(Selbst-) Führung

Das passiert, wenn du groß denkst!

Es heißt, dass große Gedanken zu großen Veränderungen führen. Das können wir rückblickend sicher auch Bill Gates zuschreiben, als dieser 1980 seine Vision mit der Öffentlichkeit teilte: „A personal computer on every desk and in every home.“ Über 40 Jahre später steht nicht nur ein Computer in jedem Zuhause, er ist auch noch tragbar geworden. Nein, nicht im Koffer. In der Hosentasche. Vor mehr als 40 Jahren begann also Bill Gates, an etwas zu glauben, was damals noch undenkbar schien. Doch sein Glauben trug ihn: In endlosen Etappen mit Erfolgen und Niederlagen ist es ihm gelungen, seinen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Und ich bin sicher nicht die Einzige, die ihren Computer und dessen vorherige Entwicklung so sehr zu schätzen weiß, dass dieser nicht mehr aus unser aller Leben wegzudenken ist. Ja, ich behaupte, Bill Gates hat mich glücklich gemacht. Danke dafür, Bill! Was er uns wie so viele andere Visionäre gestern wie heute ohne Worte verspricht, ist, dass Träume in Erfüllung gehen können. 

Träume verstecken sich in unseren Gedanken

Manchmal bedarf es eines einzigen Gedanken, um etwas zu bewegen. Die Macht unserer Gedanken ist außerordentlich hoch. Wenn wir auch nur einen Gedanken zu fassen bekommen, kann daraus Großes entstehen. Denn mit unseren Gedanken können wir arbeiten. Reagieren. Handeln. Agieren. Ganz im Bewusstsein! „Wenn ich groß bin, werde ich…“ oder „Ich möchte die Welt bereisen.“, „Ein Haus mit Garten wäre toll!“… Ähnliche Sätze sind sicher auch dir vertraut. Sie zeugen von Wünschen und Bedürfnissen. Und geht es im Leben nicht darum, seinen Wünschen und Bedürfnissen zu folgen? Nun habe ich die Wahl: Warte ich ab und schau‘ mal, was passiert? Oder tue ich etwas dafür, mir meine Wünsche zu erfüllen? Ich denke, es ist klar: Von allein kommt da nichts. Ich muss schon etwas tun, um einen Traum, einen Wunsch oder auch die Vision meines Lebens zur Realität werden zu lassen. Und was braucht es dafür? Weitere Gedanken. Und ja, dafür kann ich sicher das Gedankenkarussell anwerfen und ein ausgefeiltes Strategiepapier entwerfen. Einen Plan machen. Ziele, Meilensteine setzen. Groß denken, das trifft es eben auch hier. Aber hey, hier fehlt zumindest mir noch das Gefühl, das ich mit meinem Wunsch verbinde. Daher schließe ich einmal mehr die Augen und spiele mit mir: Was wäre, wenn? Was wäre, wenn dieser Wunsch, dieser Traum schon wahrgeworden ist? Welche Bilder sehe ich? Welche Gefühle machen sich im Körper breit? Wo kann ich sie spüren? Wie fühlt es sich an, wenn alles schon da ist? Ich sage dir, ich habe selten so regelmäßig so viele Tränen aus Freude vergossen. Und Freudentränen sind nicht das Einzige, das fließt. Es fließt auch Kreativität. Ganz intuitiv werden Bilder erzeugt, die den Weg aufzeigen. Ganz intuitiv folgen Gedanken, wie diese Bilder Wirklichkeit werden können. Das wird möglich durch die pure positive Energie, die hier strömt. Energie, die glücklich macht und in dem Prozess, Träume wahr werden zu lassen, zur Umsetzung motiviert. Selbst wenn in der Umsetzung kleine Schritte gegangen werden, bleibe ich auf Spur und habe mein Ziel stets vor Augen. 

Schätze die Stille

Alles, was du dir vorstellen kannst, hat das Zeug, auch wahr zu werden. Ich lade dich daher ein, in die Stille zu gehen. Den Blick nach innen zu wenden. Dort liegt ein Schatz, der gehoben werden möchte. Deine Träume, deine Wünsche, deine Bedürfnisse. Auch mit geschlossenen Augen sind sie sichtbar, hörbar, fühlbar. Mit allen Sinnen. Manchmal reichen schon ein paar Minuten. Manchmal darf es auch mehr sein. Weil du gerne hinschaust, dich in ein Gefühl von Freude und Begeisterung versetzt. In diesem Sinne: denke groß, werde glücklich.

Photo by Andalucía Andaluía on Unsplash

Persönlichkeit

Warum es nichts bringt, jemand anderes sein zu wollen

Möchtest du gern jemand anderes sein? Glückwunsch, du bist damit nicht allein. Ich kenne viele Menschen, die der Meinung sind, irgendwie anders, irgendwie falsch zu sein. Menschen, die denken, so wie sie gerade sind, reichen sie nicht aus. Sie fühlen sich wertlos. Und sie leben ihr Leben in der festen Überzeugung, dass das auch so stimmt. Und so wünschen sie sich etwas anderes für sich. Etwas, was andere in ihrem Umfeld längst darstellen. Ich habe auch mal dazugehört und ehrlich, es gibt Tage, da falle ich in diese alten Denkmuster wieder zurück. Heute erkenne ich sie schneller und habe gelernt, damit umzugehen. Ich verrate dir gerne, wie auch du das schaffst.

Wir wollen oftmals das, was wir nicht sind

Doch lass uns erst einmal genauer hinschauen. Es ist doch so: Wenn wir arm sind, sind wir voller Neid auf die Reichen, die alles haben können, was sie sich wünschen. Sind wir reich, schielen wir auf die Armen, wenn sie ihre echten Freundschaften pflegen und sich der Liebe sicher sein können, die sie erhalten. Vielleicht erkennst du dich ja in einer der folgenden Situationen wieder:

  • Du gehst aktuell als Single durchs Leben und wünschst dir nichts sehnlicher, als endlich den richtigen Mann oder die richtige Frau an deiner Seite zu haben. Oder du lebst in einer inzwischen langjährigen Partnerschaft mit steigendem Streitpotenzial und sinkendem Interesse am anderen, und schaust neidisch in deinem Freundeskreis auf unabhängige Singles, die ihr Leben nach ihren eigenen Bedürfnissen gestalten.
  • Du hast dein Studium abgeschlossen, bist in deinen ersten Job unterwegs und übernimmst erst einmal standardisierte, operative Aufgaben, die dich schon jetzt langweilen und in deiner Kreativität ausbremsen; eigentlich möchtest du doch Führungskraft sein. Oder du bist schon länger im Job, führst ein Team mit mehreren Mitarbeiter:innen und wünschst dir die unbesorgte Zeit aus deiner Junior-Zeit zurück, in denen du noch keine Verantwortung für andere und viel Zeit für dich hattest.
  • Du wünschst dir ein Kind und schielst schwermütig auf die strahlende Mutter, die ihren schlafenden Nachwuchs im Kinderwagen durch den Park schiebt. Oder du hast ein Kind, dass gerade all deine Aufmerksamkeit für sich beansprucht; du kannst dich nicht daran erinnern, wann du zuletzt ein ganzes Wochenende etwas nur für dich getan hast, und das ist genau das, was du jetzt brauchst.
  • Du hast gerade deinen dritten Unternehmenswechsel hinter dich gebracht und ärgerst dich, weil dein aktuelles Team mit seinem breiten Schatz an Erfahrungen eine wichtige Aufgabe bewältigt hat, bei der du keinen größeren Beitrag leisten konntest, weil dir (noch) das entscheidende Wissen zum Unternehmen fehlt. Oder du bist bereits seit 10 Jahren bei deinem Arbeitgeber und wünschst du selbst dir den Blick von außen mit daraus resultierenden neuen Ideen, die der neue Kollege gerade im Meeting geäußert hat und dafür gefeiert wird.

Ich verrate dir etwas: Du irrst im Glauben, glücklich werden zu können, wenn du irgend etwas anderes wirst. Ist es nicht vielmehr so, dass du den Kummer des einen gegen den Kummer des anderen austauschst? Oft schaust du nun einmal auf das, was du nicht hast. Oder eben auf das, was du nicht bist. Das Ganze passiert im Unterbewusstsein, was es nicht einfacher macht. Es fehlt damit die Chance, das Ganze über den Verstand, also ganz rational zu lösen. Das Einbinden von Körper und Gefühlen kann hier unterstützend helfen.

So, wie du bist, bist du gut genug

Kurt Cobain hat einst gesagt: „Jemand anderes sein zu wollen ist eine Verschwendung deiner Person.“ Gib dich also nicht der Illusion hin, dass alles besser ist, wenn du jemand anderes bist. Schau‘ dir statt dessen an, was alles schon da ist. Meine Erfahrung ist, dass in dieser Kennenlernreise zu sich selbst viele schöne Gedanken wie auch Gefühle stecken. Mach‘ dir das gerne zunutze. Hier meine Tipps für dich:

  • Mach dir klar, was du alles kannst: Was hast du in deinem Leben schon erreicht? Welche Ausbildung(en) hast du erfolgreich durchlaufen? Schule, Beruf, vielleicht ein Studium, Zusatzqualifikationen… Alles zählt. Was hast du in eher herausfordernden Zeiten geschafft? Wie hast du Krisen gemeistert? Schreib‘ am besten alles auf und erinnere dich an dein Gefühl dabei, als du deinen Erfolg leise oder laut gefeiert hast. Hat es sich nicht fantastisch angefühlt, wenn du einen Schicksalsschlag bewältigt hast? Erinnere dich immer wieder an diese Erfahrungen und das Gefühl, das du dabei hattest.
  • Hol‘ dir Feedback von anderen: Geh in den Dialog mit anderen. Lerne dich aus Sicht deiner Mitmenschen kennen. Wie sehen dich andere? Was denken deine Freund*innen oder deine Familie, was du besonders gut machst? Höre zu, ohne direkt das, was du hörst, mit einem Aber abzuwerten. Erkenne selbst an, was andere an dir schätzen.
  • Akzeptiere dich, wie du bist: Vielleicht gibt es beim Kennenlernen deines Selbst das eine oder andere, was du eher ablehnst. Erinnere dich: Kein Mensch ist perfekt. Es ist toll, sich auch seiner Schwächen bewusst zu sein. Klar, du kannst versuchen, die eine oder andere Schwäche zu verbessern. Sich selbst anzunehmen, wie man ist, ist mindestens genauso wichtig. Und vielleicht schaffst du es, über die eine oder andere Marotte hin und wieder sogar zu lachen.

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir Kummer und Leid gut loslassen können, wenn wir mit dem zufrieden sind, was wir gerade sind, egal ob mit oder ohne Partner:in, senior oder junior, mit oder ohne Kind(er)… Für ein Leben mit mehr Leichtigkeit, Freude und Energie. Teile gern mit mir deine Erfahrungen.

Photo by Giulia Bertelli on Unsplash

Persönlichkeit

Was es bedeutet, wenn du Verantwortung übernimmst

Ich möchte es gleich mal vorwegnehmen: Viel zu oft legen wir unser Leben in die Hände anderer Menschen. Viel zu oft überlassen wir anderen Menschen die Macht über unser Leben. Viel zu oft geben wir den Umständen die Schuld daran, dass es uns mies geht. Ein paar Beispiele? Das Wetter, das dir Regen statt Sonne schenkt, sodass du den Spaziergang draußen nun verschieben musst. Der Kollege, dessen Aufgabe du kurz vor Feierabend übernommen hast, was dich bis in die Nacht beschäftigt. Der Chef deines Mannes, der spontan noch ein Meeting ansetzt, weil irgendwo die Luft brennt und ihr nun den gemeinsamen Abend im Kino ausfallen lassen müsst. Oder der Busfahrer letztens, der dich nicht hat rennen sehen, um noch rechtzeitig in seinen Bus einzusteigen und einfach ohne dich losfuhr. Ehrlich, hast du gemeckert? Gezetert? Das Gesicht zur Faust geballt? Erinnerst du dich? Natürlich…

  • …hat die andere Person oder haben die Umstände Schuld an deiner Misere,
  • …machst du deine Mitmenschen oder Situationen dafür verantwortlich, dass es dir gerade nicht gut geht,
  • …glaubst du, dass du selbst nichts, wirklich gar nichts ändern kannst und 
  • …gibst du ganz automatisch die Macht den anderen um dich herum.

Alles fängt bei dir an

Auch wenn du es vielleicht nicht hören willst, all das sind Ausreden. Ausreden, mit denen du dich zum Opfer erklärst. Opfer zu sein, ist ja auch bequem. Bequemer zumindest, als (neue) Entscheidungen zu treffen. In der Opferhaltung jedoch gibst du die Verantwortung ab (z.B. mit dem Gedanken „Wenn mein Chef mich endlich befördern, wäre ich glücklicher im Job.“) oder übernimmst immer wieder zu viel davon für andere (z.B. „Wenn meine Mann beruflich nicht so eingespannt wäre, hätte er viel mehr Zeit für mich und die Familie.“). 

Mach‘ dir klar: du bestimmst allein über dein Schicksal! Spazieren im Regen klappt mit der richtigen Kleidung. Dem Kollegen sagst du freundlich und bestimmt Nein. Ins Kino gehst du mit deiner Freundin, mit der du schon lange nichts mehr unternommen hast. Du nimmst den nächsten Bus und kaufst dir vorher noch einen Strauß Blumen gegenüber von der Bushaltestelle. Von der Rolle des Opfers in die Gestalterrolle. Du übernimmst Verantwortung, wenn du die aktuelle Situation so akzeptierst, wie sie ist und versuchst, das Beste daraus zu machen. Schau mal, was sich auch an Chancen auftut, wenn du dir die Freiheit zugestehst, über dein Handeln zu den größeren Entscheidungen in deinem Leben selbst zu bestimmen:

Du kannst…Du riskierst…Du gewinnst…
…deinen Job kündigen, der dich nicht erfüllt.…kein regelmäßiges, festes Einkommen.…einen neuen Job, der dich erfüllt.
…deine Beziehung beenden, die dich unglücklich macht.…eine Zeitlang partnerlos durchs Leben zu gehen.…jemanden, der oder die besser zu dir passt.
…Freundschaften beenden, die dich belasten oder ausbremsen.…Einsamkeit durch weniger oder keine Freunde. …neue Menschen an deiner Seite, die dich unterstützen.

Raus aus der Opferhaltung

Wie wäre es, dich selbst zur wichtigsten Person in deinem Leben zu machen? Wie wäre es, nicht länger zu warten und zu hoffen, dass alles schon irgendwie in Ordnung kommt? Wie wäre es, ab jetzt nicht mehr Opfer zu sein? Fühlt sich gut an, oder? Ich verrate dir gerne, was du tun kannst:  

  • Akzeptiere deine Situation: Was passiert ist, ist passiert. Die Vergangenheit lässt sich nicht ändern, auch wenn du sie dir wieder und wieder durch den Kopf gehen lässt. Nimm an, was ist.
  • Mach‘ das Beste aus deiner Situation: Überlege, was du selbst tun kannst, um die Situation zum Positiven zu verändern. Was willst du tun? Was ist der erste Schritt, sei er auch noch so klein? Mach‘ es, wenn du mehr gewinnst als verlierst. 
  • Stehe zu deinen Fehlern: Fehler passieren. Es ist eine Stärke, sich diese einzugestehen. Frage dich, was du daraus lernen kannst. 
  • Mach‘ Schluss mit deinen Erwartungen: Schraub‘ deine Ansprüche runter, Erwartungen und Hoffen bringen dich in die Abhängigkeit von anderen. Menschen wie Umständen. Was kannst du jetzt selbst in die Hand nehmen? 

Kurzum: Du entscheidest über dein Glück. Deine Entscheidung. Dein Leben. Hier. Jetzt.  

Photo by Nadia Jamnik on Unsplash

 
Persönlichkeit

Die Macht deiner Gedanken

Marc Aurel hat mal gesagt: „Das Glück im Leben hängt von den guten Gedanken ab, die man hat.“ Gute Gedanken versorgen uns mit positiven Gefühlen. Gedanken sind also mächtig. Das gilt für positive wie eben auch für negative Gedanken. Deine Gedanken erschaffen deine Realität. Deine persönliche Wahrnehmung wird damit durch deine Gedanken, aber auch Erfahrungen und Gefühle geprägt. Diese drei Faktoren beeinflussen sich gegenseitig und machen schließlich dein Handeln aus. Wenn du es schaffst, deine Gedanken bewusst wahrzunehmen und über sie nachzudenken, kannst du deine Gefühle und dein Verhalten beeinflussen. Das klingt wahrlich mächtig, oder? Und die schöne Nachricht: bewusstes Wahrnehmen kannst du lernen.

Die Gedanken sind frei

Schlüpfe in die Beobachterrolle und bleibe ohne Bewertung in der Gegenwart, im Hier und Jetzt. Nimm den Moment einfach nur wahr, ohne ihn direkt zu verändern bzw. als gut oder schlecht zu bewerten. Das fühlt sich zu Beginn sicherlich komisch an, für mich hat es allerdings auch etwas Beruhigendes: ich habe nicht länger das Gefühl, reagieren zu müssen. Hast du Lust auf eine kleine Übung? Schließe deine Augen für drei Minuten und beobachte das, was in dir aufsteigt. Gedanken, die du weiterziehen lassen kannst (z.B. „Was mache ich hier?“, „Ich muss noch Milch kaufen.“, „Der Nachbar hat heute nicht gegrüßt.“). Alles an Gedanken darf da sein. Beobachte und benenne deine Gedanken: Gedanke an Einkaufszettel. Gedanke an Mitmenschen. Gedanken… Du kannst das auch prima üben, wenn du freie Zeit mit Warten verbringst. Wir warten immer mal wieder an der Supermarktkasse, auf den Bus oder die Bahn, auf den Laufpartner. Verbinde das auch gern mit dem, was du gerade siehst, schmeckst und riechst. Eine gewisse Achtsamkeit im Alltag kann wunderbar erdend sein. Mit etwas Übung gelingt es dir besser, deine negativen Gedanken wahrzunehmen und ins Positive umzuwandeln. Sei dir bewusst, dass du das Steuer in der Hand hältst. Das Meer an Möglichkeiten, das Meer an positiven Gedanken ist so vielfältig.

Meine Gedanken, deine Gedanken

Wenn dein Verhalten nun durch deine subjektive Wahrnehmung geprägt wird, gilt das natürlich auch für das Verhalten anderer. Deren eigene Erfahrungen, Gefühle und Gedanken spielen manchmal eine so starke Rolle, dass es zu Missverständnissen und Reibungen kommt. Dabei ist es meines Erachtens enorm wichtig, dem anderen nicht die Verantwortung für deine Gedanken zu übertragen. Niemand trägt Schuld daran, wenn du wütend oder traurig bist. Deine Gedanken gehören zu dir. Ebenso deine Gefühle. Oder auch anders: du bist nicht in der Verantwortung für die Gedanken und Gefühle der anderen. In dem Dreigestirn mit deinen Erfahrungen verstehst du sicher einmal mehr, dass jeder Mensch einzigartig ist. Da draußen kann es schlicht keine Kopie deines Selbst geben. Selbstverständlich bist du jederzeit frei darin, dich mit deinen Gedanken und Gefühlen deinen Mitmenschen gegenüber mitzuteilen. So wird dein Verhalten für den anderen nachvollziehbarer. Für ein bisschen mehr Gelassenheit in deinem Leben.

Photo by Andrea Piacquadio von Pexels 

Persönlichkeit

Was sollen denn die Nachbarn denken?

Gestern hat mich ein Frage aus früheren Erfahrungen eingeholt. Ich ärgerte mich gerade lauthals über unseren Geschirrspüler, der nicht wollte, wie ich wollte. Der einfach die Zusammenarbeit verweigerte- Egal, was ich tat, ich fand die Ursache nicht. Ich schimpfte und meckerte, mehr über meine vermeintliche Unfähigkeit, den Geschirrspüler im Griff zu haben als über das streikende Gerät selbst, und… schloss das offen stehende Fenster. Damit die Nachbarn nichts von meinem Zetern mitbekommen. Dann musste ich grinsen, Lachen ließ mein Problem mit dem Geschirrspüler noch nicht zu. Ernsthaft, die Nachbarn? Was sollen denn die denn denken? Oder noch schlimmer: Was sollen denn die Nachbarn sagen? Oder auch die breite Masse einschließend: die anderen? Eher ein Satz als eine Frage, denn so oft, wie wir ihn vor allem in der Kindheit und Jugend gehört haben, gab es doch nie eine Antwort, die darauf folgte. Bei Fehlern, schlechten Noten, zu kurzen Röcken, zu lautem Trotzgebrüll, stampfenden Füßen, fleckigen Lieblingsshirts, zu dünnen Jacken… die Liste scheint endlos: Der Satz sollte einschüchtern und zu einem anderen Verhalten führen. Was Gutes finde ich jedoch auch: Wir haben dadurch gelernt, uns anzupassen. So blieb blieb dieser Satz mir wie vielleicht auch dir im Gedächtnis. Gespeichert im Unterbewusstsein. Und wenn wir es zulassen, beeinflusst dieser Satz auch heute noch unsere Gedanken und unser Handeln. Er vermittelt uns, dass wir Probleme bekommen, wenn wir uns anders verhalten als die anderen. Das bringt auch gerne unsere inneren Antreiber in die Spur, worüber ich schon einmal einen Beitrag geschrieben habe. 

Sind die anderen wirklich wichtiger als wir selbst?

Wir beschäftigen uns immer wieder damit, wie wir auf andere wirken. Natürlich wollen wir alles richtig machen, damit wir Anerkennung und Wertschätzung erfahren. Dabei gehören unsere Schwächen genauso zu uns wie unsere Stärken. Julia Tomuschat erzählt in ihrem Buch „Das Sonnenkindprinzip“ die folgende Geschichte vom Tausendfüßler:

„Es war einmal ein Tausendfüßler, der wunderschön tanzen konnte. Er konnte die tollsten Schrittkombinationen und drehte wagemutige Pirouetten. Alle, die dem Tausendfüßler beim Tanzen zusahen, waren begeistert. Doch eines Tages fragte der Tausendfüßler jemand: „Wie machst du das eigentlich, dass du so toll tanzen kannst? Nimmst du erst den linken siebenundachtzigsten Fuß und dann den dreiundachtzigsten rechten Fuß? Oder den siebenunddreißigsten rechten und dann den zweiundfünfzigsten linken Fuß?“ Der Tausendfüßler fing jetzt an, wirklich darüber nachzudenken, wie das Tanzen bei ihm funktionierte. Denn er wollte höflich sein und die Frage wirklich gerne beantworten. Als er das nächste Mal jedoch aufgefordert wurde zu tanzen, konnte er es plötzlich nicht mehr.“

Der Tausendfüßler war zu sehr in seinem Kopf und bei den anderen, dass er sich selbst darüber verlor. Was heißt das nun für uns? Wir verlieren unser Gefühl und schließlich uns, wenn wir die anderen, aber auch unseren Kopf wichtiger nehmen als uns selbst. Jede:r von uns ist einzigartig, was uns liebenswert macht, sodass es keinerlei Vergleiche mit anderen bedarf. 

Zeig‘ dich so vollkommen, wie du bist

Was hältst du davon, ab heute, zu dir selbst zu stehen? Alles ist schon da. Schau‘ selbst, was du tun kannst, um dich unabhängig(er) von der Meinung anderer zu machen:

  • Mach das, was dich glücklich macht: Lass dich nicht von Angst und Unsicherheit davon abhalten, deinen Weg zu gehen. Hinterfrage stattdessen, was das Schlimmste ist, was passieren kann. Gib deinem inneren Kritiker keine Chance, dich in deinem Tun zu beeinflussen. Wir sollten unser Leben voll auskosten statt uns zurückzuhalten, weil wir zu sehr darüber nachdenken, was andere Leute über uns und unser Leben denken.
  • Kenne deine Werte: Wenn du weißt, was dir wichtig ist im Leben, gelingt es dir besser, selbstbewusst hinter deinen Entscheidungen zu stehen. Frag‘ dich also, wie du leben möchtest. Welche Eigenschaften und Einstellungen schätzt du besonders? Die Beantwortung dieser Fragen wird dir Orientierung für deine Entscheidungen geben. Sei dir bewusst, dass sich die Antworten immer mal wieder ändern können. Das Leben ist dynamisch, sodass auch deine Werte sich immer mal wieder neu ausrichten dürfen.
  • Nimm dich an, wie du bist: Die Meinung anderer ist egal, wenn du dich selbst akzeptierst, wie du bist. Nichts, was andere über dich denken oder sagen, hat mit dir zu tun. Es ist der Blick und die Realität der anderen, geprägt aus deren Erfahrungen. Schenke dir selbst Wohlwollen, so wie du es anderen gegenüber tust.
  • Tanze auch mal bewusst aus der Reihe: Tanze, als würde niemand zuschauen. Lerne etwas Ausgefallenes wie Jonglieren oder Zaubern. Ziehe jedes Kleidungsstück in einer anderen (knallbunten) Farbe an. Springe durch Pfützen. Kaufe einen Blumenstrauß und drücke ihn der ersten Person in die Hand, die dir begegnet. Verschenke einen Stern. Dir fällt bestimmt was ein!

Bleib‘ also ganz bei dir. Das ist alles andere als leicht, weil wir es nicht gewohnt sind, für uns selbst zu sorgen. Ich verspreche dir jedoch, es lohnt sich. 

PS: Der Geschirrspüler läuft wieder. Ich ließ mir helfen: Danke, Google. 

Photo by Léa Dubedout on Unsplash

Allgemein

Dem Gefühlschaos ausgeliefert

Vergangene Woche bin ich Achterbahn gefahren. Achterbahn der Gefühle. Dabei fing die Woche noch ganz gut an. Mittig wurde es dann rau. Und ich habe die Arme ausgebreitet und laut „Hallo!“ gerufen. Hallo Wut. Hallo Ohnmacht. Hallo Angst. Kopfschmerzen, Tränen. Alles da! Wo gestern noch erleuchtete Glückseligkeit herrschte, rauschte nun ein Tsunami an Gefühlen über mich hinweg. Und hinterließ ein Chaos, das auch heute noch nachwirkt. Wieder einmal stelle ich fest, dass es so leicht ist, vom guten ins weniger gute Gefühl zu kommen. Andersrum fällt es mir verdammt schwer. Trotz Werkzeugkasten, wie mein Notfall-Memo. Die frühesten Erfahrungen sitzen tief im Unterbewusstsein. Ich weiß, solche Phasen gehen vorbei, und es wird sie auch immer wieder geben. Und ich weiß auch, was hinter den Gefühlen der Woche steht; der Verstand ist so was von klar. Geist und Seele spielen noch verrückt. „Ich entscheide mich, glücklich zu sein.“, „Ich erlaube mir loszulassen.“, „Heute ist ein wunderbarer Tag.“; solche Affirmationen helfen mir in dieser Situation (noch?) recht wenig. Es will mir nicht gelingen, auch nur im Ansatz die Gefühlslage zu entschärfen. Irgendwann lasse ich es zu. Spreche darüber. Schreibe auf. Die Gefühle flachen ab, bäumen sich noch ein paar Mal auf und beim Schwimmen schließlich habe ich sie fast vollständig ans Wasser abgegeben. Drei Tage hat dieser Prozess gedauert. Ich überlege, ob Zustände im positiven Gefühl auch so lange anhalten. Ganz sicher eine Frage der Wahrnehmung. So lange ich mich im Gefühl aufhalte, darin bade, umso klarer ist es in diesem Moment auch da. Das gelingt mir im Gefühl von Freude und damit einhergehender Leichtigkeit sehr gut. Wenn ich jedoch tief ins Wasser der Ohnmacht eintauche, verliere ich mich. Ich fühle mich ausgeliefert. So erging es mir letzte Woche. Viele meiner Versuche, an die Oberfläche des Wassers zu gelangen, waren zunächst vergeblich. Ich habe ganz schön hohe Wellen geschlagen – innen und außen. Meine Tochter meinte abends zu mir, dass ich ausschaue wie immer, jedoch sähe mein Gesicht irgendwie anders aus. Sie konnte es kaum beschreiben. Ich schaute selbst in den Spiegel. Und nahm wahr: irgendwie verzerrt. Stirnfalte. Lächeln dahin. Stunden später, nachdem ich etwa 15 Minuten eine Situation erlebt habe, die mich hilflos machte. Und im Grunde waren es eher die Gedanken im Anschluss an die Situation, die mich der Hilflosigkeit in die Arme fallen ließen. Und es gelang mir nicht, mich wie eine Meeresschildkröte im Wasser treiben zu lassen – beobachtend, geduldig, leicht. 

Ohnmacht und Angst sind eins

Ohnmacht kann Angst auslösen. Wenn ich Situationen erlebe, in denen ein Gefühl von Hilflosigkeit aufkommt, dann löst das Stress aus. Besonders im Job kann das heftige Folgen haben. Du kennst vielleicht das ungute Gefühl an Sonntagen, wenn du an die Arbeit ab Montag denkst. Wenn du dieses Gefühl im Dauerzustand verspürst, spült das ordentlich Stresshormone durch deinen Körper. Klar, dass dies nicht gesund ist und sogar Burnout auslösen kann. Gut also, wenn du deine Gefühle im Blick hast und die Situation reflektierst. Das Gefühl von Ohnmacht ist eine Reaktion auf eine Enttäuschung, Kränkung oder einen Verlust, was wir immer mal wieder in unserem Leben erleben. Normale Situation, normale Reaktion. Als negatives Gefühl gehört es in unseren Gefühlsrucksack ganz genau so wie Zufriedenheit und Freude. Und mir zumindest tut es immer wieder gut zu wissen, dass auf diese eher düsteren Gefühle auch wieder hellere Gefühle kommen. Ich empfehle jedoch, sich bei länger anhaltenden Phasen von Ohnmacht ärztliche bzw. therapeutische Hilfe zu suchen. 

Ohnmacht mit Macht begegnen

Was können wir tun, wenn wir uns des Gefühls von Ohnmacht bewusst werden? Zuerst einmal ist es wichtig, das Gefühl zuzulassen und zu akzeptieren. Weine, schreie, stampfe mit den Füßen. Erlaube es dir und lasse dann los, zum Beispiel durch Atmen oder eine Entspannungstechnik wie Yoga. Auch aktive Bewegung hilft beim Loslassen: schnelles Spazierengehen, Schwimmen, Joggen, Radfahren. Bewegung hilft in Balance zu kommen und lässt dich auf andere Gedanken kommen. Hast du jemanden, mit dem zu reden kannst? Familie und Freunde haben sicher ein offenes Ohr für dich, auch wenn du gar keine Lust zum Reden hast. Greif‘ zum Telefon, wenn es dir nicht gut geht. Aus meiner Erfahrung ist dieses Loslassen die schwerste Übung. Du wirst dennoch sehen, vielleicht auch erst nach einigen Tagen wie bei mir, dass du ruhiger wirst und das Gefühl der Ohnmacht an Macht verliert.

Anschließend horch‘ mal in dich rein: Was ist passiert? Was hat das Gefühl ausgelöst? Hast du zu hohe Erwartungen? Zu hohe Ansprüche? Finde die Ursache und überlege deine nächsten Schritte. Bleibe handlungsfähig. Führe einen Realitätsscheck durch: Sprechen deine Gedanken und Gefühle die Wahrheit oder handelt es sich nur um eine Geschichte, die du dir selbst erzählst? Gibt es Beweise? Frag‘ dich nach den positiven Seiten der Situation. Vielleicht hast du bisher lediglich das Negative gesehen? Jedoch verharre nicht allzu lange in der Reflexion, vermeide stundenlanges Grübeln. Sag‘ deinem Gedankenkarussell bewusst Stopp, andernfalls verstärken sich die negativen Gefühle. Hab‘ Geduld, vor allem mit dir selbst und der Situation, und vertraue darauf, dass sich die Situation wieder zum Positiven ändern wird

Photo by Yuris Alhumaydy on Unsplash

Allgemein

Ich schaff‘ mir den Ärger vom Hals

Nach einer kleinen Auszeit bin ich gestern wieder in den Job eingestiegen. Heute Morgen traf ich eine Nachbarin, die mich fragte, ob ich zumindest zur Begrüßung einen Willkommensgruß erhalten habe. Ich verneinte – und stutzte. Erst knapp 24 Stunden später reagierte Kopf und Herz darauf, dass es tatsächlich an meinem ersten Arbeitstag kein „Schön, dass du wieder da bist!“ gab. Da war plötzlich Ärger in mir. Der Wutzwerg in mir bekam wieder eine Daseinsberechtigung, und zwar, um einen Ärger auszuleben, den ich spannenderweise gestern noch nicht gespürt hatte. Ich hatte lediglich registriert, dass mein Wiedereinstieg am ersten Arbeitstag unkommentiert blieb. Ich bin froh, dass ich die Zeit hatte, mir das direkt kurz anzusehen, nachdem ich die Nachbarin verabschiedete. Da waren alte Gedanken aus früheren, viel früheren Erfahrungen am Werk. Ich fühlte mich nicht gut, kurze Zeit darauf meinen zweiten Arbeitstag zu beginnen. Und dann meldete sich eine andere Stimme. Was wäre denn, wenn ich die Kommunikation übernehme und Team plus Führungskraft zurufe, dass ich wieder am Start bin? Für mich zählte nicht länger die vermeintliche Tatsache, dass ich womöglich gar nicht willkommen sei. Oder dass man Rücksicht nehmen will. Ich sei Taktgeber, hieß es. Und Moment mal, den Takt angeben? Ja, genau! Warum soll ich jetzt auch ausharren, bis das Team von irgendjemandem erfährt, dass ich wieder da bin? Warum soll ich meinen wütenden Gedanken noch mehr Raum und Zeit schenken. Nein! Ich möchte, dass „meine Leute“ wissen, dass ich wieder an Bord bin. Kurz gedacht, direkt umgesetzt – das Ergebnis war überwältigend. Und das warme Gefühl behalte ich im Herzen. 

Weg mit dem Programm namens Ärger

Eines weiß ich: Ich möchte mich nicht mehr mit Themen oder Dingen beschäftigen, die mich aufregen (könnten). In der Vergangenheit habe ich das viel zu oft gemacht. Und auch noch den Menschen zugehört, die ebenso tickten wie ich. Ich möchte mich lieber auf das Gute konzentrieren, was da ist. Frei verfügbar. Jetzt und hier. Aus der Vergangenheit weiß ich nur zu gut, dass ich irgendwann den Blick auf das Positive verliere, wenn ich im Dauermodus „Aufregen“ bin. John Strelecky hat dies in einem seiner Bücher mit dem Fernsehprogramm verglichen: Ich habe 100 Kanäle mit ihrem jeweils eigenen Programm und bleibe immer bei dreien, deren Programm mich permanent Ärger oder Wut fühlen lässt bzw. mir negative Gedanken vermittelt. Und dann rede ich auch noch über genau diese Programme. Und erlaube anderen, auch von diesen drei Kanälen zu erzählen. Ich lasse mich also total vereinnahmen von diesen drei Kanälen. Dabei habe ich 97 andere Kanäle, die ein wirklich gutes Programm zeigen – was ich leider verpasse. Das Wohlfühlprogramm. Tatsächlich genau das richtige Programm für mich. In meinem Fernsehprogramm soll es kein „Ärgerprogramm“ mehr geben. Zumindest übe ich mich darin, die 97 anderen Kanäle wesentlich häufiger zu nutzen. Es sei denn… ich kann etwas gegen den Ärger tun. Und diese Frage stelle ich mir immer öfter: Kann ich etwas ändern an der Tatsache, dem Verhalten, der Situation, die mich gerade ärgert? Wenn nicht – und das kommt viel häufiger vor als gedacht -, dann befasse ich mich auch nicht mehr damit. Denn genau das möchte unser „inneres System“: Uns motivieren, etwas zu tun. Wir können das Ärgern und Wütendsein als durchaus auch als Motor verstehen, etwas zu verändern. Hindernisse zu beseitigen. Nur: Warum soll ich mich über etwas aufregen, was ich nicht ändern kann? Ein klares Ja zu mehr Gelassenheit in meinem Leben!

Angst ist da, wo Ärger und Wut sind

Hast du gewusst, dass Wut und Ärger eine Form von Angst sind? Wenn ich mich in meine gestrige Situation hineinversetze und die Angst hinter dem (späten) Ärger versuche zu erkunden, dann sehe ich recht schnell die Angst als Gefühl, nicht gesehen, nicht gewünscht, nicht gewollt zu sein. Diese Angst konnte ich zum Glück recht schnell loslassen. Was aber, wenn ich mich permanent über machthungrige, egozentrische Staatschefs ärgere? Na klar habe ich Angst, dass die Welt durch diese Menschen aus den Fugen gerät! Meine Welt sind meine Familie und meine Freunde. Ich könnte sie verlieren. Ich selbst könnte verloren gehen. Meine Sicherheit wäre bedroht. Angst! Wut! Ich kann mich mit jedem Gefühl von Wut oder Ärger bzw. bei negativen Gedanken auch fragen, was mir gerade Angst macht. Und anschließend entscheide ich, was ich als nächstes tue. Ganz getreu dem Motto „Love it, change it or leave it“. Zum Loslassen schau‘ auch gern hier vorbei. 

Photo by Julien L on Unsplash

Persönlichkeit

Sieh‘ es doch mal anders!

Ich liebe es zu schwimmen. Schwimmen lockert Körper und Geist, lässt mich wunderbar abschalten. Mich zudem mal fordernd, mal sanft vom Wasser tragen zu lassen, lässt mich gut und glücklich fühlen. Damit ich in diesem Jahr gut dabei bleibe, habe ich mir ein sportliches Ziel gesetzt: 2022 mache ich wieder beim Sundschwimmen mit. Die Anmeldung hierfür erfolgte an diesem Wochenende und hat dankenswerterweise meine liebe Freundin C. übernommen, mit der ich für gewöhnlich auch trainiere. Sie rief mich direkt nach der Anmeldung an, ich konnte den Stolz und die Vorfreude in ihrer Stimme erkennen. Dann machte sie mich darauf aufmerksam, dass wir schon bald in die vorletzte Altersklasse unter den Teilnehmer:innen des Sundschwimmens wechseln würden. Ich meinte, in ihrer Stimme nun Bedauern und Enttäuschung ob unseres „fortgeschrittenen“ Alters zu hören. Schnell kamen wir ins Witzeln: In der vorletzten Altersklasse wären wir die Jüngeren und damit die vermeintlich Schnelleren, was uns einen anderen Platz bescheren würde als bei der jüngeren Altersklasse, in der wir inzwischen zu den ältesten Schwimmer:innen gehören. Nicht, dass es uns beim Schwimmen (inzwischen) um Leistung gehen würde, und dennoch hat es uns lachen lassen – und damit unseren Tag ein wenig leichter gemacht. 

Mit Reframing eine andere Perspektive einnehmen

William Shakespeare hat schon gesagt: “ Es gibt nichts, was an sich gut oder schlecht wäre, nur das Denken macht es so.“ Ich entscheide selbst, welche Bedeutung ich bestimmten Herausforderungen oder Situationen in meinem Leben gebe, weswegen ich privat und beruflich gerne mit dem so genannten Reframing arbeite. Der Begriff stammt aus der Psychologie und steht für das Einnehmen eines Perspektivwechsels: Ich sehe Probleme, Situationen und Verhaltensweisen in einen anderen Kontext bzw. Rahmen (=Frame) und setze einen neuen Rahmen. Somit bekommt dasselbe Ereignis eine neue Bedeutung, wodurch mir neues Verhalten möglich wird. Reframing hilft uns also, unsere Wahrnehmung zu verändern und lässt uns somit flexibler, leichter und gelassener durch das Leben gehen. Ich finde das großartig und teile dieses Coaching-Tool auch immer wieder gern mit anderen. Hin und wieder stoße ich dabei auf Widerstand, z.B. bei einer ausgebliebenen Beförderung oder bei einer Absage für einen neuen spannenden Job: „Es ist doch alles gut so, wie es ist.“ oder „Der neue Chef war mir eh nicht sympathisch.“ Doch damit schieben wir Gefühle, die wir nicht fühlen wollen, weg von uns. Und das das verhindert schließlich, dass wir in die Reflexion kommen: Wofür war das gut? Was lerne ich daraus? Wofür kann ich die Erfahrung nutzen? 

Neue Rahmen setzen: Einige Beispiele

Reframing unterstützt uns dabei, die Dinge wieder gerade zu rücken. Klar, eine Kündigung zu erhalten, kann sehr weh tun und hier fällt es schwer, das Ganze gedanklich wieder gerade zu rücken. Ich darf natürlich auch wütend oder traurig sein. Gefühle gehen jedoch vorbei und dann kann ich mich dem Wofür widmen. Im Falle einer Kündigung kann ich dieser dann beispielhaft einen der folgenden neuen Rahmen schenken:

  • Ich wollte mich schon immer selbstständig machen – meine Chance!
  • Die Kündigung erlaubt mir, mir eine neue Arbeitsstelle zu suchen, und zwar mit besserem Gehalt und flexibleren Arbeitszeiten.
  • In den nächsten Wochen habe ich mehr Zeit für mich, die Familie und Freunde.
  • Ich lerne, mit Ablehnung umzugehen.

Auch bei weniger krisengleich daherkommenden Situationen hilft Reframing. Im Job wird mir eine neue Aufgabe zugetragen. Welcher Gedanke verleiht mir mehr Energie: „Oje, das habe ich noch nie gemacht!“ (Gefühl von Angst) oder „Endlich mal wieder eine Möglichkeit, etwas Neues auszuprobieren!“ (Gefühl von Freude)? Was bringt mich ins Handeln, wenn ich die Bank wechseln möchte oder etwas Neues lernen muss: „Das geht nicht so einfach!“ (Gefühl von Hilflosigkeit) oder „Ich probiere es aus. Mal sehen, ob es klappt.“ (Gefühl von Zuversicht). Im Job höre ich immer wieder mal den Satz „Meine Chefin redet nicht mit mir.“ (Gefühl von Wut). Einen neuen Rahmen bekommt die Situation mit dem Gedanken „Ich versuche, einen neuen Kommunikationsweg aufzumachen.“. 

Mehr Bewusstheit und damit gedanklich mehr Gewicht bekommst du und dein neuer Rahmen, wenn du dir dein Wofür notierst. Das hilft beim (Um-) Denken.

Du siehst, wir haben immer die Wahl: Ist mein Glas halb leer oder ist es halb voll? Reframing hilft auf dem Weg zur Selbstbestimmung und Gelassenheit. Mit ein bisschen Übung wird dadurch sogar Optimismus erlernbar. Probiere es gern mal aus! Und bei Fragen melde dich gerne bei mir. 

Photo by pine watt on Unsplash

Allgemein

Vom Geben und Nehmen zum Fest

Weihnachten ist vorbei. Die Zeit, unterm Tannenbaum besonderen Menschen eine Freude zu bereiten, liegt hinter uns. Fast alle Geschenke sind überreicht. Geschenke, die mir teilweise lange vor dem Fest begegnet sind mit einem klaren Gefühl, wer sich sich darüber freuen könnte. Geschenke, in denen Erinnerungen stecken. Erinnerungen an besondere Momente. Mit besonderen Menschen. Diesen Menschen ein Geschenk zu machen, ist in jedem Fall auch ein Geschenk für mich, denn es macht mich glücklich. Dich auch? Um es auf den Punkt zu bringen, macht mich Schenken sogar glücklicher als selbst Geschenke zu erhalten. 

Und wie fühlst du dich, wenn du ein Geschenk erhältst? Kannst du es kaum erwarten, was zum Vorschein kommt? Voller Vorfreude das knisternde Papier abziehst. Statt jedoch ganz bewusst diesen Moment zu spüren und in dem glücklichen Gefühl des Beschenktwerdens  zu baden, kommt der Gedanke, der unweigerlich ausgesprochen wird: „Aber ich habe doch gar nichts für dich!“. Oder auch „Ich habe nur eine Kleinigkeit für dich.“, wenn das eigene Geschenk für den anderen vermeintlich weniger wertvoll zu sein scheint. Ein Gefühl von Scham, das sich dabei einschleicht und dem Glücksmoment Kraft raubt. 

Kinder knüpfen keine Bedingungen an Geschenke

Erinnerst du dich daran, wie du in deiner Kindheit Geschenken begegnet bist? Bevor dein Kopf Gedanken ausgespuckt hat? Du hast dich völlig unvoreingenommen über jedes einzelne Geschenk gefreut, ganz gleich, was es war. Hin und wieder war vielleicht ein bisschen Enttäuschung dabei, wenn du etwas erhalten hast, was nicht auf deinem Wunschzettel stand. Oder hierauf gar ausgetauscht wurde: Gerne hättest du auf Socken, Pullover und Handschuhe verzichtet, wenn es dafür etwas anderes gegeben hätte, was deinen Wünschen mehr entsprach. Grundsätzlich hast du also aus dem Herzen reagiert, weniger den Kopf eingeschaltet: Gibt es einen Grund für dieses Geschenk? Was wird jetzt von mir erwartet? Ist das nicht viel zu teuer? Oder gar zu billig? Gedanken, dir wir als Erwachsene nur zu gut kennen. Gedanken, die wir bewusst mal hören dürfen, um sie anschließend zu hinterfragen. 

Eigene Motive hinter den Geschenken erkennen

Geschenke können Bindung zwischen Menschen verstärken. Schenken schafft Vertrauen auf der Beziehungsebene. Mal wieder geht es um ein Grundbedürfnis, dem nach Anerkennung und Wertschätzung. Passiert das Schenken dabei immer selbstlos? Nicht ganz. Ich habe noch meine Eltern im Ohr: „Hast du schon Danke gesagt?“. Oft ist also mindestens Dankbarkeit an das Schenken geknüpft. Stecken andere Motive dahinter, kann es kompliziert werden; spätestens dann, wenn ich – bewusst oder unbewusst – eine Gegenleistung erwarte. Je weniger ich meine Geschenke an Bedingungen knüpfe, umso mehr kann sich dieses warme Gefühl von Glück und Zufriedenheit in meinem Körper breitmachen. 

Ich verrate dir abschließend sicher nichts Neues, dass auch gemeinsame Zeit, Gespräche und Erfahrungen Geschenke sein können. Dafür braucht es weder Vorbereitung noch Geld. 

Ich wünsche mir, dass wir dieses warme Gefühl von Glück beim Geben und Nehmen wieder mehr in unser Bewusstsein holen. Und den Kopf einfach mal ausschalten. Bis zum nächsten Weihnachtsfest dauert es noch knapp 12 Monate. Zeit für ein bisschen Übung. Der nächste Geburtstag kommt bestimmt. 

Photo by Kira auf der Heide on Unsplash

Persönlichkeit

Mal wieder innerlich getrieben

Erst letzte Woche ist es mir schon wieder passiert: Ich arbeitete an einer Aufgabe und wollte sie unbedingt noch fertig stellen, bevor ich mich mit etwas anderem beschäftigte. Ich hatte schon sehr viel Zeit investiert und merkte gar nicht, wie verbissen ich bei der Sache war. Hin und wieder tauchte ein Kinderkopf auf und fragte mich etwas (für mich) Belangloses. Ich gab Antworten, jedoch nicht 100% dem Kind zugewandt. Irgendwann ertappte ich mich dabei, stieg aber aus der Situation nicht aus, obwohl ich den Stress spürte, der in mir brodelte. Der Gedanke, die Aufgabe nicht zu Ende zu bringen, stresste mich noch viel mehr. Und es war nicht mal so, dass ich irgendeiner Frist folgte oder hinter mir jemand stand, der die verbale Peitsche schwang. Im Grunde war ich also selbst verantwortlich, für meine Gedanken, meine Gefühle und mein Handeln. Irgendwo tief in mir war eine leise coachende Stimme, die flüsterte, dass ich mir mal eine Pause gönnen oder auch am nächsten Tag weitermachen kann. Ich nahm das Flüstern kaum war. Meine Aufgabe schaffte ich, auf das Ergebnis war ich stolz, jedoch brachte es meine Tochter noch eine Woche später noch auf den Punkt: “ Mama, letzten Montag warst du richtig gestresst!“. Ich hatte die Situation schon reflektiert und quasi vergessen, mein Lieblingsmensch nicht. War es das wert? Ganz sicher nicht. Da ich mich seit Jahren mit persönlicher Entwicklung beschäftige, weiß ich, dass da meine inneren Antreiber am Werk waren. 

Innere Antreiber entstehen – natürlich – in der Kindheit. Vielleicht erinnerst du dich oder hast dich deinen eigenen Kindern gegenüber schon dabei erwischt, sie mit Anweisungen oder Ermahnungen zu fordern. Nett gemeint, sollen diese doch dabei helfen, das Leben leicht zu nehmen. Dabei können Glaubenssätze entstehen, die uns im weiteren Verlauf unseres Lebens Steine in den Weg legen. Was genau sind denn nun diese inneren Antreiber?

Innere Antreiber: Fluch und Segen zugleich

In mir wüten hin und wieder gleich mehrere Antreiber, und das ist wohl ganz normal. Die Ausprägung macht letztlich einen Unterschied. Man unterscheidet zwischen folgenden fünf inneren Antreibern, die wiederum für positive Eigenschaften stehen: 

  • „Sei perfekt!“ steht für fehlerlos und genau. 
  • „Sei gefällig!“ steht für liebenswürdig und freundlich. 
  • „Sei stark!“ steht für stark und unabhängig.
  • „Streng dich an!“ steht für gründlich und ausdauernd.
  • „Beeil dich!“ steht für schnell und lösungsorientiert

Positive Eigenschaften – das klingt doch erst einmal gut, oder? Jedoch Obacht, Medaillen haben immer zwei Seiten. Perfekt sein zu wollen, bedeutet nämlich auch, sich schnell in Details zu verlieren und nie wirklich mit der eigenen Leistung zufrieden zu sein. Sich stets anzustrengen, sorgt dafür, dass man in der Regel zu viele Aufgaben übernimmt und sich schwer tut, um Hilfe zu bitten. Hier ein bisschen mehr Details dazu, was euch spätestens hier einen meiner Antreiber erraten lässt:  

AntreiberVorteile (Auswahl)Nachteile (Auswahl)
Sei perfekt!– arbeitet detailgetreu
– bringt viel Geduld auf
– plant sehr genau
– lässt keine Fehler zu
– überarbeitet Aufgabe mehrmals
– delegiert ungern
Sei gefällig!– ist teamfähig
– verfügt über eine hohe Empathie
– hilft gerne
– tut sich schwer mit Entscheidungen
– stellt eigene Bedürfnisse zurück
– kann schwer Nein sagen
Sei stark!– handelt konsequent
– ist „Fels in der Brandung“
– bewahrt den Überblick
– kann kaum Gefühle zeigen
– lässt keine Schwächen zu
– hält Andere auf Distanz
Streng dich an!– ist vielseitig
– zieht Aufgaben durch
– gibt bei Problemen nicht auf
– nimmt Anderen Aufgaben ab
– arbeitet nicht unbeschwert
– akzeptiert eigene Grenzen nicht
Beeil dich!– verliert sich nicht in Details
– ist flexibel und offen für Neues
– delegiert gerne
– unterbricht gerne
– ist stark im Multitasking
– verbreitet Hektik

Hast du deine eigenen Antreiber schon identifiziert? Wenn du dein Wissen um deine eigenen inneren Antreiber vertiefen möchtest, nutze einfach einen der vielfach im Internet verfügbaren Tests. 

Neue Glaubenssätze lassen innere Antreiber schwächeln

Wie ich dir schon verraten habe, haben wir mit unseren inneren Antreibern Glaubenssätze in uns fest verankert. Zum Beispiel steckt mit dem Antreiber „Sei perfekt!“ in mir der Glaube „Ich darf keine Fehler machen.“ Aber ist das wirklich wahr? In unserem Leben sind uns viele Fehler begegnet. Ist davon die Welt untergegangen? Sicherlich nicht, auch nicht die eigene. Ich darf ich mir also auch erlauben, Fehler zu machen. Regelmäßig reflektiert, lässt dies meinem inneren Antreiber schnell die Puste ausgehen. Noch ein Beispiel? Mich treibt hin und wieder an, es Anderen recht machen zu wollen. Ich habe offenbar schon ganz früh den Glaubenssatz entwickelt: „Meine Bedürfnisse sind nicht wichtig.“ Es gab Zeiten, da habe ich sogar den (natürlichen!) Drang, während der Arbeit zur Toilette zu gehen, unbewusst ignoriert. Essen? Trinken? Nebensächlich. Warum eigentlich? Weil irgendwer noch auf eine Antwort von mir wartete (Wirklich?). Weil ich eine Aufgabe noch schnell abschließen musste (Fünf Minuten später geht das nicht?). Inzwischen heißt es für mich: „Ich darf eine Pause machen!“ oder auch „Ich erlaube mir, in Ruhe und ohne Ablenkung zu essen.“ Meinen insbesondere natürlichen Bedürfnissen gehe ich also inzwischen nach. Reine Übungssache!

Was sind deine inneren Antreiber? Und: Wie nutzt du dein Wissen um sie, um dein Leben künftig leichter zu machen? 

Photo by JESHOOTS.COM on Unsplash