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Alle Jahre wieder

Schon wieder Weihnachten. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich habe für gewöhnlich im Moment Dezember den größten Stress im Jahr. Ich springe beruflich wie privat von einem To Do ins nächste. Daran ändert auch ein Virus nichts. Was habe ich nicht schon alles versucht? Geschenke unterjährig kaufen (und riskieren, kurz vor Weihnachten den Überblick zu verlieren). Den Weihnachtsbaum online ordern und spätestens zum 2. Advent aufstellen (und riskieren, kurz vor Weihnachten auf traurig herabhängende, halb nackte Zweige zu schauen). Die Anzahl von Weihnachtsfeiern, Plätzchenbackaktionen, Weihnachtsmarktbesuchen frei nach dem Motto „Qualität statt Quantität“ niedrig zu halten (und riskieren, kurz vor Weihnachten in das eine oder andere traurige Gesicht zu schauen). Und dennoch: Besinnlichkeit will nicht immer gleich aufkommen. Übrigens auch nicht, wenn ich hin und wieder Lebkuchen, Stolle und Plätzchen (lange) vor dem 1. Advent nasche.

Alle Jahre wieder merke ich, dass ich es allen recht machen will. Schon klar, hier hat ein ganz bestimmter innerlicher Antreiber die Peitsche in der Hand… Es ist also wieder an der Zeit für das Experiment, Besinnlichkeit wörtlich zu nehmen. Letztlich bedeutet doch Besinnlichkeit auch Entspannung, dessen Gegenteil – Stress – sich unwillkürlich auch auf das Umfeld übertragen kann. Ich will Stress weder bei mir, noch bei Anderen haben. Schon gar nicht bei meiner Tochter, die sich naturgemäß schnell fragen kann, ob sie irgendetwas falsch gemacht hat.  

Ruhe und Entspannung in der Weihnachtszeit – so kann’s klappen

Ich horche inzwischen einige Zeit vor dem Weihnachtsfest in mich rein: Wie möchte ich Weihnachten verbringen? Wie erlaube ich mir ein bisschen mehr Gelassenheit im Umgang mit dem Fest? Im Umgang mit der Familie? Dem Partner? Sage ich wieder mal (entspannt) Nein zum gemeinsamen Fest mit der ganzen Familie? Je früher ich für mich (und ggf. meine eigene Familie) die Entscheidung getroffen habe, „vom Standard“ abzuweichen, hilft es ungemein, darüber mit anderen Beteiligten zu sprechen. Klar, dass das am besten vor dem 1. Advent passiert.   

Und im Dezember selbst? Das hilft mir immer wieder:

  • Zeit in der Natur verbringen
  • sich Zeit für Familie und Freunde nehmen
  • mal wieder ein gutes Buch lesen oder hören
  • gutes Essen mit dir nahe stehenden Menschen genießen
  • mal den Fernseher auslassen (außer für Aschenbrödel oder den kleinen Lord ;))
  • das Handy ignorieren (keine Nachrichten, kein Social Media)
  • ein laaaaanges Bad mit duftenden Schaum nehmen

Fällt dir was auf? Genau, da steckt nichts wirklich Weihnachtliches drin, denn meine Tipps sind schlicht Tipps, die du jede Woche in dein Leben holen kannst. Spätestens im Dezember dürfen wir uns dessen besinnen… Rechtzeitig vorm Jahresende. Ohne dass es in Stress ausartet. 

Und wenn’s mal kracht?

Ich möchte dir allerdings auch nichts vormachen. Die Erfahrung zeigt, dass es auch in unserer Familie immer mal wieder Knatsch rund ums Fest gibt. Was steckt dahinter? Nun, im Grunde verrennen wir uns immer mal wieder in (unausgesprochene) Erwartungen, und zwar auf beiden Seiten; die eigene und die der Anderen. Vielleicht kommt dir das also bekannt vor: Der Ablauf entspricht nicht den eigenen Vorstellungen. Jemand erhält Geschenke, die nicht auf dem Wunschzettel standen. Konflikte wollen geklärt werden, für die vorher weder Zeit noch Lust war. Man will ein tolles Essen zaubern, und dann ist die Soße zur Gans versalzen. Hier brodelt es schnell unter der Oberfläche. Und irgendwann kommt der innere Vulkan zum Ausbruch! Hey, das passiert, wir sind Menschen! Und (zum Glück) nicht perfekt! Nieder mit dem Inneren Kritiker! Reden hilft auch hier, sei es nun in Form einer Entschuldigung oder auch Erklärung für die Kinder, die sich eben meiner Meinung nach viel zu schnell mit Schuld beladen. Schön wäre es, vorher den Kopf zu klären, und da helfen vielleicht oben aufgeführte Tipps. Und am Ende wird’s dann hoffentlich (wieder) besinnlich…

Ich wünsche euch und euren Lieben ein besinnliches Weihnachtsfest! Passt auf euch auf!

Photo by MARIOLA GROBELSKA on Unsplash

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Selbsthilfe in stressigen Zeiten

Das Jahr 2021 ist fast geschafft. Wenn ich zurückblicke, blicke ich auf so einige Momente, Stunden, Tage und manchmal auch Wochen zurück, die für mich besonders herausfordernd waren. Ich fühlte mich hier, als hätte ich mich bereits morgens ins Hamsterrad begeben und es vor dem Tasten nach dem Lichtschalter am Abend vor dem Zubettgehen auch nicht mehr verlassen. Andere sprechen hier auch vom Sitzen auf dem Beifahrersitz, kaum dass das Auto, das sie durch den Tag führen soll, losgerollt ist. Wir vergessen dabei nur all zu oft, dass wir es selbst sind, die den Schritt aus dem Hamsterrad heraus nehmen können oder eben selbst am Steuer sitzen, um über den Weg (und damit über den Tag) zu bestimmen. Mir passierte es dabei ganz oft, dass ich mich größtenteils unbewusst eher fremdbestimmt steuern ließ und somit die eigene Verantwortung aus der Hand gab.

Damit mir das künftig nicht mehr passiert, habe ich mir eine Erinnerungsstütze gebaut, die ich heute gerne mit dir teilen möchte. Meine Erinnerungsstütze ist nichts Anderes als ein Memo, das mich daran erinnern soll, was mir gut tut und mich in ein anderes Handeln kommen lässt, als ich es bisher gewohnt war – gerade eben in Zeiten, in denen ich mich im Hamsterrad oder auf dem Beifahrersitz sehe. Schau selbst: 

Öfter mal auf neue Gedanken kommen

Diese kleinen „Mini-Ausbrüche“ diesen nicht nur dazu, dass ich mich besser fühle, sondern auch, dass ich auf andere Gedanken komme. Das gelingt mir nur, indem ich die obigen Momente auch bewusst lebe und wahrnehme. Ich schätze ihren Wert für mich und übe mich in Dankbarkeit und Stolz auf jeden kleinen (Mut-) Ausbruch, der mir mindestens einen Moment Leichtigkeit geschenkt hat. Eine wohltuende Abwechslung zu anderen Arten von Ablenkung, die ich früher gesucht habe: Check aktuelle Nachrichten, Check Social Media, Check offene To Dos, Check WhatsApp etc. Hier habe ich nur noch mehr Stress und Belastung verspürt. Nach einer Pause aus dem Notfall-Memo merke ich, dass ich anschließend sachlicher Situationen reflektieren kann und weniger gestresst bin. Zufriedenheit jenseits des Hamsterrads oder dem Beifahrersitz kann sehr schön sein, sodass ich schließlich mehr und mehr davon wollte. In Momenten, wo das alles nichts hilft – ja, die gibt es auch hin und wieder – verurteile ich mich nicht dafür, sondern akzeptiere das, was ist. Und ich beobachte, dass es zunehmend weniger dieser Augenblicke gibt. 

Was sind deine Wohlfühlmomente?

Natürlich müssen meine Wohlfühlmomente nicht deine Wohlfühlmomente sein. Sie können dich jedoch gerne inspirieren. Erlaube dir, in dich reinzuhorchen: Was tut dir gut? Was bringt dich auf andere Gedanken? Was bringt dich zum Lachen? Erinnere dich an das, was dir als Kind Spaß gemacht hat. Probiere etwas Neues aus. Gibt dir dafür ruhig etwas Zeit. Mein Memo hängt nunmehr über meinem Schreibtisch und erinnert mich immer wieder daran, in etwas schwierigeren Zeiten eine Pause zu machen und an mich zu denken. Von Zeit zu Zeit kommen anderen Punkte auf die Liste an Möglichkeiten, die mir zur Verfügung stehen. Ich nutze hierfür übrigens auch gerne mein Morgenritual, das mir eine wunderbare Basis für einen guten Start in den Tag legt. 

Solltest du mein Memo-Layout verwenden wollen, schreib‘ mich gerne an. Du kannst hierfür das Kontaktformular verwenden. Ich lasse dir dann ein paar Tipps zukommen. 

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Photo by Elisa Ventur on Unsplash

Persönlichkeit

Mal wieder innerlich getrieben

Erst letzte Woche ist es mir schon wieder passiert: Ich arbeitete an einer Aufgabe und wollte sie unbedingt noch fertig stellen, bevor ich mich mit etwas anderem beschäftigte. Ich hatte schon sehr viel Zeit investiert und merkte gar nicht, wie verbissen ich bei der Sache war. Hin und wieder tauchte ein Kinderkopf auf und fragte mich etwas (für mich) Belangloses. Ich gab Antworten, jedoch nicht 100% dem Kind zugewandt. Irgendwann ertappte ich mich dabei, stieg aber aus der Situation nicht aus, obwohl ich den Stress spürte, der in mir brodelte. Der Gedanke, die Aufgabe nicht zu Ende zu bringen, stresste mich noch viel mehr. Und es war nicht mal so, dass ich irgendeiner Frist folgte oder hinter mir jemand stand, der die verbale Peitsche schwang. Im Grunde war ich also selbst verantwortlich, für meine Gedanken, meine Gefühle und mein Handeln. Irgendwo tief in mir war eine leise coachende Stimme, die flüsterte, dass ich mir mal eine Pause gönnen oder auch am nächsten Tag weitermachen kann. Ich nahm das Flüstern kaum war. Meine Aufgabe schaffte ich, auf das Ergebnis war ich stolz, jedoch brachte es meine Tochter noch eine Woche später noch auf den Punkt: “ Mama, letzten Montag warst du richtig gestresst!“. Ich hatte die Situation schon reflektiert und quasi vergessen, mein Lieblingsmensch nicht. War es das wert? Ganz sicher nicht. Da ich mich seit Jahren mit persönlicher Entwicklung beschäftige, weiß ich, dass da meine inneren Antreiber am Werk waren. 

Innere Antreiber entstehen – natürlich – in der Kindheit. Vielleicht erinnerst du dich oder hast dich deinen eigenen Kindern gegenüber schon dabei erwischt, sie mit Anweisungen oder Ermahnungen zu fordern. Nett gemeint, sollen diese doch dabei helfen, das Leben leicht zu nehmen. Dabei können Glaubenssätze entstehen, die uns im weiteren Verlauf unseres Lebens Steine in den Weg legen. Was genau sind denn nun diese inneren Antreiber?

Innere Antreiber: Fluch und Segen zugleich

In mir wüten hin und wieder gleich mehrere Antreiber, und das ist wohl ganz normal. Die Ausprägung macht letztlich einen Unterschied. Man unterscheidet zwischen folgenden fünf inneren Antreibern, die wiederum für positive Eigenschaften stehen: 

  • „Sei perfekt!“ steht für fehlerlos und genau. 
  • „Sei gefällig!“ steht für liebenswürdig und freundlich. 
  • „Sei stark!“ steht für stark und unabhängig.
  • „Streng dich an!“ steht für gründlich und ausdauernd.
  • „Beeil dich!“ steht für schnell und lösungsorientiert

Positive Eigenschaften – das klingt doch erst einmal gut, oder? Jedoch Obacht, Medaillen haben immer zwei Seiten. Perfekt sein zu wollen, bedeutet nämlich auch, sich schnell in Details zu verlieren und nie wirklich mit der eigenen Leistung zufrieden zu sein. Sich stets anzustrengen, sorgt dafür, dass man in der Regel zu viele Aufgaben übernimmt und sich schwer tut, um Hilfe zu bitten. Hier ein bisschen mehr Details dazu, was euch spätestens hier einen meiner Antreiber erraten lässt:  

AntreiberVorteile (Auswahl)Nachteile (Auswahl)
Sei perfekt!– arbeitet detailgetreu
– bringt viel Geduld auf
– plant sehr genau
– lässt keine Fehler zu
– überarbeitet Aufgabe mehrmals
– delegiert ungern
Sei gefällig!– ist teamfähig
– verfügt über eine hohe Empathie
– hilft gerne
– tut sich schwer mit Entscheidungen
– stellt eigene Bedürfnisse zurück
– kann schwer Nein sagen
Sei stark!– handelt konsequent
– ist „Fels in der Brandung“
– bewahrt den Überblick
– kann kaum Gefühle zeigen
– lässt keine Schwächen zu
– hält Andere auf Distanz
Streng dich an!– ist vielseitig
– zieht Aufgaben durch
– gibt bei Problemen nicht auf
– nimmt Anderen Aufgaben ab
– arbeitet nicht unbeschwert
– akzeptiert eigene Grenzen nicht
Beeil dich!– verliert sich nicht in Details
– ist flexibel und offen für Neues
– delegiert gerne
– unterbricht gerne
– ist stark im Multitasking
– verbreitet Hektik

Hast du deine eigenen Antreiber schon identifiziert? Wenn du dein Wissen um deine eigenen inneren Antreiber vertiefen möchtest, nutze einfach einen der vielfach im Internet verfügbaren Tests. 

Neue Glaubenssätze lassen innere Antreiber schwächeln

Wie ich dir schon verraten habe, haben wir mit unseren inneren Antreibern Glaubenssätze in uns fest verankert. Zum Beispiel steckt mit dem Antreiber „Sei perfekt!“ in mir der Glaube „Ich darf keine Fehler machen.“ Aber ist das wirklich wahr? In unserem Leben sind uns viele Fehler begegnet. Ist davon die Welt untergegangen? Sicherlich nicht, auch nicht die eigene. Ich darf ich mir also auch erlauben, Fehler zu machen. Regelmäßig reflektiert, lässt dies meinem inneren Antreiber schnell die Puste ausgehen. Noch ein Beispiel? Mich treibt hin und wieder an, es Anderen recht machen zu wollen. Ich habe offenbar schon ganz früh den Glaubenssatz entwickelt: „Meine Bedürfnisse sind nicht wichtig.“ Es gab Zeiten, da habe ich sogar den (natürlichen!) Drang, während der Arbeit zur Toilette zu gehen, unbewusst ignoriert. Essen? Trinken? Nebensächlich. Warum eigentlich? Weil irgendwer noch auf eine Antwort von mir wartete (Wirklich?). Weil ich eine Aufgabe noch schnell abschließen musste (Fünf Minuten später geht das nicht?). Inzwischen heißt es für mich: „Ich darf eine Pause machen!“ oder auch „Ich erlaube mir, in Ruhe und ohne Ablenkung zu essen.“ Meinen insbesondere natürlichen Bedürfnissen gehe ich also inzwischen nach. Reine Übungssache!

Was sind deine inneren Antreiber? Und: Wie nutzt du dein Wissen um sie, um dein Leben künftig leichter zu machen? 

Photo by JESHOOTS.COM on Unsplash

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Lebst du schon oder optimierst du noch?

Selbstoptimierung liegt uns im Blut. Auch wenn wir uns nicht erinnern, so haben wir irgendwann einmal Laufen gelernt. Dafür brauchten wir unzählige Versuche: Aufstehen, Hinfallen, Aufstehen, Hinfallen, Aufstehen…; damit fing alles an. Und irgendwann folgte der erste, noch unsichere Schritt nach vorn, dann der zweite usw. Ich weiß noch, wie meine Tochter das erste Mal ihre ersten Schritte hintereinander machte. Es war in einem dieser damals noch unzähligen Spiele-Cafés in Berlin-Prenzlauer Berg. Sie stand und hielt sich an irgendetwas fest, schaute in die Richtung eines bestimmten Spielzeuges, an das ich mich nicht erinnern kann, und tapste plötzlich los. Ich erwischte mich dabei, wie ich die Luft anhielt und dem Impuls widerstand, zu ihr zu springen und sie beschützend festzuhalten. Meine Tochter lief also ihre ersten Schritte – es waren sicher nicht mehr als zwei -, plumpste dann auf ihren gepolsterten Hintern und war sich ganz bestimmt nicht darüber im Klaren, was sie da gerade gelernt hatte. So oder auf eine andere Art habe auch ich Laufen gelernt und kann heute mehr als zwei Schritte aufrecht laufen. Irgendwann lief ich auch rückwärts, dann kamen Schuhe in unterschiedlichster Absatzhöhe als neue Herausforderung dazu. Wenn ich wollte, könnte ich hier sicher auch noch wachsen; das Laufen auf sieben Zentimeter hohen Absätzen fällt mir schließlich immer noch etwas schwer. 

Zeit und Übung lässt uns besser werden

Du siehst also, mit etwas Übung können wir in allem, was wir tun, über die Zeit besser und besser werden. Selbstoptimierung gehört damit zu uns, ob wir nun wollen oder nicht. Ich erlebe jedoch immer wieder Menschen, denen das zu wenig zu sein scheint. „Höher, schneller, weiter“ – kurz: besser (werden) – ist Programm. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, in der ganz schnell der Blick auf unsere Schwächen gelenkt wird. Medien gaukeln uns zudem vor, dünner seien wir attraktiver. Werbung vermittelt uns, mit Make-up seien wir hübscher. Machen wir uns nichts vor, wir werden niemals fertig. Vielleicht laufe ich in 10 Jahren in High Heels von sieben Zentimetern Absatz über jedes Straßenpflaster, jedoch geht high hier ganz bestimmt auch higher. 

Worum es im Leben geht

Einschlägig wird immer wieder damit geworben, zur „besten Version deines Selbst“ zu werden. Und Persönlichkeitsentwicklung ist toll, aber heißt es nicht auch so oft, dass wir „gut genug“ sind? Habe ich da was falsch verstanden? Nichts gegen Ziele, mit dem ständigen Drang nach Selbstoptimierung lassen wir jedoch nicht zuletzt durch aufkommende Selbstzweifel unser Vertrauen in uns selbst schrumpfen. Wir setzen uns mehr und mehr unter Druck, dem wir irgendwann nicht mehr standhalten können. Meist endet dies dann in Krankheit oder psychischen Problemen. Dabei geht es doch im Leben darum, den eigenen Weg zu finden, nicht den schnellsten oder kürzesten. Warum sollte ich dafür auf etwas schauen, was ich nicht habe? Stattdessen richte ich meinen Blick auf das, was schon da ist. Fülle statt Mangel sollte die Devise sein, und streben wir nicht alle nach einem erfüllten Leben?

In dem, was ich habe, kann ich sicherlich noch besser werden, übertreiben muss ich es nun wahrlich nicht. Ich frage mich heute auch mehr nach dem Grund des dahinter liegenden Bedürfnisses zur gewünschten Verbesserung. Liegt der Grund im Außen, horche ich innerlich auf. Ein Beispiel: Ich möchte mich gesünder ernähren, weil ich damit meinem Körper etwas Gutes tue. Ich fühle mich energiegeladener, schlafe besser und bin konzentrierter. All das sind Gründe, die für meine Zufriedenheit stehen. Mir geht es also nicht maßgeblich darum, einen schlankeren Körper zu erhalten, um attraktiver auf Job- oder Partnersuche zu gehen. 

Du siehst, manchmal ist es besser, das eigene Leben mit mehr Lockerheit anzugehen und sich so zu sehen, wie man ist. Das macht das Leben leichter! 

Photo by Peter Conlan on Unsplash

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Eigenlob stinkt? Nee…

Vor einigen Monaten habe ich damit begonnen, mir selbst jeden Tag schriftlich ein Kompliment zu geben. Das war anfangs gar nicht so einfach. Es gab immer wieder diese eine Stimme in meinem Kopf, die mit ihren vermeintlich schlauen Sprüchen versuchte, mich vom Aufschreiben abzuhalten. „Das bringt doch nichts.“, „Eigenlob stinkt!“, „Pfui, bist du arrogant!“ Die Stimme war jedoch recht schnell verstummt, weil ich ihr keine Taten folgen ließ. Ich machte also damit weiter, mich regelmäßig selbst zu loben. Inzwischen kommen die Komplimente auch unausgesprochen bzw. unaufgeschrieben in meine Gedanken. Ich finde das großartig, weil diese Komplimente an mich selbst meinem Selbstvertrauen einen ordentlichen Schub nach vorne verpassen. Gerade in Zeiten, wo es gerade mal etwas schwerer und grauer ist. 

Eigenlob nimmt Selbstkritik die Luft

Wenn du dir hin und wieder selbst zuhörst, wirst du vielleicht feststellen, dass selbstkritische Gedanken ziemlich oft deinen Tag begleiten. Wenn dir zum Beispiel beim Ausräumen des Geschirrspülers versehentlich ein Glas zu Boden fällt und zerbricht,  heißt es innerlich schnell „War ja klar, dass dir das passiert, Tolpatsch!“. Oder wenn du gerade vom Einkauf nach Hause kommst und feststellst, dass du eine Zutat für das neue Rezept fürs Abendessen vergessen hast, wird schon mal schnell gerufen: „Mann, bist du blöd! Jetzt musst du nochmal loslaufen!“. Wenn du magst, achte bei Gelegenheit darauf. Vielleicht erschrickst du genauso wie ich. Und mal ehrlich, ich würde so nicht mit meiner besten Freundin oder meinem Partner sprechen! Warum also tue ich mir das selbst an? Oftmals halten wir das, was uns gelingt, für so selbstverständlich und überhaupt keines Lobes wert. Nicht zu sprechen über die Erwartungen an uns selbst, dermaßen hoch, sodass wir uns erst mit Perfektion loben möchten. Nicht zuletzt schauen wir lieber auf das, was wir nicht gut machen. 

Wozu brauche ich andere, wenn ich mich selbst loben kann?

Und weißt du, was ich am tollsten am Selbstlob finde? Ich hechele dadurch weniger der Anerkennung durch andere hinterher. Klar, soziale Anerkennung ist eines unserer Grundbedürfnisse. Und natürlich freue ich mich auch weiterhin, mal ein dickes Lob zu erhalten („Hallo, Chef!“), jedoch mache ich mich nicht länger davon abhängig und stelle bei Ausbleiben meinen Wert in Frage. Heute weiß ich mehr denn je, dass alles in mir anfängt. Mit ein paar mehr Komplimenten an mich durch mich selbst fühle ich mich voller Energie, Tatkraft und  Zuversicht.  

Und wie drücke ich Eigenlob aus?

Im Grunde ist die Sache mit den Komplimenten an sich selbst nicht schwer: Nimm‘ dir einen Moment Zeit für dich, wenn dir etwas gelungen ist und sprich‘ dir im Stillen ein Lob aus. Dir bewusst zu machen, dass du etwas Gutes getan hast, ist dabei vielleicht der schwierigere Teil. Mit ein bisschen Übung ist das schnell erlernbar. Ich habe das auch geschafft (… und mich schon dafür gelobt).

An anderer Stelle habe ich mal davon gehört, jeden Tag zehn Erbsen zum Beispiel in die rechte Hosentasche zu stecken. Wann immer man etwas Gutes getan hat, wandert eine Erbse in die andere, hier die linke Hosentasche. Vielleicht magst du das mal ausprobieren? Ich habe jedenfalls nicht schlecht gestaunt, als ich irgendwann zum ersten Mal schon am frühen Nachmittag keine Erbsen mehr an gewohnter Stelle vorfand. Und nein, die Hosentasche hatte kein Loch… Natürlich gelingt mir nicht jeden Tag zehn Mal etwas Gutes, aber ich freue mich auch über vier Mal Lob an mich selbst. Ein Kompliment schenke ich mir übrigens schon, wenn ich etwas tue, das ich sei ein paar Tagen aufgeschoben habe. Eine Erbse steht da ganz sicher und ganz oft für die frisch gewaschene Wäsche, die in den Schrank sortiert werden muss. Du kannst dir auch kleine, erreichbare Ziele setzen (das neue Jahr mit neuen Vorsätzen ist ja nicht weit…), wie zum Beispiel:

  • Heute mache ich für 10 Minuten einen Spaziergang.
  • Ich lese heute eine Seite in einem Buch. 
  • Ich lege heute mein Handy um 21 Uhr im Flugmodus zur Seite. 
  • Heute spiele ich eine Runde „Mensch, ärgere dich nicht“ mit meinem Kind.
  • Ich mache heute drei 5-Minuten-Pausen über den Tag verteilt und schaue dabei aus dem Fenster. 
  • Heute nutze ich die Treppe statt den Fahrstuhl. 

Zack, schon haben sich sechs Erbsen gut in deinen Hosentaschen verteilt. 

Übrigens, hilfreich ist auch, wenn du dir am Ende des Tages drei Dinge notierst, die dir über den Tag gut gelungen sind. Daraus kann ein schönes Ritual werden, um den Tag positiv zu beenden.

So lobe ich mich selbst

Nun, dein Lob an dich selbst kann beispielsweise so aussehen:

  • „Toll, dass du dich um… gekümmert hast!“
  • „Hey, das… ist dir richtig gut gelungen!“
  • „Das… hast du gut gemacht!“
  • „Schön, wie du heute… unterstützt hast!“
  • „Prima, wie du das… heute durchgehalten hast!“

Ich wiederhole es gerne: Anfangs fühlt sich das Ganze schräg an. Jedoch sind das lediglich Gefühle, die (selbstkritischen) Gedanken folgen. Es wird mit der Zeit einfacher, daher lohnt es sich, dran zu bleiben.

Und wofür lobst du dich heute?

Photo by Marc Najera on Unsplash 

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Zeit heilt alle Wunden?

Ein bestimmter Satz ist zeit meines Lebens immer an meiner Seite, und zwar „Die Zeit heilt alle Wunden.“ Er stammt von dem Philosophen Voltaire, welcher im 18. Jahrhundert als Autor maßgeblich die französische und europäische Aufklärung mitgestaltete. Meine Suche nach Bildern von ihm im Internet offenbart zudem ein überwiegend lächelndes Gesicht. Zeugt dies von über die Zeit verheilten Wunden?

Ich persönlich fand das Zitat, wann immer ich es von Anderen zu einem meiner schwierigeren Momente im Leben hörte, fürchterlich! Klar, meist verlangte es mich in diesen emotional aufgeladenen Momenten eher nach Liebe, Trost und schnelle Heilung, weniger nach gut gemeinten Worten für einen langen Atem. In einigen Situationen begann ich jedoch irgendwann, mir diesen Satz selbst zu sagen. Denn, so weiß ich inzwischen, an ihm ist etwas dran. Jede Krise hatte schließlich einen Anfang und ein Ende. Beides hin und wieder schleichend. Immer zeitlich begrenzt. Und damit nicht genug, so war jede Krise von unterschiedlicher Dauer. Wäre ja auch langweilig, wenn ich nur die Tage im Kalender abstreichen müsste… 

Egal, was passiert, es geht vorbei

Machen wir uns nichts vor, es gibt nun einmal in unserem Leben gute und schlechte Zeiten. Und damit sind die guten Zeiten ebenso zeitlich begrenzt. Beides gehört zu uns. Beides lässt uns innerlich wachsen, wenn wir genauer hinschauen. Ich unterteile nicht einmal mehr nach guten und schlechten Tagen, Momenten oder Situationen. Auch Gedanken gehen vorbei. Ebenso Gefühle. Sich dies bewusst zu machen und den Dingen ihre Zeit zu geben, ist zumindest für mich schon ein kleiner Schritt zu mehr Gelassenheit. Und eine gute Portion Vertrauen ins Leben. Alles wird gut. Noch so ein Satz… Und wie war das jetzt mit den Wunden? 

Die Zeit heilt nicht alle Wunden

Ich habe immer wieder Menschen getroffen, die mich berührt haben. Denen ich mich geöffnet habe. Mit diesen Menschen bin ich eine Beziehung eingegangen. Nicht zwingend in Form einer Partnerschaft. Für mich fangen Beziehungen schon sehr viel früher an, nämlich dann, wenn ich mit einem Menschen in einen verbalen oder nonverbalen Austausch gehe. Es gab Menschen in meinem Leben, die haben mein Herz sehr schnell und sehr tief berührt. Nur traf dies nicht immer auf Gegenseitigkeit, sodass ich mir die eine oder andere emotionale Verletzung zuzog. Je intensiver eine Beziehung war, umso tiefer waren die Verletzungen und hinterließen manchmal klaffenden Wunden. Hat hier die Zeit geholfen, diese Wunden zu heilen? Nein!

Mit jeder neuen Beziehung kamen alte Verletzungen wieder hoch. Ich habe dann verstanden, dass dahinter eine Einladung steht. Die Verletzungen luden mich ein, genauer hinzuschauen. Dankbar zu sein für die Erfahrung, den Menschen, die Situation; hierin also auch das Gute zu sehen. Natürlich gelang mir das nicht auf dem Höhepunkt meiner emotionalen Belastung. Hierfür musste mal mehr, mal weniger Zeit vergehen. Zeit, die ich für mich genutzt und auch mit mir zugewandten Menschen verbracht habe. Und ich mache dir nichts vor, ich habe auch Rotz und Wasser geheult und mich im emotionalen Dreck gesuhlt – um schließlich die Wunden zu betrachten und zu reflektieren. Und auch dies dauerte eine Zeit lang. Zeit, die sich jedoch gelohnt hat, denn jede dieser intensiveren Beziehungen hat mich etwas gelehrt und mich im Leben vorangebracht. Und darum geht es doch am Ende, oder? Ich übe mich also weiterhin im Annehmen, Akzeptieren, Verzeihen und Wunden versorgen, indem ich mir selbst etwas Gutes tue. So lässt es sich schließlich in vollem Bewusstsein leichter loslassen. Meine Entscheidung. Meine Haltung. 

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