr von Gedanken über Vergangenheit und Zukunft zu begeben. Wenn wir uns beim Sport verletzt haben und für einige Zeit das Bett hüten müssen, nützt uns der Frust über diese Tatsache so gar nichts. Viel hilfreicher ist es zu überlegen, was wir mit dem Umstand oder auch trotz des Umstandes machen können. Mit der Tatsache leben. Trotz der Tatsache leben. Sich mit den Tatsachen, der Realität, anzulegen, bringt nichts – außer vielleicht noch mehr Frust. Dabei verlieren wir mehr, als wir gewinnen. Hand aufs Herz: Würdest du in den Ring steigen, wenn du genau wüsstest, dass du nicht die leiseste Chance hast, deinen Gegner zu besiegen? Das wäre irrsinnig, oder? Und trotzdem machen wir das immer wieder. Was tust du, wenn dir etwas passiert, das dir so gar nicht gefällt? Beim Aufräumen fällt dir ein Glas aus der Hand und zerbricht. Du setzt dich versehentlich auf deine Brille, sodass sie entzweibricht. Du erfährst, dass du den Job nicht bekommen hast, für den du dich beworben hast. Klar, das sind alles mehr oder weniger schlimme Situationen. Jedoch haben sie eines gemeinsam: Wenn sie passiert sind, sind sie passiert. Nichts und niemand kann sie rückgängig machen. Und dennoch steigen wir direkt in den Ring mit der Realität und rufen – ob still oder laut -: „Das darf doch jetzt nicht wahr sein!“ Tja, die Realität hält dagegen: „Es ist aber wahr!“. Daher heißt es auch hier, Widerstand bringt dich nicht weiter. Solange du dich im Widerstand befindest, bist du unfähig, richtig zu handeln. Akzeptiere erst. Handle anschließend. Weil unsere Kontrolle über die Außenwelt immer beschränkt ist, ist das die effektivste Möglichkeit, etwas zu erreichen.

Akzeptanz führt zu innerer Zufriedenheit

Wenn wir aufhören, uns gegen die Realität aufzulehnen, können wir unsere ganze Energie und Aufmerksamkeit auf das richten, was uns wichtig ist. Es braucht viel Übung, sich nicht über etwas zu ärgern, was wir (zumindest für den Moment) nicht ändern können. Es lohnt sich jedoch, daran zu arbeiten. Mit einer inneren Ja-Haltung der Realität gegenüber halten wir den Schlüssel zu einer tiefen inneren Zufriedenheit in der Hand. Halte dir gerne folgendes Gebet von Reinhold Niebur vor Augen:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Im Klartext: Es gibt kein Patentrezept, das uns hilft, bei Herausforderungen herauszufinden, ob wir besser was ändern oder annehmen sollen. Uns achtsam zuzuwenden, unserer Intuition und weniger den Gedanken aus dem Ego, aus unseren Verletzungen, oder gesellschaftlichen Normen zu vertrauen, ist ein sehr guter Weg. Und selbst, wenn wir etwas ändern möchten, funktioniert das stets am besten aus einer positiven Grundeinstellung heraus. Übrigens: Ich übe auch immer mal wieder in der Akzeptanz, was gerade ist. Auch in diesen Tagen.

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(Selbst-) Führung

Außer Kontrolle? Mach dich locker!

Das Leben ist kein Ponyhof. Manchmal gleicht es einem Trampelpfad voller Wurzeln, die uns immer wieder stolpern lassen. Manchmal führt das Leben uns auch über spiegelglatte Flächen, auf denen wir ausrutschen, auf den Hintern fallen und uns nur mit Mühe wieder aufrichten. Machen wir uns nichts vor; am liebsten bleiben wir doch immer noch in unserer kuscheligen, warmen Höhle, auch Komfortzone genannt. Hier ist alles so, wie es immer schon war. Etablierte Gewohnheiten. Egal, ob sie uns gut tun oder nicht. Wir haben uns an sie gewöhnt, sie bisher nicht hinterfragt. Wir haben sie angenommen, weil wir irgendwann erfahren haben, dass wir durch sie den Kopf über Wasser halten können. ANgewohnheiten. Wehe aber, es passiert etwas Unerwartetes! Jemand verschafft sich ungefragt Zugang in unsere Höhle oder der tägliche Ablauf unserer Gewohnheiten wird von außen gestört. Pläne, die nicht aufgehen. Erwartungen, die nicht erfüllt werden. Panik! Angst! Unsicherheit. Manchmal kann uns das ordentlich den Tag vermiesen. Unser inneres Alarmsystem ist aktiviert. Unsere Emotionen spielen verrückt. Achtung, es droht Kontrollverlust!

Was uns Kontrolle im Leben gibt

Kontrolle und Gewissheit schenken uns ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Beides sind Grundbedürfnisse in unserem Leben. Somit ist es nur natürlich, dass wir Dinge oder auch Menschen kontrollieren wollen. Nur dann, so stellen wir uns vor, können wir selbst sicher, glücklich oder erfolgreich sein. Wenn wir jedoch versuchen, alles zu kontrollieren, indem wir anspruchsvoll und perfektionistisch sind, tut uns das mitnichten gut. Es besteht die Gefahr, sich im Gedankenkarussell zu verlieren, wir machen uns das Leben schwer. Und mal ehrlich, das Leben bringt viele Dinge mit sich, über die wir keine Kontrolle haben. Abgesehen vom Wetter und Tod sind das zum Beispiel: 

  • Wer uns mag bzw. liebt
  • Ausgesprochene Worte anderer Personen
  • Wie andere uns behandeln
  • Fehler, die wir in der Vergangenheit gemacht haben
  • Entscheidungen, die durch eine andere Person getroffen werden
  • Überzeugungen und Ängste anderer Menschen
  • Konsequenzen aus Handlungen, Entschuldigungen, Vergebung durch andere

Oftmals sind es also unsere Mitmenschen beteiligt, in denen wir es mit Ungewissheit zu tun haben. Hier kommen unsere Ängste ins Spiel, was umgekehrt bedeutet, sich genau diesen zu stellen, wenn wir Kontrolle abgeben wollen. Angst, eigene Ansprüche oder die anderer nicht erfüllen zu können. Angst, nicht mehr gebraucht zu werden. Angst, nicht gut genug zu sein. Das aushalten zu lernen, scheint eine Mammutaufgabe. Atmen, loslassen, vertrauen. Eine Lösung, die eines gewissen Bewusstseins und Trainings bedarf. Letztendlich sind es die Erfahrungen, die wir machen, wenn wir vertrauen. Wenn wir dem Prozess, dem (Lieblings-) Menschen, dem Leben vertrauen.

Was uns bleibt, wenn wir lockerlassen

Auf der To Do-Liste für unser Leben steht nicht, das Unsichere sicher zu machen. Das beschert uns weniger Gedanken und mehr das Leben im Hier und Jetzt. Wenn wir wir weniger denken, sind wir mehr im Sein, nehmen uns und unser Umfeld viel mehr wahr. Das trifft auch auf unsere Gefühle zu. Weniger kontrollieren bedeutet also weniger zu denken und damit mehr zu fühlen. Das erlaubt uns, in unserem Leben mehr und mehr unserer Intuition zu folgen. Steigen wir bewusst aus dem Kopf, aus unserem Gedankenkarussell aus, bekommt unser Bauchgefühl eine Stimme. Wir gehen weniger kritisch und verurteilend mit unseren Mitmenschen um und vermeiden somit vorschnelle Entscheidungen, die nicht immer korrekt sind und Menschen mehr von uns wegstoßen als mit ihnen gemeinsam eine schöne Zeit zu verbringen. Bleiben wir also bei den Dingen, die wir kontrollieren können, mit denen wir in aller Eigenverantwortung unser Leben gestalten können: 

  • Freunde, die wir uns aussuchen
  • Unsere eigenen Ideen und Bemühungen
  • Entscheidungen, die wir treffen
  • Andere um Hilfe bitten
  • Ehrlich, verletzlich, offen sein
  • Wie wir unsere freie Zeit verbringen
  • Wie wir mit Herausforderungen umgehen
  • Freundlich anderen und uns gegenüber sein

Alles fängt nun mal bei uns an. Für alles andere heißt es: mach dich locker! 

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