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Eigenlob stinkt? Nee…

Vor einigen Monaten habe ich damit begonnen, mir selbst jeden Tag schriftlich ein Kompliment zu geben. Das war anfangs gar nicht so einfach. Es gab immer wieder diese eine Stimme in meinem Kopf, die mit ihren vermeintlich schlauen Sprüchen versuchte, mich vom Aufschreiben abzuhalten. „Das bringt doch nichts.“, „Eigenlob stinkt!“, „Pfui, bist du arrogant!“ Die Stimme war jedoch recht schnell verstummt, weil ich ihr keine Taten folgen ließ. Ich machte also damit weiter, mich regelmäßig selbst zu loben. Inzwischen kommen die Komplimente auch unausgesprochen bzw. unaufgeschrieben in meine Gedanken. Ich finde das großartig, weil diese Komplimente an mich selbst meinem Selbstvertrauen einen ordentlichen Schub nach vorne verpassen. Gerade in Zeiten, wo es gerade mal etwas schwerer und grauer ist. 

Eigenlob nimmt Selbstkritik die Luft

Wenn du dir hin und wieder selbst zuhörst, wirst du vielleicht feststellen, dass selbstkritische Gedanken ziemlich oft deinen Tag begleiten. Wenn dir zum Beispiel beim Ausräumen des Geschirrspülers versehentlich ein Glas zu Boden fällt und zerbricht,  heißt es innerlich schnell „War ja klar, dass dir das passiert, Tolpatsch!“. Oder wenn du gerade vom Einkauf nach Hause kommst und feststellst, dass du eine Zutat für das neue Rezept fürs Abendessen vergessen hast, wird schon mal schnell gerufen: „Mann, bist du blöd! Jetzt musst du nochmal loslaufen!“. Wenn du magst, achte bei Gelegenheit darauf. Vielleicht erschrickst du genauso wie ich. Und mal ehrlich, ich würde so nicht mit meiner besten Freundin oder meinem Partner sprechen! Warum also tue ich mir das selbst an? Oftmals halten wir das, was uns gelingt, für so selbstverständlich und überhaupt keines Lobes wert. Nicht zu sprechen über die Erwartungen an uns selbst, dermaßen hoch, sodass wir uns erst mit Perfektion loben möchten. Nicht zuletzt schauen wir lieber auf das, was wir nicht gut machen. 

Wozu brauche ich andere, wenn ich mich selbst loben kann?

Und weißt du, was ich am tollsten am Selbstlob finde? Ich hechele dadurch weniger der Anerkennung durch andere hinterher. Klar, soziale Anerkennung ist eines unserer Grundbedürfnisse. Und natürlich freue ich mich auch weiterhin, mal ein dickes Lob zu erhalten („Hallo, Chef!“), jedoch mache ich mich nicht länger davon abhängig und stelle bei Ausbleiben meinen Wert in Frage. Heute weiß ich mehr denn je, dass alles in mir anfängt. Mit ein paar mehr Komplimenten an mich durch mich selbst fühle ich mich voller Energie, Tatkraft und  Zuversicht.  

Und wie drücke ich Eigenlob aus?

Im Grunde ist die Sache mit den Komplimenten an sich selbst nicht schwer: Nimm‘ dir einen Moment Zeit für dich, wenn dir etwas gelungen ist und sprich‘ dir im Stillen ein Lob aus. Dir bewusst zu machen, dass du etwas Gutes getan hast, ist dabei vielleicht der schwierigere Teil. Mit ein bisschen Übung ist das schnell erlernbar. Ich habe das auch geschafft (… und mich schon dafür gelobt).

An anderer Stelle habe ich mal davon gehört, jeden Tag zehn Erbsen zum Beispiel in die rechte Hosentasche zu stecken. Wann immer man etwas Gutes getan hat, wandert eine Erbse in die andere, hier die linke Hosentasche. Vielleicht magst du das mal ausprobieren? Ich habe jedenfalls nicht schlecht gestaunt, als ich irgendwann zum ersten Mal schon am frühen Nachmittag keine Erbsen mehr an gewohnter Stelle vorfand. Und nein, die Hosentasche hatte kein Loch… Natürlich gelingt mir nicht jeden Tag zehn Mal etwas Gutes, aber ich freue mich auch über vier Mal Lob an mich selbst. Ein Kompliment schenke ich mir übrigens schon, wenn ich etwas tue, das ich sei ein paar Tagen aufgeschoben habe. Eine Erbse steht da ganz sicher und ganz oft für die frisch gewaschene Wäsche, die in den Schrank sortiert werden muss. Du kannst dir auch kleine, erreichbare Ziele setzen (das neue Jahr mit neuen Vorsätzen ist ja nicht weit…), wie zum Beispiel:

  • Heute mache ich für 10 Minuten einen Spaziergang.
  • Ich lese heute eine Seite in einem Buch. 
  • Ich lege heute mein Handy um 21 Uhr im Flugmodus zur Seite. 
  • Heute spiele ich eine Runde „Mensch, ärgere dich nicht“ mit meinem Kind.
  • Ich mache heute drei 5-Minuten-Pausen über den Tag verteilt und schaue dabei aus dem Fenster. 
  • Heute nutze ich die Treppe statt den Fahrstuhl. 

Zack, schon haben sich sechs Erbsen gut in deinen Hosentaschen verteilt. 

Übrigens, hilfreich ist auch, wenn du dir am Ende des Tages drei Dinge notierst, die dir über den Tag gut gelungen sind. Daraus kann ein schönes Ritual werden, um den Tag positiv zu beenden.

So lobe ich mich selbst

Nun, dein Lob an dich selbst kann beispielsweise so aussehen:

  • „Toll, dass du dich um… gekümmert hast!“
  • „Hey, das… ist dir richtig gut gelungen!“
  • „Das… hast du gut gemacht!“
  • „Schön, wie du heute… unterstützt hast!“
  • „Prima, wie du das… heute durchgehalten hast!“

Ich wiederhole es gerne: Anfangs fühlt sich das Ganze schräg an. Jedoch sind das lediglich Gefühle, die (selbstkritischen) Gedanken folgen. Es wird mit der Zeit einfacher, daher lohnt es sich, dran zu bleiben.

Und wofür lobst du dich heute?

Photo by Marc Najera on Unsplash