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Zurück in die Zukunft: Wie du mit deiner Vergangenheit aufräumst

Gehörst du auch zu den Menschen, die meinen, dass man die Vergangenheit besser nicht anrührt? Du sagst, vorbei ist vorbei? Für mich steckt darin nur die halbe Wahrheit. Für mich steckt in der Vergangenheit ein, nun ja, zumindest kleiner Schatz. Zuerst: das Verstehen. Ich verstehe mit Blick in meine Vergangenheit, warum ich so ticke, wie ich ticke. Ich verstehe meine Ticks und meine Macken. Ich verstehe, warum mich manche Situationen oder auch Menschen triggern. Und damit gelingt mir Loslassen immer leichter und schneller. Sehnst du dich nicht auch danach, Vergangenes so richtig hinter dir zu lassen? Und ich habe noch ein Stück Schatz für dich: Ich glaube fest daran, dass du dir deine Zukunft aktiv selbst gestalten kannst, wenn du einen Blick in die Vergangenheit wirfst. Versteh‘ mich nicht falsch, ich liebe es, im Hier und Jetzt zu sein. Um hier jedoch Zufriedenheit zu finden, wahrzunehmen oder bewusst herbeizuführen, habe ich zunächst mit der Vergangenheit aufräumen müssen. Es hat verdammt wehgetan, denn es kamen Erlebnisse und Gefühle zutage, die ich längst verdrängt hatte. Vergessen, weil ich Ablenkung gesucht habe. Ich hatte auf die Vogel-Strauß-Taktik gesetzt. Lieber den Kopf in den Sand stecken, als mich sehenden Auges Problemen und Herausforderungen zu stellen. Im Sand haben diese nicht existiert. Ich wusste jedoch, wenn ich zufrieden nach vorn schauen möchte, muss ich an die alten Wunden ran. Sie mit Neugier und Offenheit anschauen, hin und wieder bluten lassen und schließlich – nähen. Du meinst, ein Pflaster reicht? Hmm, das habe ich auch mal gedacht. Und glaub‘ mir, ich habe jahrzehntelang Unmengen von Pflastern geklebt! Irgendwann sind sie abgefallen und die alten Verletzungen sind wieder in Erscheinung getreten. Sie wollten gesehen werden, damit endlich Heilung stattfinden konnte. Problem gelöst, die Karten für die Zukunft neu gemischt, das Spiel des Lebens geht weiter. 

Tritt die Reise in die Vergangenheit an

Ich sag’s, wie es ist: Wenn du deine Vergangenheit nicht aufarbeitest, wirst du lebenslang unter den Ereignissen aus längst vergangenen Zeiten in deinem Leben leiden. Du musst also einige schmerzhafte Erlebnisse aus deiner Vergangenheit in das Licht der Gegenwart holen, um sie loszulassen und damit den Weg für dein Wohlbefinden und dein Selbstbewusstsein freizumachen. So viele Menschen erleben im Laufe ihres Lebens traumatische Situationen. Oftmals gelingt es ihnen, diese entweder aus eigener Kraft oder mit Unterstützung zu bewältigen. Handlungsbedarf besteht dann, wenn die gemachten Erlebnisse uns einschränken, uns leiden lassen. So kann aus erlebtem Mobbing in der Schule Angst vor Sichtbarkeit entstehen. Oder aus toxischen Beziehungen Angst vor Nähe in neuen Beziehungen. Oder aus Mangel an Nähe beim Aufwachsen ein Mangel an Selbstvertrauen. Ich bin davon überzeugt, dass man nicht die gesamte Vergangenheit aufräumen und detailreich analysieren muss, um ein zufriedenes und selbstbestimmtes Leben zu führen. Ich lade dich daher ein, in den Seiten deiner Vergangenheit zu blättern, die dir immer wieder vor die Füße fallen. Meistens passiert das dann, wenn negative Gefühle wie Angst, Sorgen, Ohnmacht oder Stress im Spiel sind. Dann schau‘ mal hin, an welche Situation(en) in der Vergangenheit dich diese Gefühle erinnern. Hier liegt der Schlüssel für eine andere Zukunft.

Dir gehört die Zukunft, nicht die Vergangenheit

Schon mit drei Schritten kannst du mit dem Blick zurück deine Zukunft gestalten:

  1. Nimm die Vergangenheit an, wie sie ist: Der erste Schritt ist immer das Annehmen der Situation, und zwar so wie sie ist. Dabei kann die Situation im Gestern liegen oder eben Jahre zurück. Geh‘ dazu raus aus der Opferhaltung und bekämpfe nicht das, was war. Bedenke stets, Mitleid für dich zieht Mitleid von außen an. Übernimm‘ Verantwortung für dein Leben. Unschöne Erlebnisse sind geradezu die besten Lehrmeister für unsere persönliche Entwicklung. Frag dich also gar nicht erst, warum es dich getroffen hat, sondern akzeptiere, dass es eben so ist und versuche lieber, dem Ganzen etwas positives abzugewinnen. 
  2. Spüre Glaubenssätze und Gedanken auf, die dir im Weg stehen: Schon früh im Leben haben wir Annahmen über das Leben getroffen, die uns andere Menschen oder Situationen vermittelt haben. So nehmen wir nun die Welt unter Umständen anders wahr, als sie tatsächlich ist. Haben wir in der Vergangenheit erfahren, dass die Welt ein gefährlicher Ort ist, nehmen wir sie auch so wahr. Mit solchen negativen Glaubenssätzen können wir Schluss machen. Glaubenssätze spiegeln sich in unseren Gedanken wider und haben eine unglaubliche Macht. Hier habe ich schon einmal darüber geschrieben. Lausche deinen Gedanken und du kommst mehr und mehr deinen Geschichten sowie Glaubenssätzen aus deinen Erfahrungen der Vergangenheit auf die Spur. 
  3. Lass‘ los, was mit der Gegenwart nichts mehr zu tun hat: Erzählst du dir immer wieder Geschichten, die mit der Gegenwart absolut gar nichts zu tun haben? Wenn ja, dann blockiert dich mit hoher Wahrscheinlichkeit noch ein alter Schmerz, der losgelassen werden will. Dieser Schmerz haftet so lange an dir, so lange du in der Wiederholungsschleife der Geschichte verweilst. Heilung passiert dann, wenn du hinschaust und -fühlst. Erlaube dir, jedes Gefühl da sein zu lassen. Mit deiner Wahrnehmung gelingt der Blick mehr auf das, was jetzt da ist. Du erfährst Klarheit, und der Filter der Vergangenheit verschwindet. Und damit auch die alte Geschichte… 

Mein Motto lautet: Erfahre, fühle, erkenne, wachse. Je länger die Erfahrungen zurückliegen, braucht es also unter Umständen das nochmalige Fühlen vor dem Erkennen aus einer anderen Perspektive. Sei dabei gut zu dir und lass dir Zeit. Geduld hilft hier enorm. Manchmal braucht ein solcher Prozess Jahre. Auch in kleinen Schritten kannst du nach vorne laufen. Höre dabei auf deinen Bauch, was sich für dich stimmig und richtig anfühlt. Welche Geschichte aus deiner Vergangenheit möchtest du als Erstes loslassen?

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Persönlichkeit

Wer bist du? Was macht dich aus?

Ich habe Pläne. Pläne, die es erforderlich machen, über mich selbst nachzudenken. Familie, Freunde wie Bekannte, die hier mitlesen, mögen die Augen verdrehen und/oder laut auflachen. Sie kennen mich nicht anders. Ich mache das gerne. Das hat auch einen entscheidenden Vorteil: Ich weiß, wer ich bin. Ich kenne meine Stärken und Talente, sodass ich hier selten etwas Neues entdecke. Wissen und Erfahrung baue ich fortwährend aus. Ich schreibe quasi meine Lebensgeschichte stetig weiter. Meine natürlichen Gaben und Talente helfen mir hierbei. In Zeiten, in denen es mal etwas anstrengend, unübersichtlich oder holprig ist, hilft ein Blick auf meine Lebensgeschichte.Sie zeigt mir, dass in all dem, was ich erlebe und erfahre, etwas steckt, an dem ich wachsen kann. Um neue Wege einzuschlagen. Neuland zu betreten. Den Zeh, den Fuß oder gleich das ganze Bein aus der Höhle namens Komfortzone herauszustrecken. Ich treffe immer wieder Menschen, die bislang nicht auf sich und ihre eigene Geschichte geschaut haben. Das ist auch in Ordnung, schließlich können damit Erinnerungen an Vergangenes geweckt werden. Und manchmal tut das dann eben weh. Wenn jedoch der Blick statt auf sich selbst eher auf die fällt, die vermeintlich mehr schaffen, attraktiver aussehen, mehr Geld auf dem Konto haben, kann das Folgen haben. Dann wird das eigene Unwohlsein genährt und führt statt auf neue Wege direkt ins Erstarren oder Weglaufen. All das hat Auswirkungen auf unser Umfeld, denn es spürt und sieht unsere Unzufriedenheit. Da denke ich also gern mal über mich selbst und meinen Weg nach, um Kraft zu sammeln oder neue Ideen für den weiteren Weg zu kreieren.

Deine Persönlichkeit, dein Leben

Wenn du in deine Persönlichkeit eintauchst, hast du mit Blick auf deine Stärken und Talente die Wahl, noch mehr aus deinem Leben zu machen. Der Blick auf dich und dein bisheriges Leben ist sehr spannend. Das Ganze hat sogar das Potenzial, ein wahrer Augenöffner zu sein. Hast du Lust darauf, dich selbst (noch besser) kennen zu lernen? Ich lade dich also auf ein Date mit dir selbst ein. Nimm dir ein wenig Zeit und ein bisschen Papier – und lass uns loslegen: 

  1. Welche natürlichen Gaben und Talente hast du? Wofür haben dich die Menschen in deiner Umgebung schon immer bewundert? Was machst du total gerne und vergisst darüber schon einmal die Zeit? Vielleicht bastelst du gerne, schreibst oder liest oft. Vielleicht liegt dir Kochen, Gärtnern oder Häkeln ganz besonders. Oder aber du kannst gut mit Kindern oder Tieren umgehen. Du erzählst vielleicht gern Geschichten oder reißt gute Witze. Geh‘ deinen Fähigkeiten auf die Spur, sie können so vielfältig sein. 
  2. Was sind deine natürlichen Stärken, deine persönlichen Kompetenzen? Stell‘ dir vor, du sitzt in einem Jobinterview und wirst danach gefragt. Was gibst du an? Was zeichnet dich aus? Ist es deine Hilfsbereitschaft oder deine Sorgfalt? Vielleicht bist du organisatorisch stark, besonders belastbar, kommunikativ. Oder aber du zählst Empathie, Engagement, Offenheit für Neues dazu. Hier gibt es viel zu entdecken.
  3. Über welches Wissen und welche Qualifikation verfügst du? Welche Kurse, Seminare, Fortbildungen etc. hast du besucht? Welches Wissen hast du dir selbst angeeignet? Gab es Bücher oder Zeitschriften zu bestimmten Themen, du du gelesen hast? Du wirst staunen, was du alles in deinem Leben schon „mitgenommen“ hast. Bücher über Persönlichkeitsentwicklung. Kochbücher mit ausgefallenen Rezepten. Eine Ausbildung, ein Studium, eine Weiterbildung. Kurse im Kochen, Stricken oder Töpfern. Mach‘ dir bewusst: es muss nicht für alles ein Zertifikat vorliegen. 
  4. Welche Erfahrungen hast du in deinem Leben gemacht? Was gehört in deine Lebensgeschichte? Vielleicht hast du Trennungen und Liebeskummer überwunden. Eine Wohnung gekauft, auf Reisen neue Kulturen kennen gelernt. Eine Krankheit überstanden. Ein Buch geschrieben oder ein Vier-Gänge-Menü gekocht. Autofahren, Motorradfahren, Traktorfahren. Den richtigen Partner gefunden. Lass‘ alles kommen, was raus will – und sei stolz auf dich und deine Erfahrungen!

Der rote Faden in deiner Lebensgeschichte

Was hast du über dich erfahren? Hast du dir etwas zurück ins Bewusstsein gerufen, das du längst vergessen hattest? So ist es mir seinerzeit ergangen. Es war die pure Freude, etwas wiederzuentdecken, das zu mir gehört. Es ist deine Geschichte, und vielleicht verstehst du einmal mehr, warum  ein jeder von uns einzigartig ist. All das, was du aufgeschrieben hast, zeigt auf, wer du bist. Ein wahrer Schatz! Unter Umständen entdeckst du einen roten Faden, der es dir erlaubt, einen Blick in die Zukunft zu wagen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass hierbei die tollsten Ideen entstehen. Solltest du diese anschließend umsetzen, erweiterst du deine Lebensgeschichte um neue Erfahrungen, auf die du stolz sein kannst. Wahrlich ein Geschenk! 

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Öffne die Pforten deiner Wahrnehmung

Letzte Woche hatte ich etwas vollgepackt. Da waren verschiedene private und berufliche Termine. Ideen, die besprochen werden wollten. Entscheidungen und Herausforderungen, die angegangen werden wollten. Räder, die gewechselt werden mussten. Irgendwann kam ich an einem Spiegel vorbei und erwischte mich selbst beim Gedanken: „Boah, siehst du schrecklich aus!“ Kaum gedacht und wahrgenommen, musste ich schon lachen – und sagte Hallo zu meinem inneren Kritiker. Es ist einige Jahre her, da hätte dieser das Gedankenkarussell angeschubst und mich der Selbstverachtung ausgeliefert. Umso schöner also zu sehen, dass es auch anders geht, wenn ich mir meiner Gedanken gewahr werde. So wie vergangene Woche. Lachen hilft. Und über sich selbst sowieso. Mit dem Gedanken konnte ich so weiterlaufen, in die Ruhe und Fürsorglichkeit für mich selbst. Denn das war es, was ich brauchte. Und prompt fiel ein Termin aus. Das Leben meint es gut mit mir. 

Unsere Wahrheit, unsere Realität

So, wie wir uns selbst wahrnehmen, verläuft die Geschichte, die wir uns erzählen. Wir schaffen uns damit unsere Realität in dem Moment, wenn wir den Gedanken, so wie ich es vergangene Woche erfuhr, Glauben schenken. In meiner obigen Erfahrung gebe es zudem ein weiteres Bild, nämlich das von außen, hätte ich meinen Gedanken im Beisein anderer laut ausgesprochen. Andere hätten ihre jeweils eigene Wahrnehmung, ihre Realität, in Worte gepackt, die mit hoher Wahrscheinlichkeit das Wort „schrecklich“ nicht enthielten… Du siehst, jeder Einzelne lebt seine eigene Wahrheit. Spannend wird es, wenn du in herausfordernden Situationen deine Wahrnehmung mit anderen teilst. Auch das ist mir letzte Woche in einem Dialog passiert. Und glaub‘ mir, die Wahrnehmungen hätten nicht weiter auseinander liegen können. Wie oft bilden wir uns ein Urteil über jemanden, der uns in irgendeiner Art und Weise triggert? Jemand, dessen Worte unser Unterbewusstsein und damit längst vergangene Erfahrungen ankratzt und uns eine Situation ganz anders wahrnehmen lässt, als sie tatsächlich ist. Darüber sprechen hilft, auch wenn das nicht immer leicht ist. Oftmals merken wir dabei am ehesten, wie kritisch wir uns selbst gegenüber sind.

Selbstbild vs. Fremdbild

Wie nimmst du dich selbst wahr? Ich bin davon überzeugt, dass wir uns selbst kritischer sehen als andere das tun. Es handelt sich dabei um eine Art Selbstschutz, damit wir in Sicherheit bleiben. Magst du es ausprobieren? Schreib‘ doch mal die drei positivsten Beobachtungen auf, die du von dir selbst hast. Wahrscheinlich fällt es dir leichter, als dich in Selbstkritik zu üben, daher nimm dir ein wenig Zeit. Überlege anschließend, wie diese Eigenschaften Licht und Positivität in dein Leben bringen. Nun nimm‘ dir die andere Seite vor und schreibe drei selbstkritische Beobachtungen über dich selbst auf. Vielleicht hast du dich über diese Beobachtungen schon mit anderen ausgetauscht. Daher denke nun an einen dir bekannten Menschen, der all die negativen Punkte so gar nicht an dir sieht. Warum glaubst du, dass deine negative Wahrnehmung richtig ist und die positive Wahrnehmung der anderen Person falsch? Hier hilft es erneut, alles aufzuschreiben. Ich bin gespannt, was du für Antworten findest. Allein dieser Prozess kann schon augenöffnend sein. Wenn du nun beide Listen deiner Wahrnehmungen nebeneinander legst, liegt darin die Einladung verborgen, dich von deiner negativen zu deiner positiven Wahrnehmung über dich selbst zu bewegen. Was kannst du loslassen? Was kannst du verändern? Überleg‘ dir ein paar Wege, wie du Veränderung möglich machen kannst. Schreib’s gerne wieder auf. Ein Beispiel kann folgender Satz sein, der ab sofort in deinem Leben einen Platz findet: „Ich werde mich nicht selbst runterziehen.“. Viel Spaß beim Reflektieren!

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Umzingelt von Menschen in Opferhaltung? Anzeichen & Wege, damit umzugehen

Immer wieder begegnen uns Menschen, die unbewusst in der Opferrolle verharren und Ansprüche und Erwartungen an ihre Mitmenschen äußern, ohne sich darüber bewusst zu sein, dass sie Beziehungen damit eher schwer als leicht und unbeschwert machen. Mir begegnen diese Menschen inzwischen nahezu täglich. Ich erkenne sie recht schnell, nicht zuletzt, weil ich selbst weiß, wie es sich anfühlt, es sich in der Opferhaltung gemütlich zu machen. Ja, ich habe diese Erfahrung auch gemacht. Ich als Opfer – das ist verdammt sicher und bequem. Es hat mir allerdings äußerst selten etwas mehr gebracht als Selbstschutz. Tatsächlich aber habe ich mich meiner Eigenverantwortung entzogen und die anderen mit meinem Verhalten bestraft. Andere Menschen oder Situationen für mein Leid verantwortlich zu machen, ist für mich inzwischen kein Weg mehr. Jedoch ist das Beschreiten dieses Weges für so viele Menschen weit verbreitet: Schuld sind die anderen. Schuld sind die Umstände. Nichts anderes als Ausreden. Die Gefahr ist recht hoch, selbst die Opferhaltung einzunehmen, wenn wir uns durch unser soziales Umfeld, andere Menschen oder auch Situationen negativ beeinflusst fühlen. Wir riskieren dann in Schockstarre zu verfallen, sodass jegliches aktives Handeln erschwert wird und wir uns damit aus der Verantwortung ziehen, um unseren eigenen Beitrag zu leisten. Aber müssen wir uns damit abfinden, wenn uns andere mit dieser Einstellung begegnen und ihre Themen zu unseren machen wollen? Nein!

Typus Opfer: nur ein Jammerlappen?

Im Laufe der Zeit habe ich im beruflichen wie auch persönlichen Umfeld vieles an Verhalten gesehen, was den Typus Opfer gut beschreiben lässt. Hieran kann auch du ihn erkennen:

  • jammert stets und ständig und weist jeglichen eigenen Anteil zurück
  • ist nicht bereits, seinen eigenen Beitrag zu leisten, sodass sich etwas ändern kann
  • fühlt sich bei Kritik schnell persönlich angegriffen
  • weiß weder um Eigenverantwortung noch um Selbstreflexion
  • manipuliert, um beim Gegenüber Schuldgefühle zu erzeugen
  • hat Angst vor Entscheidungen
  • ist permanent unzufrieden
  • erwartet, immer etwas zurückzubekommen (auch Dankbarkeit, Anerkennung)
  • stellt gern eigene Wünsche statt die anderer in den Vordergrund, um etwas zu bekommen
  • ist oft unsicher, weil wenig Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen vorhanden ist

Sich in die Opferhaltung zu begeben, ist immer eine Entscheidung, auch wenn sie unbewusst erfolgt. Menschen erhoffen sich dadurch Trost und Mitleid, was nichts anderes ist als Aufmerksamkeit. Tipps und Ratschläge wollen dann gar nicht erst gehört werden. Sich in solchen Momenten mit „Gleichgesinnten“ zu treffen, hilft vermeintlich mehr, als „den Stier bei den Hörnern zu packen“ und die persönliche Entscheidung zu treffen, das Thema anzugehen.

Abgrenzung hilft, sich selbst zu schützen

Auch wenn wir uns Menschen in Opferhaltung gegenüber sehen, so haben wir immer die Wahl: Wir können das Opferverhalten im Gegenüber ignorieren (und uns damit mehr Leichtigkeit ins Leben holen), uns erlauben, auf Distanz zu gehen oder auch ein Gespräch anzubieten. Wenn dein Gegenüber zum Dialog bereit ist, sei dir bewusst, dass es dafür einen angemessenen Rahmen braucht, der nicht aus negativen Gefühlen heraus entsteht. Mit Mitgefühl und Verständnis kannst du Prägungen aus der Vergangenheit nachgehen, denn das Fundament für das Einnehmen der Opferrolle wurde meist durch unangenehme Erfahrungen in der Kindheit gelegt. Begegne deinem Gegenüber immer vorwurfsfrei und zeige auf, ohne den belehrenden Zeigefinger zu heben, welches Potenzial darin liegt, die Opferhaltung abzulegen und das eigene Leben selbst in die Hand zu nehmen. Kleine aktive Schritte können motivieren, neue Erfahrungen zu machen, die die Opferrolle ablegen lassen. Unterstützung geht natürlich nur, wenn dein Gegenüber die Opferrolle auch loslassen will. Es gibt darüber hinaus auch Menschen, die sich in ihrem Rollenverhalten so schutzbedürftig fühlen, dass es weiterer Hilfe bedarf, um allein aus der Opferrolle herauszufinden.

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Persönlichkeit

Wachstumsschmerzen: Wenn dir Veränderung weh tut

Veränderung ist nicht einfach. Sie ist unbequem. Sie stichelt, brennt und lässt auch mal die Tränen fließen. Das habe ich letzte Woche gespürt. Eine neue Situation hat mich in Wunden blicken lassen, auf die ich offenbar lediglich ein Pflaster geklebt hatte. Alte Glaubenssätze ploppten hoch und hielten mich fest umschlungen. Puh! Die Drama Queen hat ihr Gesicht gezeigt. Und ganz gleich, was ich in den letzten Jahren gelernt habe; es war wie weggefegt. Einmal von innen leergeräumt. Meine Ablenkungsmanöver funktionierten nur bedingt. Ich war mächtig aufgewühlt. Neue Wege taten sich auf, die mich verunsicherten und mir meine eigenen Unzulänglichkeiten spiegelten. „Einfach mal machen“ bekam eine andere Bedeutung, und ich entdeckte den einen oder anderen Widerstand in mir. Die Situation einfach anzunehmen, fühlte sich fürchterlich an. Irgendwie ausgeliefert. Doch je mehr ich mich wehrte, umso mehr blockierte ich mich selbst. Ich merkte, da kommt Veränderung auf mich zu, die ich so nicht eingefordert hatte.

Veränderung ist Muskeltraining

Wenn du dich verändern möchtest, braucht es Training. Letztlich ist Veränderung nichts anderes als ein Muskel, der trainiert werden muss. Erinnerst du dich, wie du gelernt hast, Rad zu fahren? Gab es Stützräder an deinem Rad? Hielt dich anfangs jemand am Gepäckträger fest? Bist du schließlich ohne Unterstützung gefahren und das erste Mal bergabwärts gestürzt? Egal, wie viele Schrammen und blaue Flecken du dir geholt hast, heute fährst du lange Radtouren, weißt um die Bedienung von Bremsen, Gangschaltung und Licht. Du bist in der Übung geblieben. Du bist sicher geworden. Dein Muskel gestärkt. Um nichts anderes geht es bei Veränderung. Und Veränderung passiert immer in unserem Leben. Manchmal wollen wir sie und laden sie bewusst in unser Leben ein. Und manchmal braucht sie auch keine Einladung und geschieht einfach so wie mir vergangene Woche. Schrammen jedoch sind fast immer dabei, denn es geht um das Loslassen von Vertrautem. Etwas, das uns vorher vielleicht mal lieb war. Aber deshalb Veränderung vermeiden? Irgendwann kann der Leidensdruck ohnehin so groß sein, dass wir gar nicht mehr anders können, als in die Veränderung zu gehen. Und manchmal sind wir auch einfach reif dafür, den nächsten Schritt in unserer Entwicklung zu gehen. Ich habe meine Veränderung ganz sicher nicht umarmt, jedoch die Arme ein wenig mehr geöffnet – und damit mich, um zu lernen, wie ich dieser Situation am besten begegnen kann.

Lerne, mit Wachstumsschmerzen umzugehen

Schon sehr früh in unserem Leben sind wir mit Veränderung konfrontiert. Ich denke, es gibt kaum eine Phase, in der wir so viel gelernt haben, als als Kinder. Körperlich kamen diese Veränderungen ganz von allein. Wir sind ihnen wohlwollend entgegengetreten. Trinken, Essen, Stehen, Laufen, Sprechen… Wie gewaltig waren diese Wachstumsschritte! Schmerzen gab es auch hier: Beim Laufen lernen sind wir sicher nicht nur einmal hingefallen, und dennoch sind wir immer wieder aufgestanden. Irgendwann ist aus dem Üben reine Routine geworden. Ohne darüber zu viel nachzudenken, haben wir darauf vertraut, dass auch wir irgendwann laufen können wie die Großen. Wir hatten dabei unendlich viel Geduld. Und diese kam uns irgendwann mehr und mehr abhanden, wenn wir der äußeren Welt mehr Beachtung geschenkt haben als uns selbst. Vertrauen hat sich in Misstrauen gewandelt, und somit haben wir es uns versagt, weiter zu wachsen und den Wachstumsschmerzen offen zu begegnen. Dabei gibt es einige Wege, mit diesen Schmerzen umzugehen. Nachfolgend verrate ich dir, was mir bislang gut geholfen hat:

  • Halte den Schmerz aus: Schmerz zu vermeiden, hilft nicht. Mach‘ ihn dir eher zum Partner der Veränderung. Verdrängung ist seit jeher keine gute Strategie, der Schmerz kommt wieder. Es ist nur eine Frage der Zeit. Sinnvoller ist es daher, den Schmerz anzunehmen und dir deiner Gefühle, Gedanken und Unsicherheiten bewusst zu werden, sodass sie an Macht verlieren. 
  • Teile deinen Schmerz mit anderen: Sprich‘ mit dir nahestehenden Menschen über deinen Schmerz und was dir auf der Seele liegt. Eine starke Verbundenheit ist dann vorhanden, wenn deine Freunde auch in schwierigeren Zeiten an deiner Seite sind statt sich umzudrehen. Akzeptiere, sollte genau das passieren, und sei erfinderisch: Schreiben, Tanzen, Schreien können auch befreiend sein. Vielleicht tun sich auch neue Freundschaften auf oder lose Bekannte werden zu echten Freunden. Alles ist möglich. 
  • Wechsele die Perspektive: Wenn du mir schon länger folgst, kennst du diesen Tipp bereits. In ihm liegen so viele Chancen. Es hilft immer, sich aus der Negativität auf das Positive zu fokussieren. Welcher Nutzen liegt auf der Veränderung? Wozu ist der Schmerz dienlich? Schreib‘ es dir auf, damit du in leidvolleren Momenten Trost finden kannst. 
  • Atme: Wachstumsschmerzen bedeuten Stress, und unter Stress atmest du flach und kurz. Stimmung und Atmung sind eins, daher atme tief und bewusst, damit nicht noch mehr Schmerz entsteht. So bleibst du in deiner Kraft und Kreativität, mit der Veränderung umzugehen.
  • Lass sich von deiner Vision leiten: Richte das Pendel auch in dunklen Momenten immer wieder auf deine Träume aus. Folge ihnen, auch wenn du gerade das Tal der Tränen durchläufst. Hab‘ den Mut, groß und verrückt zu träumen und sei offen für das Leben, das gerade dann für Überraschungen sorgt. 

Da draußen gibt es sicher Menschen, die scheinbar leichtfüßig und voller Begeisterung in die Veränderung gehen. Vielleicht gelingt es ihnen auch nur ganz gut, ihren Schmerz vor anderen nicht zu zeigen. Oder sie haben schon hinreichend Wachstumsschmerzen erlebt und wissen damit umzugehen, um mehr in der Leichtigkeit zu bleiben. Auch Menschen, die sich mit persönlicher Entwicklung beschäftigen, kennen dunkle Tage. Ich weiß inzwischen, dass Wachstumsschmerzen dazugehören und übe mich darin, Veränderungen bewusst herbeizuführen. Bisher habe ich daraus immer gelernt, und das gibt mir die Kraft, aktiv dabeizubleiben und so mein Leben zu gestalten. 

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Persönlichkeit

So machst du Schluss mit negativen Glaubenssätzen

Du und ich, wir haben etwas gemeinsam. Glaubenssätze. Innere Überzeugungen, die unsere Einstellung zu uns und anderen, unser Verhalten und auch unsere Entscheidungen beeinflussen. Und mit uns beiden leben da draußen derzeit etwa 7,8 Milliarden Menschen auf der Welt, die ihre eigenen Annahmen über sich selbst mit sich herumtragen und damit unbewusst die Qualität ihres Lebens sabotieren. Zumindest, so lange diese Annahmen negativ geprägt sind. Und zumindest so lange, wie sie sie für die Wahrheit halten. Zwei Glaubenssätze, die sich in mir hin und wieder auftun, sind: „Ich bin nicht gut genug.“ und „Ich bin nicht wichtig.“ Oft bemerke ich das heute, wenn mir ein Gedanke bewusst wird, der mit „Ich muss…“ oder „Er soll…“ oder auch „Die dürfen doch nicht…“ beginnt. Wenn du anderen Menschen zuhörst, wird dir auffallen, dass diese ganz ähnlich ticken, reden und handeln. Immer auf der Grundlage ihrer Glaubenssätze. Immer auf der Grundlage ihrer eigenen Wahrheit. Doch was steckt eigentlich dahinter? Und vor allem, wie werden wir sie wieder los?

So entstehen Glaubenssätze

Glaubenssätze stecken ganz tief in uns. Sie haben einen Anker an Annahmen in uns geworfen, wie wie uns und die Welt sehen. Wir kommen noch ohne sie auf diese Erde, denn als Baby haben wir noch keine inneren Überzeugungen in uns verankert. Sie entstehen durch unsere Erfahrungen zuallererst im Elternhaus. Wenn wir hier als Kind viel Liebe und Fürsorge erfahren, nehmen wir uns als liebenswert und wichtig wahr. Im weiteren Verlauf machen wir neue Erfahrungen mit Geschwistern, Großeltern, Kita, Schule, Freunde, eben unserem jeweiligen sozialen Umfeld. Es heißt, wir seien der Durchschnitt der fünf Menschen, mit denen wir am meisten Zeit verbringen. Wenn wir hier Botschaften empfangen, dass mit uns etwas nicht in Ordnung sei, halten wir dies für wahr. Letztlich erzählen wir uns somit immer wieder eine Geschichte. Und je öfter wir uns diese Geschichte erzählen, umso mehr beeinflusst uns das, wie wir uns fühlen. Und umso mehr gräbt sie sich im Unterbewusstsein ein, und das will immer wieder Bestätigung. Somit ziehen wir immer wieder Situationen oder Menschen in unser Leben, die unsere Geschichte bestätigen. Wenn du beispielsweise der festen Überzeugung bist, dass du nicht gut genug bist, kann es passieren, dass die nächste Beförderung oder Gehaltserhöhung an dir vorbeigeht. Oder der Typ, mit dem du gerne ein zweites Date verbringen möchtest, dich plötzlich ignoriert. Dann kommen schnell Gedanken auf wie „Immer passiert das mir.“ oder „Die anderen sind einfach besser als ich.“. Unsere Geschichten werden also durch immer wieder neue Erfahrungen zu unserer Realität, jedoch gibt es einen Schlüssel zum Glück: Diese Realität ist nicht in Stein gemeißelt und kann geändert werden. Wie?

Weg mit Glaubenssätzen, die dir das Leben schwer machen

Jeder einzelne deiner Glaubenssätze ist ein Resultat deiner Erfahrungen, Denkgewohnheiten und deines Umfelds. Du kannst damit jeden dieser Glaubenssätze verändern oder auflösen. Dafür musst du sie zunächst einmal erkennen. Dich ihrer bewusst machen. Mein Tipp für dich: Mach’s sie dir bewusst in schwierigeren Zeiten. Wenn es mal wieder kracht in deinem Leben, du unzufrieden bist, dann sind da negative Gedanken im Spiel. Was denkst und glaubst du dann? Höre dir auch gerne mal selbst zu, wenn du mit anderen sprichst. Klopfst du gerne mal einen Spruch wie „Von nichts kommt nichts!“ oder „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“? Wenn du deine Glaubenssätze entlarvt hast, dann frag‘ dich: Ist das wirklich so? Wie wäre dein Leben ohne diesen Glaubenssatz? Schau‘ sie dir noch einmal an und vielleicht denkst du bereits an der einen oder anderen Stelle, was für einen Unsinn du in deinen Gedanken aufgetan hast. Das ist dann die einfachste Auflösung. Bei den fester sitzenden Glaubenssätzen darfst du dich auch gerne fragen, woher sie kommen. Vielleicht fällt dir direkt eine Situation aus deiner Kindheit ein? Eine Auseinandersetzung mit der besten Freundin? Das Motzen eines Lehrers? Gib den Glaubenssatz dorthin zurück, wo er herkommt. Einige verwenden gedanklich hierfür ein bisschen Glitzer, um es leichter, unbeschwerter zu machen. Wichtig ist zu erkennen, dass die Wahrheiten anderer nicht zu dir gehören. Du bist die einzige Person, die weiß, wer sie in Wahrheit ist. Entscheide dich dafür, genau diese Person zu sein! Und drehe den Glaubenssatz ins Positive um, wobei mir anfänglich noch ein Übergangssatz geholfen hat. So wird aus „Ich schaffe das nicht.“ zunächst „Ich schaffe das noch nicht.“ oder „Ich glaube in diesem Moment, dass ich das nicht schaffe.“ und schließlich „Ich schaffe das.“ Auch hier liegt der Erfolg wieder im Prozess des Ausprobierens. Wenn du also das nächste Mal in einem negativen Glaubenssatz gefangen bist, formuliere ihn ein wenig um. Und denk‘ immer daran, dass es ein momentaner Zustand ist und nicht immer so sein wird. Hilfreich ist das übrigens auch, wenn sich dein innerer Kritiker mit dir anlegt. Du hast es in der Hand. Traue dich, auch neue Erfahrungen zu machen. Neue Erfahrungen werden neue Glaubenssätze schaffen, die die negativen Glaubenssätze verändern bzw. sich durch positive Glaubenssätze ersetzen lassen. Daher steh‘ für dich selbst ein und übe ein wenig. Aus der Übung wird Routine, die Vertrauen schafft, und so kommt es zur Veränderung, die einen dauerhaften Wandel nach sich zieht.

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Persönlichkeit

Empathie? Was ist das?

Empathie ist in aller Munde. Viele Unternehmen setzen auf sie bei der Auswahl neuer Mitarbeiter:innen. Singles wünschen sich sich eine:n empathische:n Partner:in. Es gibt heute unzählige Zeitschriften, Bücher und Podcasts, in denen für Empathie ihren Platz findet. Empathie, so heißt es, macht erfolgreich. Empathie macht glücklich. Empathie – das muss man einfach haben. So viel ist sicher, Empathie ist machtvoll, vor allem in der Kommunikation mit anderen. Das fällt auch gerade in diesen unsicheren Zeiten auf. Zeiten, in denen ein Virus uns durch Distanz emotionale Bindungen erschwert. Der starken Wirkung von Empathie können wir jedoch auch selbst begegnen, in der Art und Weise, wie wir mit uns selbst sprechen. Wenn es nicht möglich ist, mir selbst hinreichend empathisch zu begegnen, wie soll mir das anderen gegenüber gelingen? Aber was steckt konkret dahinter?

Was ist Empathie überhaupt?

Macht man sich auf die Suche nach einer eindeutigen Begriffsdefinition, führt zumindest das Internet die verschiedensten Fachausdrücke zur Empathie auf. Einfühlungsvermögen, Mitgefühl, Verständnis, Sensibilität sind Begrifflichkeiten, die am häufigsten in Verbindung mit Empathie auftauchen. Ich habe privat wie beruflich häufig Gespräche erlebt, bei denen Menschen auf Emotionalität wie folgt reagieren: „Oh, du Arme:r!“, „Du, das tut mir Leid!“ oder auch „I feel you!“. Anschließend wird meist das Thema gewechselt, manchmal aus Hilflosigkeit, manchmal zur vermeintlich notwendigen Ablenkung von der Situation. Dieselben Menschen bezeichnen sich als empathisch. Empathisches Verhalten geht jedoch viel tiefer. Empathie ist dann im Spiel, wenn du in der Lage bist, die Empfindungen, Emotionen, Gedanken, Motive und Persönlichkeitsmerkmale von anderen Menschen (leicht) erkennen, verstehen und nachempfinden kannst. Du kannst damit das Verhalten von anderen besser reflektieren und auch besser einschätzen, was dein eigenes Verhalten beim Gegenüber bewirkt. Menschen mit einem hohen Maß an Empathie sind in der Lage, andere Menschen anhand deren Körpersprache (Gestik, Mimik, Körperhaltung, Tonfall) zu lesen. Damit gelingt es ihnen, in deren Gefühls- und Gedankenwelt einzutauchen. Und klar, damit fällt es auch leichter, Mitgefühl zu zeigen, selbst wenn eine Person sich unlogisch oder unnormal in einer Situation verhält. 

Empathie mal drei: Überblick über die verschiedenen Typen

Man unterscheidet zwischen emotionaler, kognitiver und sozialer Empathie. Vielleicht kennst du das? Du erzählst deiner Freundin von deiner erhaltenen Kündigung deines Jobs, und deine Stimmung überträgt sich auf deine Freundin, d. h. sie wird traurig wie du. Deine Gefühle, dein Schmerz, dein Leid reißen deine Freundin fast mit und am Ende laufen vielleicht sogar euch beiden die Tränen übers Gesicht. Deine Freundin möchte unbedingt helfen und sucht bereits am selben Abend nach Stellenausschreibungen, die dir gefallen könnten. Hierbei spricht man von emotionaler Empathie. Handelt es sich bei dir um die mitfühlende Freundin, gilt es aufzupassen. Viel zu schnell kann es passieren, dass du deine eigenen Bedürfnisse aus den Augen verlierst. Du verlierst dich dann in den Emotionen anderer und ziehst dich selbst in einen Strudel negativer Gefühle und Gedanken. Mitgefühl also unbedingt, jedoch sollte das Leid anderer nicht dein Leben beeinflussen. Bei der kognitiven Empathie geht es weniger um das Fühlen, sondern mehr um das Hineinversetzen in andere. Hier liegt der Fokus also auf den Absichten und Gedanken des Gegenübers, weniger um dessen Gefühle. Hier wirkt also die Ebene des Verstandes, was es dir ermöglicht, aus dem Verhalten abzuleiten, wie sich eine Person in Zukunft verhalten wird. So wirst du zu einem Beobachter des anderen. Die soziale Empathie schließlich lässt zu, sich auf die unterschiedlichsten Menschen einzustellen, unabhängig von deren Herkunft, Kultur, Alter oder auch Ansichten. Das zeigt sich zum Beispiel im unterschiedlichen Umgang mit Kindern und Erwachsenen. 

Kognitive Empathie lässt sich erlernen

Möchtest du dich weiterentwickeln, so setze auf das Lernen von kognitiver Empathie, denn diese kannst du in all deinen Lebensbereichen anwenden. Du verstehst andere Ansichten, wie die deiner Freund:innen, Kolleg:innen, Vorgesetzte und Kund:innen, besser, was wiederum für gesunde Beziehungen sorgt. Auch dein:e Partner:in ist mit allen Sorgen und Problemen besser zu verstehen, sodass zielgerichtete Unterstützung und ein gutes Miteinander in der Beziehung möglich werden und ihr dem Glück gemeinsam ein Stück näherkommt. Und hier hört das Lernen auch nie auf, denn das Leben bewegt sich dynamisch, sodass es immer wieder neue Herausforderungen zu bewältigen gibt. Nachfolgend meine Tipps für dich:

  • Übe dich in Selbstreflexion: Schau‘ zunächst auf dich und dein eigenes Verhalten. Was sind deine Absichten, deine Motive? Warum reagierst du, wie du reagierst? Wurde ein Bedürfnis nicht erfüllt? Wie reagierst du in Konflikten? Was ist dein Anteil an der Situation? Hast du alles richtig gemacht? Was hättest du besser machen können? Und dann versuche, dein Selbstverständnis künftig auch anderen zu geben. 
  • Übe dich im Verstehen: Lerne möglichst unvoreingenommen Menschen (neu) kennen. Zeichne kein Bild des Gegenübers, ohne es zu verstehen. Was du (noch) nicht verstanden hast, erfrage: Was stört konkret? Welche Gefühle sind im Spiel?
  • Übe dich im aktiven Zuhören: Denke nicht nur mit, wenn dir andere etwas erzählen. Viel zu schnell schwenken wir auf uns selbst und unsere Erfahrungen um. Bleib‘ beim Gegenüber und stelle Rückfragen. Wiederhole alles Wichtige mit eigenen Worten. 
  • Übe dich im Beobachten: Im Beobachten anderer liegt der Schlüssel zu deren Gewohnheiten, typischen Reaktionen und Mustern. Erkenne Leidenschaft für Themen, schau‘ auf Gefühle und Körperreaktionen. Im Beobachten liegt eine Menge Kraft.
  • Übe dich in Anteilnahme: Zeige ein ehrliches Interesse für dein Gegenüber. Bei Hobbies und Interessen hake nach und höre auch hier gut zu. 
  • Übe dich in Geduld: Gib deinem Gegenüber Zeit, sich zu öffnen. Nicht jeder Mensch lässt sich schnell hinter die Fassade blicken. Dafür braucht es Zeit und Vertrauen. Über dem anderen geschenkte Zeit erhältst du Vertrauen und schließlich Offenheit. 

Und zum Schluss…

Ein bisschen mehr Empathie täte unserer Welt, unserer Gesellschaft ganz gut. Sie bringt uns auf unserem Weg weiter und erlaubt eine aufgeschlossene und verschiedenartige Form des Zusammenlebens unterschiedlichster Menschen. Ein gesundes Maß an Empathie und Selbstreflexion kann uns helfen, uns und unser Umfeld besser nachzuvollziehen und die Menschen zu akzeptieren, die anderer Meinung sind als wir. Und gesund bleibt Empathie, indem wir zwar unser Verhalten an unsere Beobachtungen anpassen, ohne unsere Mitmenschen zu manipulieren. Und natürlich auch indem wir uns nicht zu sehr von den negativen Emotionen anderer mitreißen lassen. Wie immer lautet das Motto: Bleib gelassen und im Moment. 

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